Posts mit dem Label Piccolo Concerto Wien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Piccolo Concerto Wien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 9. Juni 2014

Michael Haydn: Divertimenti (Accent)

Einmal mehr präsentiert Piccolo Concerto Wien reizvolle Werke aus der Zeit der Wiener Klassik. Das ist durchaus ein Vergnügen. Denn die Komponisten jeder Tage waren deutlich experimentierfreudiger, als wir heute denken. Nicht das Streichquartett oder das Klavier- trio waren das Maß aller Dinge – viel spannender fanden es die Musiker seinerzeit offenbar, Klangeffekte zu erproben. 
Das führte zu schier unglaublichen Besetzungen. So erklingen auf dieser CD mit Werken von Michael Haydn (1737 bis 1806) ein Quartett für Violine, Englischhorn, Violoncello piccolo und Kontrabass, ein Divertimento für Viola, Violoncello und Violone sowie ein Divertimento für Oboe, Viola und Violone. Geradezu konventionell besetzt erscheint da das Diverti- mento für konzertierende Violine, konzertierendes Violoncello und Violone. Pierluigi Fabretti, Oboe und Englischhorn, Daniel Sepec, Violine, Johanna Gamerith, Viola, Kristin von der Goltz, Violoncello und Roberto Sensi, Kontrabass und musikalische Leitung, entfesseln ein wahres Feuerwerk an Klangfarben und Ausdrucksnuancen. Bravi! 

Samstag, 6. Juli 2013

Wagenseil: Quartets for low strings (Accent)

Einmal mehr wendet sich das Piccolo Concerto Wien unter Leitung von Roberto Sensi dem Werk von Georg Christoph Wagenseil (1715 bis 1777) zu. Über den Lebensweg des Kom- ponisten, der der Lieblingsschüler von Johann Joseph Fux war, wurde in diesem Blog bereits berichtet. Wagenseil, der ein berühmter Cembalovirtuose war, fand seinen Wirkungskreis am Kaiserhof. Und natürlich schrieb er sehr viele Werke für das Cembalo. 
Diese beiden CD aber stellen seine Quartette für tiefe Streicher vor – ein Kuriosum, aber ein ausgesprochen klangvolles. Sie sind in einer Abschrift im Salzburger Domarchiv überliefert, und weil es sechs Quartette sind, vermuten Musikwissenschaftler, dass Wagenseil diese Werke in Druck geben wollte. 
Auch wenn die Quartette gelegentlich noch an den sogenannten „vermischten Stil“ des 18. Jahrhunderts erinnern, ist man doch in Versuchung, sie der Frühklassik zuzuorden. Sie wirken, als hätte Wagenseil in einem Experiment erproben wollen, wie das „moderne“ viersätzige Streichquartett wirkt, wenn man die Violinen weglässt und ganz auf den sonoren, warmen Klang der tiefen Streicher setzt. Das Ensemble Piccolo Concerto Wien präsentiert diese zauberhafte Kammermusik zudem sehr hörenswert – eine Entdeckung! 

Dienstag, 1. Januar 2013

Wagenseil: Concertos for organ (Accent)

Georg Christoph Wagenseil (1715 bis 1777) begann seine Musiker- laufbahn als Klavier- und Orgel- schüler von Matteo Palotta und Gottlieb Muffat sowie als Kapell- knabe. Später wurde er Hofscholar und Kompositionsschüler von Johann Joseph Fux. In dieser Zeit schrieb er bereits jede Menge Kirchenmusik, und vertrat zudem Muffat, der Erzherzogin Maria Theresia Clavierunterricht gab. 
Die spätere Kaiserin war offenbar angetan. Denn Wagenseil wurde bereits 1738 zum Hofcompositeur ernannt, und wirkte dann bis an sein Lebensende als Musikmeister der Kaiserin. In dieser Funktion unterwies er nicht zuletzt die kaiserlichen Kinder; er war aber auch außerhalb des Hofes bis ins hohe Alter ein gefragter Pädagoge. 
Wagenseil schuf eine Vielzahl von Werken in allen Genres seiner Zeit; er gehört zu den Wegbereitern der Wiener Klassik. Dennoch  wäre sein Name inzwischen in Vergessenheit geraten, wenn es nicht jene Anek- dote gäbe, die über ein Konzert des kleinen Mozart erzählt wird, der bei Hofe ein Konzert Wagenseils vorspielen sollte. Der Sechsjährige rief den berühmten Virtuosen herbei, und ließ sich von ihm die Noten umwenden. 
Das bevorzugte Instrument Wagenseils war ohne Zweifel das Cemba- lo. Das hört man auch bei den vier Konzerten auf dieser CD. Sie stammen aus der Sammlung Six Concertos for the Harpsichord or the Organ with Accompanyments for Two Violins and a Bass, die um 1765 in London gedruckt worden ist. Elisabeth Ullmann spielt diese Werke auf einer Orgel, die ein unbekannter Orgelbauer um 1800 im österreichischen Rust errichtet hat. Die Solistin musiziert gemeinsam mit dem Piccolo Concerto Wien unter Roberto Sensi. Die Musiker sind hervorragend; trotzdem wird man mit dieser Aufnahme nicht recht zufrieden sein. Das liegt möglicherweise am Solo-Instrument. Denn es ist verblüffend, wie deutlich diese hübschen Konzerte für Cembalo bestimmt sind - und ein Rätsel, warum für diese Aufnahme dennoch die Orgel gewählt wurde. 

Montag, 30. Januar 2012

Boccherini: Divertimenti op. 16 (Accent)

Wenn man diese wundervolle Musik hört, dann staunt man sehr darüber, dass es Musikwissen- schaftler gegeben hat, die die Komponisten in große Meister und den großen, aber nicht weiter inte- ressierenden Rest unterteilt haben. Zwar begeistern sich von jeher die Cellisten für das Werk Luigi Boccherinis (1743 bis 1805). Doch dem Reinheitsgebot der Wiener Klassik, das die Sonatenhauptsatz- form und die Arbeit am Thema forderte, konnte der Kammervirtuose Ihrer Königlichen Hoheit Don Luis Infante von Spanien offenbar eher wenig abgewinnen. 
Mich beeindruckt Boccherini inbesondere wegen seines verschwen- derischen Umganges mit musikalischen Ideen und wegen seines unnachahmlichen Gespürs für das Timbre. An den Divertimenti auf dieser CD lässt sich dies exemplarisch nachvollziehen - und auch die Musiker des Ensembles Piccolo Concerto Wien um Roberto Sensi haben daran hörbar ihr Vergnügen. Marcello Gatti, Traversflöte, Jenping Chien und Johanna Gamerith, Violine, Gerswind Olthoff, Viola, Stefano Veggetti und Franziska Romaner, Violoncello und Roberto Sensi am Kontrabass setzen diese musikalischen Juwelen ins rechte Licht und lassen sie strahlen und funkeln. Bravi!