Samstag, 31. Dezember 2011

Werner: Musikalischer Kalender (Hungaroton)

Gregor Joseph Werner (1693 bis 1766) gehört heute zu den weit- gehend vergessenen Komponisten. Über seine Kindheit und Jugend ist wenig bekannt; er wirkte wohl zu- nächst als Organist in Melk, und hat dann wahrscheinlich in Wien bei Johann Joseph Fux studiert. 
1728 trat er in den Dienst der Fürsten Esterházy, und dort blieb er bis an sein Lebensende. Allein die Tatsache, dass er der Vorgän- ger Haydns auf dem Posten des ersten Kapellmeisters und als solcher auch einige Zeit Haydns Vorgesetzter war, sollte auf sein Werk neugierig machen. Doch bislang ist kaum eines seiner Stücke auf CD zu bekommen. Nun hat das Ensemble Aura Musicale unter Leitung von Balázs Máté auf zeitgenössischen Instrumenten seinen Neuen und sehr curios-Musicalischen Instrumental-Calender eingespielt. Dieses launige Werk, der zunächst ein wenig an Vivaldis Vier Jahreszeiten erinnert, gibt Zeugnis von dem grandiosen Humor seines Komponi- sten - und von dessen handwerklicher Meisterschaft. 
Was er da in Noten gesetzt hat, das beschreibt Werner selbst so: "Hoch- und nach Standes-Gebühr geneigter Leser! Hier wird Dir ein Wercklein zur Gemüths-Ergötzung vorgeleget, von derley Gattung noch keines jemahl zum Vorschein gekommen. Es betitult sich aber dieses: der neue und sehr Curios- Musicalische Instrumental-Calender. Hiervon nun eine Kurtz- und deutliche Information zu geben, so folget demnach zu wissen, daß gleich Anfangs Januarii mit zitternden Noten die Kälte exprimiret wird. Im Februario kommen allerhand lustige Faßnachts-Stuck mit Harlequins Hochzeit, worbey ein verworffener Tag einfallet (&c). Der Martius deutet auf die trau- rige Fasten. In dem April folget das variable Wetter mit mancherley vermischten Tacten. Der Majus bringet die Gärtnerey, samt dem Nachtigalls-Gesang. Der Junius und Julius hat Erd-beben   und Donner-Wetter. Im Augusto und September kommen der Zeit gemäß einige curiose Stuck. Der October führet den Faßbinder auf. In dem November ist der melancholische Student wegen der Schulen Anfang, darbey sich die Mühl hören lasset, weilen sich jeder über den Winter gern proviantiret. Der December hat den Schlaff wegen der langen Nächte. Es kommet auch die Sonne zum Vorschein, wie sie Quartal-weiß in die vier Himmels-Zeichen, des Widders, Krebsen, Waag und Steinbock einruckt (&c). In Summa , es ist eines jeden Monaths Eigenschafft so deutlich exprimiret, als es sich in der Music thun lässet." 
Die Musiker haben an Werners Programmmusik hörbar Vergnügen - und der Zuhörer auch. Wenn die Sonne im Krebs ein Menuett im Krebsgang absolviert, die Frösche quaken, Stürme tosen oder das Posthorn ertönt, wenn man eine Hetzjagd belauscht oder die Mühle vernimmt, dann kann man über diese musikalische Charakterisier- kunst nur staunen. Mehr davon! 

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