Dienstag, 20. Dezember 2011

Kreuzchorvespern: Herr, wenn ich nur dich habe (Berlin Classics)

"Geistliche Musik in der Zeit der Trauer und Zuversicht", steht als Motto über der vierten und letzten CD, die die Reihe der Kreuzchor- vespern komplettiert. Sie enthält eine Sammlung von Chorwerken, die an die Vergänglichkeit irdi- schen Lebens erinnern und zu- gleich Trost im Glauben verheißen.
Im Zentrum der CD steht das mo- numentale Wir sind Verlassene in der Zeit, eine Motette von Hans Huyssen, Jahrgang 1964, nach einem Text der französischen Philosophin Simone Weil. Dabei handelt es sich um ein Auftragswerk der Heinrich-Schütz-Gesellschaft in Süd- afrika, also aus dem Herkunftsland des Komponisten, das im Jahre 2002 in Dresden durch den Kreuzchor uraufgeführt worden ist. Darum gruppiert sind ähnlich gewichtige Motetten von Heinrich Kaminski (1886 bis 1946), Louis Spohr (1784 bis 1895) - beide haben Psalm 130 vertont - sowie Mitten wir im Leben sind von Felix Men- delssohn Bartholdy (1809 bis 1847). Komponisten aus dem mittel- deutschen Raum schufen die Werke aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die diese CD vervollständigen - Heinrich Schütz, Johann Bach, Hans Leo Hassler, Johann Walter, Johann Hermann Schein und Johann Rosenmüller. Einzig Leonhard Lechner wirkte in Süddeutschland, doch er wäre gern Hofkapellmeister in Dresden geworden.
Die Kruzianer singen sehr ordentlich. Sämtliche Soli werden durch Mitglieder des Chores gesungen. Kreuzkantor Roderich Kreile baut auf den Traditionen des Chores auf, und entwickelt Klang und Repertoire eher behutsam weiter. Das ist in einer Stadt wie Dresden, wo um den Neubau einer Brücke jahrzehntelang vor Gerichten gestritten wird, mit Sicherheit eine kluge Strategie. Auch die Tat- sache, dass zwischen der Aufzeichnung der Motetten und ihrer Veröffentlichung zwei Jahre vergehen, zeigt doch, dass die sächsische Landeshauptstadt abseits ihrer Hightech-Industrie noch immer eine gewisse Beschaulichkeit schätzt. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen