Samstag, 21. Juli 2012

Mozart: Apollo et Hyacinthus (Linn)

Man glaubt es kaum, aber Apollo et Hyacinthus hat Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) kompo- niert, als er elf Jahre alt war. Es war seine erste Oper. In Auftrag gegeben hatte das Werk das der Benediktiner-Universität Salzburg zugehörige Gymnasium. Dort war es Brauch, einmal in Jahr ein Schauspiel in lateinischer Sprache aufzuführen.  
1767 hieß dieses Stück Clementia Croesi, und stammte aus der Feder des Syntax-Professors Rufinus Widl. Um die Milde des Königs Krösus noch stärker herauszustellen, wurde in diese Tragödie zusätzlich ein kurzes musikalisches Stück eingefügt - ebenfalls auf Latein, das Libretto schrieb erneut Pater Widl. Und damit die Zöglinge nicht auf dumme Gedanken kommen, verbog der fromme Mann den Ovid ein bisschen - Hauptsache war schließlich die Moral. Ist ursprünglich Apollo in den Hyazinth verliebt, der dann unglücklicherweise vom Diskus des Gottes tödlich getroffen wird, so liebt er in dieser Oper eine Dame namens Melia, und der Intrigant Zephyrus sorgt für die Verwir- rung. Er ist auch für den Tod des Königssohnes Hyacinthus verant- wortlich. Zur Strafe verwandelt ihn der Gott in einen Wind. Auch hier lässt Apollo die Leiche Hyazinths zu einem Blumenmeer werden - und heiratet dann brav seine Melia, die man bei Ovid vergebens suchen wird. 
Im Original wurden die Partien dieser Oper von Knaben gesungen. Für den König Oebalus, Tenor, kam ein Student zum Einsatz, und die beiden Priester, tiefe Männerstimmen, sangen zwei Schüler, die den Stimmbruch schon hinter sich hatten. Diese Besetzung vollzog vor Jahren eine Einspielung mit Mitgliedern des Tölzer Knabenchores nach.  
Auf den vorliegenden zwei CD sind durchweg ausgebildete Sänger zu hören. Andrew Kennedy singt den König Oebalus, Klara Ek und Sophie Bevan, Sopran, sind als Melia und Hyacinthus zu hören. Die Partien des Apollo und des Zephyrus sind mit den Countertenören Lawrence Zazzo und Christopher Ainslie besetzt, die Priester im Ein- gangschor mit Marcus Farnsworth und David Shipley. Es musiziert The Orchestra of Classical Opera unter Leitung von Ian Page. 
Page beginnt mit dieser Aufnahme eine Gesamteinspielung der Mozart-Opern für Linn. Er nimmt Mozarts Jugendwerk ernst - was dieses auch verdient hat, denn es ist in der Tat eine richtige Oper im Stile der Zeit und bereits in einer Qualität, die manch erwachsener Kollege damals so nicht erreicht hat. Page lässt das Werk ziemlich flott spielen, schwungvoll und rhythmusbetont. Das Ensemble hat Stärken und Schwächen, und so hat auch die Aufnahme berührende Stellen und weniger schöne, aber davon nur wenige. Insofern darf man sich über diese Rarität freuen, und auf die nächsten Mozart-Opern aus diesem Zyklus auch. 

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