Sonntag, 22. Mai 2011

Mozart: String Quintets (Hyperion)

Als Wolfgang Amadeus Mozart von seinen Italienreisen, auf denen er für seine Opern gefeiert worden war, nach Salzburg zurückgekehrt war, da erschien ihm dieses be- schauliche Städtchen schrecklich provinziell und spießig. Salzburg sei kein Ort für sein Talent, klagte der junge Komponist in einem Brief an einen Freund: "Erstens sind die Leute von der Musik in keinem Ansehen, und zweitens hört man nichts; es ist kein Theater da, keine Oper! -- Wenn man auch wirklich eine spielen wollte, wer würde dann singen?" Und so reisten Vater und Sohn Mozart umgehend nach Wien, in der Hoffnung, bei Hofe  Anstellung  zu erhalten. Kaiserin Maria Theresia aber ließ die Mozarts abblitzen; dort galt die frühere Wunderkind-Show als vulgärer Fami- lienzirkus. 
Also fuhren die Musiker wieder nach Hause, und der siebzehnjährige Wolfgang komponierte fleißig. 1773 entstanden Streichquartette, eine Sinfonie, das erste Klavierkonzert, und das Streichquintett in B-Dur KV 174. Anders als seine Kollegen, ergänzt Mozart dabei das Streich- quartett nicht um ein zweites Cello, sondern um eine zweite Viola; es ist bekannt, dass er die große Schwester der Violine gern spielte und ihren Klang sehr schätzte. Das spürt man auch in den Quintetten, wo die Mittelstimmen generell anspruchsvoll gehalten sind, und teilweise deutlich eigenständige Aufgaben haben. Das gilt auch für die später entstandenen Werke, die noch Haydnscher klingen, und außerordent- lich kunstvoll strukturiert sind - mitunter auch ziemlich düster. Das Nash Ensemble, eines der führenden britischen Streichquartette, hier verstärkt durch den Bratscher Philip Dukes, spielt Mozarts Quintette sehr klassisch, was ihre Nähe zu Haydn noch unterstreicht. 

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