Mittwoch, 2. Januar 2013

Caro Sposo (Destino Classics)

Auch diese CD widmet Erin Headley einer sagenumwobenen Frauensperson: Katharina von Alexandrien gehört zu den
14 Nothelfern, und gilt unter anderem als Schutzpatronin der Schulen und der philosophischen Fakultäten. Die Jungfrau, der Legende nach eine Königstochter, soll versucht haben, in einem spitzfindigen Disput den römischen Kaiser zum Christentum zu be- kehren. Weder den Gelehrten des Herrschers noch dem Kaiser selbst soll es gelungen sein, sie vom christlichen Glauben abzubringen. 

Marco Marazzoli (um 1602 bis 1662) zeigt in seinem Oratorio di Santa Caterina, wie sie dem Werben des Kaisers widersteht, und sich auch durch Drohungen, Kerker und das Martyrium nicht beirren lässt. Das Libretto dazu stammt von Lelio Orsini. Die Dialoge, insbe- sondere zwischen Caterina, berückend gesungen von Katherine Watson, und Kaiser Massimino, gesungen von Christian Immler, sind umfangreich und beeindruckend. Zu hören sind weiter die Soprani- stin Nadine Balbeisi als Erzählerin sowie Juan Sancho und Steve Du- gardin als Soldaten. Der Countertenor übernimmt auch den allego- rischen Part der Hoffnung; als Schicksal zu hören ist die Sopranistin Emily Van Evera. Sie singt auch das zweite Stück auf der CD, das Lamento di Cain aus Cain e Abel von Bernardo Pasquini (1637 bis 1710). 
Solche Klagegesänge wurden damals gern durch die Lira da Gamba begleitet. Dieses Streichinstrument, das auch Lirone genannt wird, hat eine Vielzahl von Saiten und einen sehr flachen Steg, so dass beim Spielen stets mehrere Saiten auf einmal erklingen. Erin Headley hat sich für die Wiederentdeckung dieses Instrumentes sehr engagiert; es gibt derzeit weltweit bereits wieder eine Handvoll Musiker, die den Lirone spielen. Mit ihrem Ensemble Atalante hat Headley sich  zum Ziel gesetzt, Musik des 17. Jahrhunderts nach jahrhundertelangem Archivschlaf möglichst authentisch wieder zum Klingen zu bringen. Insbesondere die Archive des Vatikans erweisen sich offenbar als unerschöpfliche Fundgrube. So darf man auf die Fortsetzung der Serie Reliquie di Roma sehr gespannt sein. 

Dienstag, 1. Januar 2013

Wagenseil: Concertos for organ (Accent)

Georg Christoph Wagenseil (1715 bis 1777) begann seine Musiker- laufbahn als Klavier- und Orgel- schüler von Matteo Palotta und Gottlieb Muffat sowie als Kapell- knabe. Später wurde er Hofscholar und Kompositionsschüler von Johann Joseph Fux. In dieser Zeit schrieb er bereits jede Menge Kirchenmusik, und vertrat zudem Muffat, der Erzherzogin Maria Theresia Clavierunterricht gab. 
Die spätere Kaiserin war offenbar angetan. Denn Wagenseil wurde bereits 1738 zum Hofcompositeur ernannt, und wirkte dann bis an sein Lebensende als Musikmeister der Kaiserin. In dieser Funktion unterwies er nicht zuletzt die kaiserlichen Kinder; er war aber auch außerhalb des Hofes bis ins hohe Alter ein gefragter Pädagoge. 
Wagenseil schuf eine Vielzahl von Werken in allen Genres seiner Zeit; er gehört zu den Wegbereitern der Wiener Klassik. Dennoch  wäre sein Name inzwischen in Vergessenheit geraten, wenn es nicht jene Anek- dote gäbe, die über ein Konzert des kleinen Mozart erzählt wird, der bei Hofe ein Konzert Wagenseils vorspielen sollte. Der Sechsjährige rief den berühmten Virtuosen herbei, und ließ sich von ihm die Noten umwenden. 
Das bevorzugte Instrument Wagenseils war ohne Zweifel das Cemba- lo. Das hört man auch bei den vier Konzerten auf dieser CD. Sie stammen aus der Sammlung Six Concertos for the Harpsichord or the Organ with Accompanyments for Two Violins and a Bass, die um 1765 in London gedruckt worden ist. Elisabeth Ullmann spielt diese Werke auf einer Orgel, die ein unbekannter Orgelbauer um 1800 im österreichischen Rust errichtet hat. Die Solistin musiziert gemeinsam mit dem Piccolo Concerto Wien unter Roberto Sensi. Die Musiker sind hervorragend; trotzdem wird man mit dieser Aufnahme nicht recht zufrieden sein. Das liegt möglicherweise am Solo-Instrument. Denn es ist verblüffend, wie deutlich diese hübschen Konzerte für Cembalo bestimmt sind - und ein Rätsel, warum für diese Aufnahme dennoch die Orgel gewählt wurde.