Montag, 15. Februar 2016

Reger: Organ Works (MDG)

Christoph Schoener, Kirchenmusik- direktor an der Hamburger Haupt- kirche St. Michaelis, beschert allen Musikfreunden, quasi im Vorgriff auf den 100. Todestag von Max Reger (1873 bis 1916), bei Dabringhaus und Grimm ein Orgelkonzert erster Güte. 
Für diese Einspielung hat der Orga- nist ein Programm zusammengestellt, das nicht nur inhaltlich bestens zum „Michel“ passt, sondern darüber hinaus auch die Orgeln dieser Kirche bestens zur Geltung kommen lässt. Er beginnt mit der Choralfantasie über Ein feste Burg ist unser Gott op. 27, komponiert für Regers Freund Karl Straube, von diesem 1898 uraufgeführt im Willibrordi-Dom zu Wesel; die Sauer-Orgel dort war damals das größte Instrument im Rheinland. Reger folgt in seinem Werk den Choralstrophen, Zeile für Zeile, und deutet sie musikalisch aus, wobei er nicht nur auf den barocken rhetorischen Figurenfundus zurückgreift. Auch die Klangmög- lichkeiten einer großen deutsch-spätromantischen Orgel nutzt das Werk voll – der Effekt ist gewaltig, die Herausforderungen an den Organisten sind allerdings ebenfalls nicht gerade gering. 
Schoener bewältigt diese Klangfluten ebenso souverän wie die nachfol- gende Auswahl aus den 30 kleinen Choralvorspielen op. 135a. Diese Sammlung begeistert durch die Verknüpfung von technischer Einfachheit und harmonischer Raffinesse. Gewidmet hatte sie Reger Hans von Ohlendorff, einem engen Vertrauten und großem Musikfreund, seinerzeit Kirchenvorstand in St. Michaelis. „Kinderleicht“ sollten diese Stücke sein, so schrieb der Komponist in einem Brief an Straube; bestimmt waren sie für nebenamtliche Organisten, üblicherweise waren dies Lehrer, die auf dem Lande den Gottesdienst musikalisch ausgestalteten. Dabei hatten sie oft- mals auch nur kleine Orgeln zur Verfügung, mit wenig Registern, mitunter sogar ohne Pedal. 
Für diese Lehrerorganisten stellte Reger eine Kollektion der 30 gebräuch- lichsten Choräle zusammen, und schuf gut spielbare, aber trotz ihrer scheinbar simplen Strukturen meisterhaft gearbeitete Sätze. Zwölf davon hat Schoener für diese CD eingespielt, darunter Wie schön leucht't uns der Morgenstern und Wachet auf, ruft uns die Stimme, beide von Philipp Nicolai, von 1601 bis zu seinem Tod 1608 Hauptpastor in Hamburg an St. Katharinen. Nun sind die Orgeln der St. Michaelis-Kirche – im Rahmen dieser Einspielung erklingen die Große Orgel, die Konzertorgel und das Fernwerk – große, städtische Instrumente, die Schoener ganz andere Möglichkeiten bieten als eine ländliche Orgel. Er nutzt dies, um den Aus- druck der Choralsätze zu unterstreichen. 
„Ein ganz großes Orgelwerk“ nannte Reger Introduktion, Passacaglia und Fuge e-Moll op. 127, entstanden 1913 zur Einweihung der von Karl Straube disponierten Sauer-Orgel in der Breslauer Jahrhunderthalle. Mit fünf Manualen und 200 Registern war sie seinerzeit die weltweit größte Orgel, und dementsprechend sind die Dimensionen der Musik, die Reger für dieses Instrument geschaffen hat. Das Opus dauert mehr als eine halbe Stunde, und bietet von der sinfonischen Introduktion über die vielen, vielen Variationen des Themas der Passacaglia bis hin zur Doppelfuge und zum majestätischen Finale in E-Dur auf, was Klangpracht und Kunstfertigkeit demonstrieren kann. Schoener wiederum beweist, dass sich an den Orgeln im „Michel“ solche Klangwelten ebenfalls hervorragend gestalten lassen. 
Dank dieser Super Audio CD ist dies auch zu Hause am Lautsprecher nachzuvollziehen: Bei Wiedergabe im 2+2+2-Format sind die drei einge- setzten Orgelwerke mit atemberaubender Raumwirkung im Wohnzimmer zu erleben. Der Klang ist phänomenal. 

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