Sonntag, 16. Juni 2013

Schütz: Musikalische Exequien; Stuttgarter Hymnus-Chorknaben (MDG)

Unter den vielen Aufnahmen der Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz, die auf dem Musikmarkt erhältlich sind, ragt diese gleich aus mehreren Gründen heraus. Zum einen wird das Werk, das Schütz einst komponiert hatte, damit es zur Beisetzung seines Paten Heinrich Reuß Posthumus am 4. Februar 1635 - dem Sime- onstag, wie von dem reußischen Landesherrn geplant - vor und nach der Leichpredigt "in eine stille verdackte Orgel angestellet vnd abgesungen" werde, heutzutage gern mit üppiger Instrumenta- tion versehen. 
Zum anderen hatte Schütz seinerzeit das Opus nicht für die ausgebil- deten Gesangssolisten geschrieben, die es heute üblicherweise singen, sondern für Schüler des von Heinrich Posthumus gegründeten Gym- nasiums. Schütz hatte also den Klang der jungen Stimmen im Ohr, und er hat die musikalischen Anforderungen bewusst so gestaltet, dass sie durch die Knaben zu bewältigen waren. 
Diesem "originalen" Klangbild entspricht diese Einspielung mit den Stuttgarter Hymnus-Chorknaben und ihren jungen Solisten unter Leitung von Rainer Johannes Homburg exzellent, auch wenn sich gelegentlich die Bläser des Ensembles Musica Fiata vernehmen lassen, um die Klangpracht des mehrchörigen Musizierens zu unter- streichen. Schütz hatte sie einst in Venedig kennengelernt, wo er bei Giovanni Gabrieli diese Kunst studiert hatte. Als Hofkapellmeister brachte er dann den Glanz der Serenissima an die Elbe - die überwäl- tigende Wirkung solcher Stücke ist auf dieser CD beim Gesang der drei Männer in feurigen Ofen SWV 448 zu erleben, der hier in Ersteinspie- lung erklingt. 
Allerdings war die Freude nicht ungetrübt, denn im Dreißigjährigen Krieg schmolzen auch die Mittel dahin, die der sächsische Kurfürst für seine Hofkapelle auszugeben gewillt war. So übte sich Schütz darin, klein besetzte Werke zu schreiben, die sich durch Altersweisheit, tiefe Frömmigkeit und intensive Textausdeutung auszeichnen. Auch dafür finden sich Beispiele auf der CD. Neben Schütz' Werken sind eine Pa- vane a 8 von Hans Hake sowie eine Suite von Thomaskantor Johann Hermann Schein zu hören. Sie stehen für die Musik der Stadtpfeifer, die bürgerliche Musizierkunst, die sich allmählich neben den höfi- schen und kirchlichen Ensembles etablierte - und durch Musica Fiata unter Roland Wilson hinreißend präsentiert wird. 


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