Samstag, 15. Oktober 2011

Ristori: Divoti affetti alla Passione di Nostro Signore (Accent)

Bevor die Dresdner Hofkirche fertiggestellt wurde, musste sich die (katholische) Gemeinde mit einem wesentlich kleineren Raum bescheiden. Das wirkte sich auch auf die Kirchenmusik aus, denn dort war der Platz auf der Empore beschränkt. Eines der schönsten Werke, die in jenen Jahren für kleine Besetzung entstanden, wa- ren die Divoti Affetti alla Passione di Nostro Signore per uso della Reale Cappella di Dresda nel Giorna de' Venerdi e Domeniche della Quadragesima von Giovanni Alberto Ristori (1692 bis 1753). 
Ristori war der Sohn eines Schauspielers. Er kam 1715 mit der Komö- diantentruppe seines Vaters nach Dresden,  und erwarb sich bald einen Ruf als Komponist, Pianist und Organist. 1717 erhielt er daher eine Anstellung als Compositeur beim italienischen Hofschauspiel. Außerdem wurde er der Leiter der polnischen Capelle, die den König anstelle der Hofkapelle nach Polen begleitete. 1733 wurde er zum Kammerorganisten, 1746 zum Kirchen-Compositeur und 1750 zum Vizekapellmeister ernannt. Ristori schuf Werke für Kirche und Kammer gleichermaßen; auch seine Opern waren wohl sehr beliebt. Seinen Nachlass erwarb der Hof; so sind Opernpartituren Ristoris überliefert. Kirchenmusik hingegen ist kaum erhalten; die meisten dieser Werke gingen im Krieg verloren. Desto erfreulicher ist es, dass die Divoti Affetti nunmehr sogar auf CD vorliegen.
Es sind "Kammerduette für die Kirche", für Singstimmen und Basso continuo. Sie erklangen während der Nachmittagsandachten in der vorösterlichen Fastenzeit. Dorothee Mields, Sopran, und Franz Vitzthum, Alto, sowie das Ensemble Echo du Danube präsentieren diese wundervolle, eindrückliche Musik aufs Beste. Ergänzt werden die Duette durch Instrumentalstücke des Komponisten, die dieser möglicherweise für den Unterricht geschaffen hat - die Esercizi per l'Accompagnamento, die hier durch die fünf Musiker gekonnt in unterschiedlichen Besetzungen vorgestellt werden. Den Namen Ristori sollte man sich merken. Zwar stand er ganz sicher immer im Schatten berühmter Kollegen wie Hasse, Heinichen, Zelenka oder Pisendel. Doch seine Musik ist traumhaft schön, das ist wirklich eine Entdeckung. Und die Einspielung ist gelungen, ich kann sie daher sehr empfehlen. 

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