Posts mit dem Label Schoener werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Schoener werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Bach arranged by Reger (MDG)

Für seine dritte Einspielung bei Dabringhaus und Grimm hat sich Christoph Schoener, Kirchenmusik- direktor an der Hamburger Haupt- kirche St. Michaelis, etwas ganz Besonderes ausgesucht: Nach den Orgeltoccaten von Johann Sebastian Bach und einem hochkarätigen Programm mit Orgelmusik von Max Reger spielt er an den vier Orgeln im „Michel“ die sieben Toccaten BWV910 bis 916. Komponiert hat Bach diese Musikstücke einst für das Cembalo. Fünf davon hat Max Reger einst auf die Orgel übertragen; bei den beiden ausstehenden Werken hat die Transkription nun Schoener selbst angefertigt. 
Doch während Reger sich große Freiheiten genommen hat, und schon seine Bearbeitungen Interpretationen sind, hat Schoener sich penibel an den Notentext gehalten. Regers Ziel war Ausdruck, und dafür zog der Spätromantiker gern – und das durchaus auch im Wortsinne – alle Regi- ster. Schoener geht sehr viel behutsamer vor; er verwendet beispielsweise das Pedal wesentlich zurückhaltender, und bleibt stets dicht am Original. Beides hat seine Reize, und genießen kann man diese opulente Aufnahme vom ersten bis zum letzten Ton. Was für ein Klangereignis! 

Montag, 15. Februar 2016

Reger: Organ Works (MDG)

Christoph Schoener, Kirchenmusik- direktor an der Hamburger Haupt- kirche St. Michaelis, beschert allen Musikfreunden, quasi im Vorgriff auf den 100. Todestag von Max Reger (1873 bis 1916), bei Dabringhaus und Grimm ein Orgelkonzert erster Güte. 
Für diese Einspielung hat der Orga- nist ein Programm zusammengestellt, das nicht nur inhaltlich bestens zum „Michel“ passt, sondern darüber hinaus auch die Orgeln dieser Kirche bestens zur Geltung kommen lässt. Er beginnt mit der Choralfantasie über Ein feste Burg ist unser Gott op. 27, komponiert für Regers Freund Karl Straube, von diesem 1898 uraufgeführt im Willibrordi-Dom zu Wesel; die Sauer-Orgel dort war damals das größte Instrument im Rheinland. Reger folgt in seinem Werk den Choralstrophen, Zeile für Zeile, und deutet sie musikalisch aus, wobei er nicht nur auf den barocken rhetorischen Figurenfundus zurückgreift. Auch die Klangmög- lichkeiten einer großen deutsch-spätromantischen Orgel nutzt das Werk voll – der Effekt ist gewaltig, die Herausforderungen an den Organisten sind allerdings ebenfalls nicht gerade gering. 
Schoener bewältigt diese Klangfluten ebenso souverän wie die nachfol- gende Auswahl aus den 30 kleinen Choralvorspielen op. 135a. Diese Sammlung begeistert durch die Verknüpfung von technischer Einfachheit und harmonischer Raffinesse. Gewidmet hatte sie Reger Hans von Ohlendorff, einem engen Vertrauten und großem Musikfreund, seinerzeit Kirchenvorstand in St. Michaelis. „Kinderleicht“ sollten diese Stücke sein, so schrieb der Komponist in einem Brief an Straube; bestimmt waren sie für nebenamtliche Organisten, üblicherweise waren dies Lehrer, die auf dem Lande den Gottesdienst musikalisch ausgestalteten. Dabei hatten sie oft- mals auch nur kleine Orgeln zur Verfügung, mit wenig Registern, mitunter sogar ohne Pedal. 
Für diese Lehrerorganisten stellte Reger eine Kollektion der 30 gebräuch- lichsten Choräle zusammen, und schuf gut spielbare, aber trotz ihrer scheinbar simplen Strukturen meisterhaft gearbeitete Sätze. Zwölf davon hat Schoener für diese CD eingespielt, darunter Wie schön leucht't uns der Morgenstern und Wachet auf, ruft uns die Stimme, beide von Philipp Nicolai, von 1601 bis zu seinem Tod 1608 Hauptpastor in Hamburg an St. Katharinen. Nun sind die Orgeln der St. Michaelis-Kirche – im Rahmen dieser Einspielung erklingen die Große Orgel, die Konzertorgel und das Fernwerk – große, städtische Instrumente, die Schoener ganz andere Möglichkeiten bieten als eine ländliche Orgel. Er nutzt dies, um den Aus- druck der Choralsätze zu unterstreichen. 
„Ein ganz großes Orgelwerk“ nannte Reger Introduktion, Passacaglia und Fuge e-Moll op. 127, entstanden 1913 zur Einweihung der von Karl Straube disponierten Sauer-Orgel in der Breslauer Jahrhunderthalle. Mit fünf Manualen und 200 Registern war sie seinerzeit die weltweit größte Orgel, und dementsprechend sind die Dimensionen der Musik, die Reger für dieses Instrument geschaffen hat. Das Opus dauert mehr als eine halbe Stunde, und bietet von der sinfonischen Introduktion über die vielen, vielen Variationen des Themas der Passacaglia bis hin zur Doppelfuge und zum majestätischen Finale in E-Dur auf, was Klangpracht und Kunstfertigkeit demonstrieren kann. Schoener wiederum beweist, dass sich an den Orgeln im „Michel“ solche Klangwelten ebenfalls hervorragend gestalten lassen. 
Dank dieser Super Audio CD ist dies auch zu Hause am Lautsprecher nachzuvollziehen: Bei Wiedergabe im 2+2+2-Format sind die drei einge- setzten Orgelwerke mit atemberaubender Raumwirkung im Wohnzimmer zu erleben. Der Klang ist phänomenal. 

Dienstag, 1. Dezember 2015

Bach: The Organ Toccatas (MDG)

Fünf Orgeln besitzt die Hamburger Hauptkirche St. Michaelis: Die Marcussen-Orgel auf der Konzert- empore im Norden, die Steinmeyer-Orgel auf der Westempore, unmittelbar darüber im Dachboden ein neues Fernwerk, seit 2010 die Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Orgel auf der Südempore sowie die Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Orgel in der Krypta, 1917 errichtet von Johannes Strebel. 
Die Kirche, liebevoll „Michel“ genannt, beherbergte auch in früheren Jahrhunderten bedeutende Orgeln. Dort befanden sich Instrumente von Arp Schnitger (bis 1750), Zacharias Hildebrandt (bis 1906) und schließlich bis 1945 eine Walcker-Orgel, die bei ihrer Einweihung 1912 die größte Kirchenorgel der Welt war. Sie wurden jeweils bei Bränden bzw. durch Bomben zerstört. Als die Gemeinde nach der Jahrtausendwende das Kirchengebäude restaurieren ließ, wurden auch die Orgeln mit einbezogen. Beauftragt wurden die beiden Orgelbauwerkstätten Freiburger Orgelbau Hartwig und Tilmann Späth sowie Orgelbau Klais Bonn, die dieses große Projekt gemeinsam über- nahmen. 
Die neobarocke Große Orgel von Steinmeyer aus dem Jahre 1962 mit ihren 86 Registern, verteilt auf fünf Manuale und Pedal, wurde als Klangdenkmal in ihrer Disposition erhalten. Allerdings gab es Veränderungen im techni- schen Bereich. So wurde das mechanische System, das die Verbindung von der Tastatur zu den Ventilen darstellt, die sogenannte Traktur, erneuert. Dabei wurden desolate „moderne“ Bauteile durch die jahrhundertelang bewährte, solide mechanische Traktur ersetzt. 
Die sogenannte Konzertorgel ist ein Instrument der dänischen Orgelbau- firma Marcussen & Son aus dem Jahre 1914. Es verfügte seinerzeit über
42 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal. In den 50er Jahren wurde es durch die Firma Walcker stark verändert. Da noch genug Original- substanz vorhanden war, wurde diese Orgel bei der Restaurierung auf den Anfangszustand zurückgeführt. Dabei wurde auch der ursprüngliche pneumatische Spieltisch rekonstruiert, ebenso wie einige fehlende Register der Originaldisposition. Die Orgel erhielt zudem ihren hochromantischen, orchestralen Klang zurück. 

Die Walcker-Orgel besaß einst ein Fernwerk. Es befand sich auf dem Dachboden und schickte über einen Schallkanal und ein Schallgitter in der Kuppel Klänge im Pianissimo in den Kirchenraum. Orgelbau Klais hat 2009 ein neues Fernwerk errichtet, das an das Original erinnert, es aber nicht kopiert. Und weil eine Anbindung dieses Fernwerkes an die Instrumente im Kirchenraum nicht erfolgen sollte, wurde zusätzlich ein fünfmanualiger Zentralspieltisch auf der Konzertempore geschaffen, von dem aus alle drei Orgeln gespielt werden können. Er funktioniert elektro- nisch, was dem Organisten enorme Möglichkeiten eröffnet. 
Auf der oberen Galerie der Südempore hat Orgelbau Freiburg 2010 ein gänzlich neues Instrument eingebaut. Diese eher kleine Orgel, gewidmet Carl Philipp Emanuel Bach, ersetzt eine Chororgel aus den 60er Jahren. Sie wurde geschaffen, um kammermusikalische Werke insbesondere auch aus Renaissance und Barock aufführen zu können. Sie ist nicht vom Zentralspieltisch aus spielbar. 
Diese vier Orgeln im Hamburger Michel erklingen auf einer CD, die Kirchenmusikdirektor Christoph Schoener bei Dabringhaus und Grimm eingespielt hat. Er musiziert die Orgeltoccaten von Johann Sebastian Bach und vermittelt damit, nicht zuletzt dank der raffinierten 2222+-Aufnahme von Tonmeister Werner Dabringhaus, einen lebendigen 3D-Klangeindruck der restaurierten und der neuen Instrumente. Hier ist klar im Vorteil, wer Musik in 222-Wiedergabe hören kann. Bei der berühmten d-Moll-Toccata – Spötter nennen sie „die Epidemische“ – erklingen sogar alle drei vom Zentralspieltisch aus spielbaren Instrumente. Zwar wird man zunächst stutzen, wenn man Bach-Aufnahmen aus historisch informierter Auffüh- rungspraxis im Ohr hat. Doch allerspätestens Schoeners Interpretation der „Dorischen“ versöhnt mit diesem außergewöhnlichen Orgelporträt. Dieses Werk erinnert mich, so wie Schoener es spielt, an etlichen Stellen ungemein an Mendelssohns zweite Orgelsonate. Kuriosität am Rande: Die Mendelssohn-Orgel, eine kleine romantische Orgel mit sieben Registern, zwei Manualen und Pedal befindet sich in der Krypta, unter dem Kirchen- fußboden. Sie ist auf dieser CD nicht zu hören.