Montag, 21. November 2016

Johann Bernhard Bach: Ouvertures (Ricercar)

No 18. Joh. Bernhard Bach,ältester Sohn von Johann Egydio Bachen Sub No. 8 ist in Erffurth An. 1676 gebohren. Lebet noch anjetzo (nehmlich 1735) als CammerMusicus u Organist in Eisenach. Succedirte Joh. Christ. Bachen Sub No. 13.“ Das notierte Johann Sebastian Bach über Johann Bernhard Bach (1676 bis 1749) in seiner Genealogie der weit verzweigten Musikerfamilie. 
Er war zunächst Organist an der Kaufmannskirche in Erfurt, bevor er 1699 Organist an der Magdeburger Katharinenkirche wurde. 1703 ging er nach Eisenach – im selben Jahr trat Johann Sebastian in Arnstadt, einen straffen Tagesmarsch entfernt, seine erste Organistenstelle an. Johann Bernhard wirkte auch als Cembalist bei Hofe, und wurde 1712 zum Hof- kapellmeister ernannt. 
Ob sich die beiden Cousins jemals persönlich getroffen haben, darüber kann man nur Vermutungen anstellen. Ganz unwahrscheinlich ist dies nicht; zum einen traf sich die Bach-Familie regelmäßig. Und zum anderen wurde 1706 Georg Philipp Telemann erster Geiger und Kapellmeister des Herzogs von Eisenach, der wiederum mit Johann Sebastian Bach eng befreundet war und Taufpate seines zweiten Sohnes wurde. 
Die Ouvertüren von Johann Bernhard jedenfalls waren Johann Sebastian bekannt; er hat Stimmen eigenhändig mit angefertigt, wahrscheinlich für eine Aufführung mit dem Collegium musicum. In Leipzig sind wohl nur drei davon erklungen; das Ensemble L'Achéron, geleitet vom Bassgambi- sten François Joubert-Caillet, hat auf dieser CD alle vier überlieferten Ouvertüren veröffentlicht. Es sind elegante Suiten, die das französische Vorbild mit viel Charme nach Thüringen eingemeinden: Das stilistische Modell sei „clairement français, classique, inspiré de cet esprit et de goût typiques des danses et Ouvertures d'outre-Rhin“, stellt Joubert-Caillet in einem Geleitwort fest. „On ne pourrait pourtant pas imaginer cette musique écrite par un musicien français.“ Bach orientiere sich an diesem Modell, „et l'adapte à son style propre, créant ainsi une musique toute personelle.“ 
Das Ensemble L'Achéron hat sich für diese Aufnahme zum Orchester erweitert. Die Musiker spüren den Ideen und Klangfarben nach, die einst dem Komponisten wichtig waren: „En adoptant des instrumentations variées, typées, nous avons tenté de repeindre ici les inspirations s'exprimant dans chacune de ces miniatures“, so Joubert-Caillet. Aus diesem Grunde belassen es die Musiker auch nicht bei der Besetzung der Stimmen mit Streichern; Traversflöte und Piccolo, Blockflöten, Flageolett, Oboe und Fagott sorgen für klangliche Abwechslung. Auch im Continuo treten zu Kontrabass und Bassgambe ergänzend Erzlaute, Gitarre und Cembalo. Musiziert wird mit Leidenschaft und mit Esprit. Das Ensemble L'Achéron schreibt mit dieser CD ein spannendes Kapitel der europäischen Musikgeschichte weiter, die stets geprägt war durch den Austausch über alle Grenzen hinweg.

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