Auch die Klaviersonaten und Sonatinen von Ferdinand Ries - zu seiner Biographie sei auf die vor- ausgehenden Posts verwiesen - veröffentlicht das Label Naxos derzeit. Sie werden von der amerikanischen Pianistin Susan Kagan eingespielt, einer ausgewie- senen Spezialistin für die Musik der Beethoven-Ära. So hat sie über Erzherzog Rudolf von Österreich promoviert - den einzigen Kompo- sitionsschüler, den Beethoven jemals hatte. Er entschied sich für die geistliche Laufbahn, wurde Erzbischof von Olmütz und Kardinal, und war ein wichtiger Mäzen Beethovens.
Als Ries begann, Klaviersonaten zu komponieren, war die Gattung im Umbruch begriffen. Zwar gab es Vorbilder, wie Carl Philipp Emanuel Bach, Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart. Doch ihre Strahlkraft verblasste vor den Werken von Beethoven, Clementi und Hummel, die die Sonate weiterentwickelten. Ries war mit den For- men, die damals entstanden, bestens vertraut.
Seine auf den "Titanen" Beethoven fixierten Zeitgenossen erkannten den Wert seines Werkes nicht. Zwar war Ries ein gefeierter Klavier- virtuose, und solange er selbst im Konzert präsent blieb, waren seine Werke populär. Doch nach seinem Rückzug aus dem Konzertleben wurde er bald als Beethoven-Nachahmer abgetan, und geriet erstaun- lich schnell in Vergessenheit. Unberechtigterweise, wie diese CD beweist: Auch wenn Ries einst Beethovens Sekretär und Klavier- schüler war, ist er musikalisch durchaus eigenständig.
Er nimmt in vielen Details seiner Klavierwerke vorweg, was die Früh- romantik schließlich zur Blüte bringen sollte. Da finden sich Schubert- sche Harmonien, Chopinsche Figurationen und Mendelssohnsche Melodien - doch all das zu einem Zeitpunkt, da diese Komponisten noch in den Windeln lagen. Susan Kagan macht deutlich, dass hier ein Werk voll kühner Ideen und unerwarteter Wendungen zu entdecken ist. Der Zuhörer folgt ihr gern, auch wenn ihr Zugriff mitunter ziemlich kantig erscheint, und sich für die lyrischen Elemente offenbar weniger interessiert.
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Sonntag, 20. Februar 2011
Sonntag, 22. August 2010
Ries: Piano Sonatas and Sonatinas 3 (Naxos)
Und weil wir gerade bei Ries waren - auch die Klaviersonaten und -sonatinen des Beethoven-Schülers stellt Naxos derzeit in einer Folge von Aufnahmen vor. CD 3 enthält die Sonate in C-Dur op. 9 Nr. 2, und die Sonate fis-Moll "L'infor- tunée" op. 26 sowie The Dream op. 49, gespielt von Susan Kagan. Sie ist nicht nur Pianistin, sondern auch Musikwissenschaftlerin, und hat sich mit der Beethoven-Zeit, wie man hören kann, ausgiebig beschäftigt.
Diese Klaviersonaten entstanden zu einer Zeit, da sich sowohl das Instrument als auch die Gattung rapide entwickelte. Im Ausgang standen Haydn und Mozart, dann folgten Beethoven, Clementi, Hummel - und schließlich Schubert, Schumann, Mendelssohn und Chopin. Wie ein Wetterleuchten am Horizont klingen insbesondere jene kühnen harmonischen Wendungen an, die Schuberts Marken- zeichen werden sollten, und brillante Figurationen ähnlich denen, die typisch für Chopin waren. Der spielte übrigens nachweislich 1823 ein Konzert von Ferdinand Ries - und studierte bis 1829. Die Romantiker steckten, als Ries die meisten seiner Sonaten schrieb, buchstäblich noch in den Windeln.
Ries Werke sind originell, sie sprudeln vor musikalischen Ideen, und die Unglückliche erscheint wie eine Antwort auf Beethovens Pathétique. The Dream erzählt sogar eine musikalische Geschichte. Kagan zeigt in ihrer Interpretation so manchen Querverweis auf; das macht die Einspielung ganz besonders interessant.
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