Mittwoch, 6. Februar 2008

New Seasons - Händel für Oboe und Orchester (Deutsche Grammophon)

Albrecht Mayer, Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker, kommt das Verdienst zu, sein Instrument innerhalb weniger Jahre aus einem Schattendasein im Orchestergraben heraus auf die Konzertpodien geführt zu haben. Es ist unglaublich, wie virtuos dieses Instrument erklingen kann, das man allgemein eher für etwas behäbig gehalten hätte. Mayer präsentiert die Oboen-Familie - zu der neben der Oboe ja auch noch die Oboe d'Amore und das Englischhorn gehören - extrem sanglich, in feinster dynamischer Differenzierung. Absolut unglaublich, man glaubt seinen Ohren mitunter nicht zu trauen.
Das gilt insbesondere für diese CD: Offenbar hat sich Mayer jahrelang geärgert, dass er Perlen des Repertoires, wie Händels hochvirtuose Arien, nur begleiten durfte. Über jeden Atemzug, jede Note wachen mittlerweile, der historischen Aufführungspraxis sei Dank, Scharen von Musikwissenschaftlern - und das Original gilt als heilig. Alles Quatsch, beschloss Mayer schließlich. Und wagte sich an ein Experiment, das Händel selbst vermutlich für ziemlich alltäglich befunden hätte. Der Oboist arrangierte die "Ohrwürmer" neu, unterstützt von Andreas Tarkmann. So entstanden neben einigen Konzertstücken vier nagelneue "alte" Konzerte. Mit dem musikalischen Material wird ebenso respektvoll wie geistreich umgegangen, was der Kenner mit Wohlgefallen akzeptiert. Und auch wer Händels Arien nicht kennt, der wird sich gern vom Wohlklang verführen lassen. Diese herrlichen Stücke hat Mayer schließlich in Warschau mit der Sinfonia Varsovia eingespielt. Souverän. Brillant. Anhören!




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