Sonntag, 22. Januar 2012

William Primrose - Recital (Naxos)

Dass man auf der Viola durchaus auch die Bravourstücke spielen kann, die Geiger gern vortragen, zeigt die Serie "Great Violists" aus dem Hause Naxos mit Aufnahmen, die William Primrose (1904 bis 1982) eingespielt hat. Er gilt als der erste moderne Violist, und als einer jener Pioniere, die die Bratsche als Soloinstrument etabliert haben. 
Primrose war der Sohn eines Geigers aus Glasgow. Er begann als Vierjähriger mit dem Violinunter- richt bei Camillo Ritter, einem Schüler Joachims. Mit 15 Jahren wechselte er nach London auf die Guildhall School of Music, wo er bei Max Mossel studierte, und 1924 für sein Examen eine Goldmedaille erhielt. Um weiter zu lernen, ging Primrose zu Eugène Ysaye - der den jungen Musiker ermutigte, sich der Viola zuzuwenden. 1928 spielte Primrose beim Mozartfestival in Paris dann gemeinsam mit Lionel Tertis die Sinfonia concertante - und war fasziniert von dem kraft- vollen, warmen Ton des Kollegen. Dieses Konzert dürfte wohl das Schlüsselerlebnis gewesen sein, dass Primrose endgültig zum Wechsel veranlasste. 
Primrose spielte einige Zeit auch im Orchester, doch in erster Linie musizierte er solistisch und widmete sich der Kammermusik. Auch unterrichtet hat Primrose viel; er wirkte an diversen Universitäten in den USA und Japan, und begeisterte den Nachwuchs in zahlreichen Meisterklassen. 
Bei Naxos sind nun die ersten beide CD mit Aufnahmen des großen Bratschisten erschienen. Vol. 1 umfasst Einspielungen aus den Jahren 1927 bis 1947, Vol. 2 aus den Jahren 1934 bis 1952. Dabei staunt man, wie enorm facettenreich das Repertoire des Musikers war - es reichte von Bach und Händel über Paganini, Kreisler und Dvorák bis hin zu Camille Saint-Saens berühmtem Schwan oder zu Werken, die seine Freunde Arthur Benjamin, Boris Myronoff und Roy Harris speziell für ihn geschrieben haben. 
Primroses Technik war ebenfalls erstaunlich. Vom großzügigen Vibrato oder den nicht immer sauberen Lagenwechseln eines Fritz Kreisler ist hier nichts mehr zu hören; dennoch hat das Spiel des Bratschisten noch etwas von jenem persönlichen Ausdruck und jener enormen Ausstrahlung, die man an den alten Aufnahmen so schätzt. Auf die nachfolgenden CD darf man daher gespannt bleiben. 

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