Freitag, 1. Februar 2013

Rossini: La gazzetta (Naxos)

Ein reicher Kaufmann aus Neapel schafft es nicht, seine Tochter unter die Haube zu bringen. Er reist nach Paris - und er setzt eine Annonce in die Zeitung, Bewerber mögen sich doch bitte melden. Dass Verwirrung da nicht aus- bleibt, versteht sich von selbst. 
Das Libretto, das ursprünglich den Namen Il matrimonio per concor- so trug, ist wie geschaffen für Gioachino Rossini (1792 bis 1868), den Großmeister des musikali- schen Trubels. Umso erstaunlicher erscheint es, dass der maestro zunächst Bedenken hatte: "Der neapo- litanische Dialekt, den ich nicht besonders gut verstehe, bildet den Dialog und die Entwicklung dieser Handlung, wird mir der Himmel beistehen?", grübelte der Komponist in einem Brief aus dem Jahre 1816 an seine Mutter. Doch die Premiere wurde ein Erfolg. Und man wundert sich, dass man diese komische Oper noch nie auf der Bühne erlebt hat. Denn sie hat alles, was ein solches Werk ausmacht: Große Gefühle, großes Durcheinander und großartige Musik. Einige Abschnitte freilich kommen dem Opernfreund bekannt vor - und das ist kein Irrtum, sondern Methode. Denn Rossini übernahm gern Passagen aus seinen eigenen Werken, passte sie an und entwickelte die musikalische Substanz zugleich weiter. 
Diese Tatsache ermöglichte in diesem Falle die Rekonstruktion eini- ger Szenen, die zwar im Textbuch überliefert sind, zu denen aber die Musik verloren gegangen war. Die gefundene Lösung überzeugt, und das internationale Ensemble, das die Oper 2007 auf dem XIX. Rossini in Wildbad-Festival vorgestellt hat, hat an dem Verwirrspiel hörbar Vergnügen. Die Namen der zahlreichen Mitwirkenden aufzulisten, darauf sei an dieser Stelle verzichtet. Auch wenn die Sänger und Musiker nicht zu den bekannten Stars gehören - sie machen ihre Sache sehr ordentlich, und diese Aufnahme wird hier deshalb auch empfohlen. 

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