Johann Baptist Vanhal (1739 bis 1813) gehörte zum Freundeskreis um Haydn und Mozart. Er war in Böhmen zur Welt gekommen, als Sohn leibeigener Bauern. Schon als Jugendlicher wirkte er als Organist, außerdem spielt er Geige. Eine Gräfin würdigte seine Begabung und sorgte dafür, dass er seine Ausbildung in Wien fortsetzen konnte. Dort ver- diente er als Musiklehrer bald genug, um sich aus der Leibeigenschaft freizukaufen.
1769 reiste er für zwei Jahre nach Italien; auch in Kroatien und Ungarn soll Vanhal sich kurz aufgehalten haben. Im Jahre 1780 aber ließ er sich endgültig in Wien nieder, wo er sein Geld als Musiker, Komponist und als Musikpädagoge verdiente. Ignaz Pleyel war einer seiner Schüler.
Obwohl ihm sowohl durch Kaiser Joseph II. als auch am Dresdner Hof Anstellungen angeboten worden waren, lehnte er ab; Vanhal gilt somit als einer der ersten freischaffenden Musiker überhaupt. Er schuf eine immense Anzahl von Werken, darunter viele Sinfonien, Konzerte, Kammermusik für verschiedene Besetzungen und geistliche Musik.
Die drei Streichquartette, die das Camesina Quartett für diese CD ausge- wählt hat, sind Vanhals Antwort auf die berühmten Streichquartette "auf eine gantz neue besondere Art" op. 33, die Joseph Haydn im Jahre 1781 veröffentlicht hatte. Die Musiker kannten sich gut; aus zeitgenössischen Berichten wissen wir, dass sie gemeinsam musiziert haben – so soll bei einem Quartett-Abend 1784 Haydn die erste Violine gespielt haben, Carl Ditters von Dittersdorf die zweite, Mozart die Bratsche und Vanhal das Violoncello. Man darf davon ausgehen, dass sie bei solchen Gelegenheiten einem handverlesenen Publikum ihre eigenen Werke vorgestellt haben.
Dabei hat es möglicherweise auch kollegiale Scherze gegeben; das Camesina Quartett merkt an, in einigen Werken sei „der Part der ersten Violine sehr virtuos und erfordert teilweise wahnwitziges Lagenspiel bis zum Ende des Griffbrettes“ – was durchaus eine Art musikalischer Spaß gewesen sein könnte. Johannes Gebauer und Katja Grüttner, Violine, Irina Alexandrowna, Viola, und Martin Burkhardt, Violoncello, musizieren temperamentvoll und graziös – Vanhals Werke sind beim Camesina Quartett, das historische Aufführungspraxis sehr ernst nimmt, in besten Händen.
Zu hören sind auf dieser CD zwei der Streichquartette, die Vanhal eben- falls als op. 33 veröffentlichte – was ganz sicher kein Zufall war. Ergänzt wird das Programm durch eines von insgesamt sechs Quartetten, die als Subskription bei Hoffmeister in einer Art Zeitschrift erschienen sind „und denen wir, analog zu Mozarts ,Hoffmeister-Quartett' KV 499 (welches ebenfalls 1786 dort erschien), den Beinamen ,Hoffmeister-Quartette' gegeben haben, da sie keine Opus-Zahl besitzen“, schreibt das Camesina Quartett im Beiheft. „Wir hoffen sehr, mit unserer CD dem Komponisten Vanhal einen kleinen Dienst zu erweisen, indem wir einige wirklich hochwertige Werke zugänglich machen, die eine Wiederentdeckung unbedingt wert sind.“
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Montag, 24. Oktober 2016
Freitag, 8. April 2016
Reissiger: String Quartets op. 111 No. 1 & 2 (MMB)
Carl Gottlieb Reißiger (1798 bis 1859), geboren in Belzig, war der Sohn eines Kantors. Wie sein jüngerer Bruder Friedrich August Reißiger, der ebenfalls ein erfolg- reicher Musiker wurde und in späteren Jahren als Musikdirektor in Norwegen lebte, begann er seine Ausbildung beim Vater, und lernte dann an der Thomasschule in Leipzig.
An der Pleiße studierte Carl Gottlieb Reißiger anschließend Theologie; musikalisch bildete er sich unter anderem in Wien bei Antonio Salieri, in München bei Peter von Winter sowie auf Reisen nach Frankreich und Italien im Auftrag der preußischen Regierung fort.
1826 wurde Reißiger als Nachfolger Carl Maria von Webers Dresdner Hof- kapellmeister. 1842 dirigierte er die Uraufführung von Richard Wagners Rienzi, und sorgte mit dafür, dass Wagner 1843 nach der Uraufführung des Fliegenden Holländers zum zweiten Kapellmeister ernannt wurde. Kurio- serweise war Reißigers Opern wenig Erfolg beschieden; beliebt waren allerdings seine Lieder und seine Kirchenmusik.
Heute ist der Musiker in Vergessenheit geraten; das ist ein wenig schade, die diese CD beweist. Sie zeigt, dass Reißiger auch auf dem Gebiet der Kammermusik durchaus Akzente zu setzen wusste. In seinen Streichquar- tetten op. 111, Nr. 1 und 2, kombinierte er italienische Einflüsse mit klassischen Traditionen. Er bezaubert mit Melodien, und er zaubert auch mit Klangfarben – dem Camesina Quartett sei Dank für diese Entdeckung!
An der Pleiße studierte Carl Gottlieb Reißiger anschließend Theologie; musikalisch bildete er sich unter anderem in Wien bei Antonio Salieri, in München bei Peter von Winter sowie auf Reisen nach Frankreich und Italien im Auftrag der preußischen Regierung fort.
1826 wurde Reißiger als Nachfolger Carl Maria von Webers Dresdner Hof- kapellmeister. 1842 dirigierte er die Uraufführung von Richard Wagners Rienzi, und sorgte mit dafür, dass Wagner 1843 nach der Uraufführung des Fliegenden Holländers zum zweiten Kapellmeister ernannt wurde. Kurio- serweise war Reißigers Opern wenig Erfolg beschieden; beliebt waren allerdings seine Lieder und seine Kirchenmusik.
Heute ist der Musiker in Vergessenheit geraten; das ist ein wenig schade, die diese CD beweist. Sie zeigt, dass Reißiger auch auf dem Gebiet der Kammermusik durchaus Akzente zu setzen wusste. In seinen Streichquar- tetten op. 111, Nr. 1 und 2, kombinierte er italienische Einflüsse mit klassischen Traditionen. Er bezaubert mit Melodien, und er zaubert auch mit Klangfarben – dem Camesina Quartett sei Dank für diese Entdeckung!
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