Sonntag, 22. Juli 2012

Hommage à Debussy (Genuin)

Das wohl spannendste Geschenk zum 150. Geburtstag von Achille-Claude Debussy (1862 bis 1918) legen das Leipziger Label Genuin und der Klavierbauer Blüthner gemeinsam auf den Gabentisch. Sie haben vier junge Pianisten einge- laden, das Klavierwerk des Kompo- nisten einzuspielen - an einem Blüthner-Flügel.
Das ist mitnichten nur Marketing. Denn Debussy hatte einst in Eng- land ein Instrument des Leipziger Klavierbauers ausprobiert - und war so begeistert vom Klang und von der Mechanik, dass er einen solchen Flügel erwarb. Man kann also davon ausgehen, dass Debussy ab 1904 all seine Werke an einem Blüthner geschaffen hat.
Für diese Aufnahme konnte das Originalinstrument, das sich heute im Museum befindet, nicht genutzt werden. Deshalb hat Blüthner einen modernen Konzertflügel zur Verfügung gestellt, der durch gekonnte Bearbeitung des Hammerkopffilzes dem Klangcharakter dieses historischen Instrumentes angepasst wurde. Insbesondere Juliana Steinbach nutzt den so besonderen, farbenreichen Blüthner-Klang als Basis für ihre Interpretation. Und der Zuhörer ahnt, warum Debussy dieses Instrument so schätzte.
Steinbach vertritt hier die französische Musiktradition, wie sie am Conservatoire Superieur de Musique in Paris vermittelt wird. Sie legt besonderen Wert auf sangliches Spiel - und lässt den Blüthner-Flügel dabei wunderbar zur Geltung kommen. Auch die drei anderen Piani- sten sind an renommierten Hochschulen ausgebildet worden. Chen- yin Li ist eine Absolventin der Guildhall School of Music in London. Amir Tebenikhin stammt aus Kasachstan und hat in Moskau und in Hannover studiert. Julia Dahlkvist repräsentiert die russische und finnische Musiktradition: Sie ist in Sibirien aufgewachsen, und hat dort auch einen Teil ihrer Ausbildung absolviert. Später studierte sie in Helsinki, Freiburg, Berlin, Dublin, Barcelona und Stockholm - und gewann, wie auch die drei anderen Musiker, die an diesem Zyklus mitwirkten, zahlreiche Wettbewerbe und Preise.
Sie haben alle ihre individuelle Sicht auf Debussys Werk, was hier auch deutlich hörbar wird, und diese Jubiläumsbox sehr interessant macht. Exzellente Pianisten sind sie alle vier; man darf gespannt sein, wo man sie wieder hören wird.

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