Dienstag, 22. November 2016

Froberger: Complete Music for Harpsichord & Organ (Brilliant Classics)

Die mit Abstand umfangreichste Einspielung mit Werken Johann Jacob Frobergers (1616 bis 1667) hat Simone Stella bei Brilliant Classics auf immerhin 16 CD veröffentlicht. Der vielfach ausgezeichnete Musiker und Komponist wirkt seit 2011 als Titularorganist an den historischen Orgeln der Basilica della Santissima Annunziata und der Kirche Santa Maria Assunta der Badia Fiorentina in Florenz. 
Neben diesen beiden Instrumenten, erbaut 1521 von Domenico Di Lorenzo da Lucca und 1558 von Onofrio Zeffirini da Cortona, hat Stella für diese Einspielung auch noch zwei weitere Orgeln ausgewählt – ein Instrument der venezianischen Schule aus dem 17. Jahrhundert, das sich in der Kirche Sant'Eusebio in Bassano del Grappa befindet, und die (moderne) Pinchi-Orgel der Basilica di San Giorgio fuori le mura in Ferrara. Sie ist mit 30 Registern mit Abstand die größte der vier Orgeln. Jedes dieser Instrumente ist zudem anders gestimmt. 
Ergänzt werden die vier Orgeln durch ein Cembalo aus der Werkstatt von William Horn, Windischletten, nach einem Vorbild von Ioannes Ruckers aus dem Jahre 1638. Auf diesen fünf Tasteninstrumenten hat Stella das Gesamtwerk Frobergers eingespielt, soweit es überliefert und zugänglich ist. Jenes Manuskript also, dass erst 2006 entdeckt und durch Sotheby's versteigert wurde, ist leider in dieser Aufnahme nicht mit zum Klingen erweckt worden. 
Für die Einspielung orientierte sich Stella am Froberger Werke Verzeich- nis, das in den 90er Jahren erstellt und dann durch Siegbert Rampe aktualisiert worden ist. Leider muss man jede CD anschauen, wenn man sich einen Überblick über den Inhalt verschaffen möchte; man vermisst in dem ansonsten sehr informativen und ausführlichen Beiheft ein Register. 
Wer sich für den Lebensweg von Johann Jacob Froberger interessiert, der sei hier auf ältere Posts verwiesen. Erinnert sei aber daran, dass der Musiker am Wiener Hof  angestellt war, und im Auftrag der Habsburger sehr häufig auf Reisen ging. Diese haben auch in seinem Werk ihre Spuren hinterlassen. So gehört Froberger zu den ersten Komponisten von Pro- grammmusiken. Er hat auf seinen Reisen offenbar viel Musik gehört und viele Musiker kennengelernt; die Anregungen und Einflüsse, die er europaweit erhielt, haben sein Werk mit geprägt und auch die nachfol- gende Generation inspiriert, vor allem jene der norddeutschen Schule. 
Mit dieser Gesamteinspielung lässt sich das Werk des Hoforganisten bequem erkunden. Über Frobergers virtuose Toccaten kann man noch heute staunen. Er pflegte zudem die Suitenform und entwickelte sie weiter. Froberger war ein Meister des Stylus phantasticus. Der strenge Kontra- punkt steht bei ihm gleichbereichtigt neben der freien Improvisation; brillant und anspruchsvoll ist beides. Simone Stella ist für die unglaubliche Arbeit, die er in dieses Projekt investiert haben muss, zu danken. Trotz Jubiläum hat sich kein anderer Musiker an eine ähnliche Edition gewagt. Stellas Einspielung macht aber deutlich, dass es in Frobergers Werk noch viel zu entdecken gibt. 

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