Montag, 2. August 2021

Fasch: Works for Keyboard (Audax)

 


Mit diesem Album wendet sich der Cembalist Philippe Grisvard dem Werk eines Kollegen zu: Carl Friedrich Christian Fasch (1736 bis 1800) ist selbst Musikhistorikern heute nur noch deshalb ein Begriff, weil er 1791 die „Singe-Academie zu Berlin“ gegründet hat. Nach seinem Tode übernahm sein Freund und Schüler Carl Friedrich Zelter die Leitung dieser ältesten heute noch existierenden gemischten Chorvereinigung. 

Carl Fasch war jedoch nicht nur ein versierter Chorleiter, sondern in erster Linie auch ein bedeutender Musiker und Komponist. Das Licht der Welt erblickte er in Zerbst, wo er bei seinem Vater, dem Bach-Schüler und Hofkapellmeister Johann Friedrich Fasch, ersten Musikunterricht erhielt. Als 14jähriger ging Carl Fasch dann nach Neustrelitz, um beim dortigen Konzertmeister Johann Christian Hertel seine Fertigkeiten im Violinspiel zu erweitern. Ein Jahr später wurde Fasch bereits Mitglied der Herzoglichen Hofkapelle. 

1756 wechselte er auf Empfehlung Franz Bendas an den preußischen Hof. Fasch wurde, ebenso wie Carl Philipp Emanuel Bach, Hofcembalist von Friedrich II. Zu seinen Aufgaben gehörte es, den flötespielenden König zu begleiten; allerdings hatte diese Glanzzeit bald ein Ende, denn das Ausbrechen des Siebenjährigen Krieges ließ die Musik verstummen. 

Unterbeschäftigt blieb Fasch auch nach dem Ende der Feldzüge. Obwohl der Monarch in seinen letzten Lebensjahren die Musik weitgehend aufgegeben hatte, verweigerte er Fasch die Entlassung. Nach dem Tode Friedrichs des Großen beließ dann sein Nachfolger Wilhelm II. Carl Fasch in Amt und Würden. Da hatte der Musiker allerdings bereits begonnen, sich mit Chormusik zu beschäftigen. 

Leider hat Fasch damals die meisten seiner Werke ins Feuer befördert. Dies trug natürlich dazu bei, dass sein Schaffen in Vergessenheit geriet. Philippe Grisvard ist nun angetreten, um dem verkannten Musiker Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Dazu hat er in Archiven nach Kompositionen des Meisters gesucht, und auch etliche Werke gefunden, die er nun auf dieser CD in Weltersteinspielungen vorstellt. 

Die Sonaten, Variationen und Charakterstücke, die Grisvard aufspüren konnte, zeigen uns Fasch als einen originellen Kopf, der aktuelle Strömungen zwar aufgreift, aber sie in eine eigene musikalische Welt integriert. Zu erwähnen ist außerdem, dass Grisvard Faschs Musik stilsicher auf einem Hammerklavier aus dem Jahre 1790 interpretiert, das dem Augsburger Instrumentenbauer Johann André Stein zugeschrieben wird. Das klangschöne Fortepiano befindet sich in der Sammlung Neumeyer-Junghanns-Tracey im Schloss Bad Krozingen. 


Popper: Cello Concertos (Naxos)


 David Popper (1843 bis 1913) gehörte zu den großen Cello-Virtuosen seiner Zeit. Über den Lebensweg des Musikers wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle ausführlich berichtet; er stammte aus Prag, wo er auch am Konservatorium bei dem Cellisten August Julius Goltermann studierte. 1868 wurde Popper Solocellist der Wiener Hofoper, empfohlen durch Hans von Bülow. Doch diese Stelle gab er schon fünf Jahre später wieder auf, weil er sich auf seine Konzertreisen konzentrieren wollte. 

Popper hat, wie seinerzeit üblich, auch komponiert. Ein fester Bestandteil des Repertoires angehender Cellisten sind allerdings weniger seine Konzerte als vielmehr seine teilweise höchst anspruchsvollen Etüden. Insbesondere mit der Hohen Schule des Violoncellospiels reagierte der Musiker auf die Weiterentwicklung der Spieltechnik nach der Einführung des Stachels. David Popper hat immer auch Schüler unterrichtet; er war ein gesuchter Musikpädagoge, und 1896 wurde er Professor an der Musikakademie in Budapest. 

Die vier Violoncello-Konzerte von David Popper sind leider selten zu hören. Martin Rummel, der sich schon seit etlichen Jahren intensiv mit dem Schaffen seines berühmten Kollegen auseinandersetzt, hat diese Werke für Naxos eingespielt. In seinem Spiel kombiniert er Eleganz und Kraft mit der notwendigen Virtuosität – scheinbar mühelos bewältigt Rummel all die technischen Parade-Effekte, die Popper einst in seine Konzertsätze einbaute. Ob Flageolett-Passagen oder Mehrfachgriffe, jeder Ton sitzt perfekt; und der Solist musiziert stets mit schönem Ton und beeindruckendem Ausdruck. 

Bei den drei ersten Cellokonzerten wird Martin Rummel vom Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice unter Leitung von Tecwyn Evans begleitet. Beim vierten Cellokonzert in h-Moll op. 72 entschied er sich für die Klavierversion, und musiziert gemeinsam mit Mari Kato.