Montag, 20. Februar 2017

Sølvguttenes favoritter (Lawo)

Der Sølvguttene Knabenchor aus Oslo wurde 1940 durch Torstein Grythe gegründet und von ihm auch viele Jahre erfolgreich musikalisch vorangebracht. Seit 2004 ist Fredrik Otterstad der Leiter des renommierten Ensembles, das zum norwegischen Medienhaus NRK gehört. Derzeit gehören etwa 130 Jungs und junge Männer dem Knabenchor an; etwa
90 von ihnen singen im Konzertchor. Sagenhafte 150 Auftritte bestreiten die Burschen alljährlich.

Sølvguttene geht regelmäßig auf Konzertreisen im In- und Ausland, und hat zahlreiche CD eingespielt. „Vi har ofte fått spørsmål fra publikum etter konserter om hvorvidt vi har kveldens repertoar på CD, og alt for ofte har svaret vært nei. Men nå er den her: Sølvguttenes egne favoritter. God fornøyelse!“, schreibt der Chor im Geleitwort zu seinem jüngsten Album.
Zu diesen Favoriten, die der Chor gern in seinen Programmen singt, gehö- ren neben Werken norwegischer Komponisten geistliche und weltliche Chorsätze aus aller Welt, beispielsweise das berühmte Ave verum corpus von Wolfgang Amadeus Mozart, Jesus bleibet meine Freude von Johann Sebastian Bach, das Cantique de Jean Racine von Gabriel Fauré oder der grandiose Hallelujah-Chor aus dem Messias von Georg Friedrich Händel.
Die jungen Choristen singen mit Elan. Allerdings erscheint die Chorleistung derzeit, nun ja, ausbaufähig. Lautstärke ist halt nicht alles. Dynamik bedarf auch einer gewissen Flexibilität, einer schnellen Reaktion auf die Vorgaben des Dirigenten; in diesem Falle vermisst man nicht zuletzt ein gepflegtes Piano. Und bei schnellen Passagen leidet die Homo- genität. Außerdem fällt neben den schönen Stimmen leider auf, dass die Intonation zum Ende so mancher Phrase hin abrutscht. Ein Genuss ist das nicht, schade! 

Sonntag, 19. Februar 2017

Nigel Kennedy - My World (Neue Meister)

Im Dezember 2016 wurde Nigel Kennedy 60 Jahre alt – und als ganz besonderes Geburtstagsgeschenk veröffentlichte der Geiger wenig später ein neues Album. Er spielt eigene Kompositionen, und nimmt das Publikum mit in seine ganz eigene musikalische Welt. Dort hat Klassik ebenso ihren Platz wie Jazz; und die Freunde vom Oxford Philharmonic Orchestra unter Leitung von Yuri Zhislin musizieren gemeinsam mit einer Band. Zu hören sind rings um Geiger Nigel Kennedy also auch Joseph Sanders, Oboe, Bartek Glowacki, Akkordeon, Doug „Allergic“ Boyle, Julian „Das Kid“ Buschberger und Rolf „Die Kobra“ Bussalb, Gitarre, Tomasz „Insomnia“ Kupiec, Bass, Adam „Golonka“ Czerwinski, Drums und Orphy Robinson, Vibraphon und Percussion. 
Stilistisch sind alle Beteiligten erstaunlich flexibel. Das ist gut so, denn Nigel Kennedy interessiert sich nicht für Genre-Grenzen. Vielleicht spielt er gerade deshalb seit Jahren vor ausverkauften Häusern; seine Musik begeistert Jugendliche ebenso wie das „klassische“ Klassikpublikum. Seine Einspielung von Vivaldis Vier Jahreszeiten aus dem Jahre 1989 war das meistverkaufte Klassikalbum aller Zeiten, und auch Kennedy plays Bach, erschienen im Jahre 2000, hat dazu beigetragen, Hörgewohnheiten zu hinterfragen und zu verändern. 
„My world“ kann man als eine erste Bilanz seiner künstlerischen Lauf- bahn lesen: Mit seinen Werken berichtet der Geiger über Begegnungen, die ihn als Musiker geprägt, und Vorbilder, die ihn beeinflusst haben. Tief verneigt er sich beispielsweise vor Yehudi Menuhin, der ihm nicht nur den Weg zur Musik von Johann Sebastian Bach gewiesen habe: „He also paid for my education at his school so without hin I would probably not be playing classical music at all. One should add that his idealism and believe, that all people were equal, set him apart from many of his contemporaries.“ Weitere Stücke widmet Kennedy Isaac Stern, Stéphane Grapelli, dem mittlerweile verstorbenen Jazzgitarristen Jarek Śmietana und Mark O'Connor, „one of the most important violinists alive“. Wie sie ihn jeweils inspiriert haben, das zeigt auf unverwechselbare Art und Weise Kennedys Musik. Komplettiert wird das Album durch eine Suite zum Bühnenstück Die Drei Schwestern von Anton Tschechow, die Kennedy für eine Inszenierung seiner Frau Agnieszka geschrieben hat.