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Sonntag, 29. Mai 2022

Vivaldi: Stabat Mater (Erato)




 Für Jakub Józef Orliński ist Vivaldis Stabat Mater nicht irgendein Werk: „Seit ich in der Anfangszeit meines Studiums in Warschau einzelne Sätze zu Klavierbegleitung gesungen hatte, träumte ich von einer Aufführung der ganzen Komposition mit Orchester“, berichtet der Countertenor. 

Dieser Traum ist mittlerweile Wirklichkeit geworden. Seit knapp zehn Jahren pflegt Orliński Vivaldis Stabat Mater in seinem Konzertrepertoire, und die Corona-Zeit nutzte der Sänger nun, um auch ein Album aufzunehmen. Den Instrumentalpart übernahm dabei die Capella Cracoviensis unter Leitung von Jan Tomasz Adamus. 

Um es kurz zusammenzufassen: Dem polnischen Countertenor ist ohne Zweifel eine Referenzeinspielung gelungen. Orliński verzichtet auf jede vordergründige Demonstration stimmlicher Virtuosität. Er stellt seinen Gesang ganz in den Dienst am Text und macht damit die Trauer der um ihren gekreuzigten Sohn weinenden Mutter Maria fühlbar. Seine Interpretation ist durchweg schlüssig und von einer einzigartigen Intensität. 

Leider endet die CD bereits nach 18:25 Minuten. Die Audioaufnahme wird aber ergänzt durch ein Musikvideo, erstellt von Regisseur Sebastian Pańczyk mit Dobro Films und dem Sänger. 


Mittwoch, 24. Juli 2019

Vanhal: Missa solemnis - Stabat Mater (Orfeo)

Schön wie eine römische Statue sind die Werke Johann Baptist Wanhals (1739 bis 1813), die hier auf zwei CD anzuhören sind. Der Komponist kam in Böhmen als Sohn eines Bauern zur Welt; seine musikalische Begabung wurde aber früh entdeckt und durch die Gräfin Schaffgotsch gefördert. So kam Wanhal 1760/61 nach Wien, wo möglicherweise Carl Ditters von Dittersdorf sein Lehrer wurde. 
Als Musiklehrer war Wanhal bald sehr erfolgreich, so dass er sich aus der Leibeigenschaft freikaufen konnte. Und als im Jahr 1769 Baron Riesch aus Dresden nach Wien kam, weil er einen Kapellmeister suchte, war er von den Fähigkeiten des jungen Musikers so beeindruckt, dass er diesem einen Studienaufenthalt in Italien finanzierte. 
Allerdings scheint Wanhal nach seiner Rückkehr eine Zeitlang geistig nicht ganz auf der Höhe gewesen zu sein. Es wird berichtet, der Komponist habe weltliche Werke verbrannt und sich der geistlichen Musik zugewandt. In dieser Situation unterstützte ihn über einige Jahre Graf Ladislaus Erdödy, der ihn in seinen Haushalt aufnahm und es dem Musiker ermöglichte, wieder zu sich zu finden. 
In Wien etablierte sich Wanhal dann rasch wieder als ein gesuchter Komponist, und vor allem als überaus erfolgreicher Musikpädagoge. Sein wohl bekanntester Schüler war Ignaz Pleyel. Und sein Freundeskreis scheint ebenfalls beträchtlich gewesen zu sein – mit Haydn, Mozart und Dittersdorf jedenfalls musizierte er gemeinsam in dem wohl erlesensten Streichquartett der Musikgeschichte. 
Wanhal komponierte zahlreiche Sinfonien und Konzerte sowie große Mengen geistlicher Musik. Und weil er in den späteren Jahren als freischaffender Musiker lebte, ohne Anstellung oder einen vermögenden Gönner, konzentrierte er sich dann offenbar auf Kammer- und Klaviermusik – Werke, die Musikverleger gerne druckten, weil es dafür ein breites Interesse gab. 
Für diese Doppel-CD ausgewählt wurden die Missa Solemnis Es-Dur, ein opulentes Werk mit höchst anspruchsvollen Arien, sowie das Stabat Mater f-Moll, mit dem üblichen Wechsel zwischen Chor und Gesangssolisten. Auch bei dieser Komposition zeigt sich Wanhals überragende Fähigkeit, Melodien zu erfinden. 
Komplettiert wird die Aufnahme durch eine Sinfonie D-Dur, die nicht nur mit ihrem abschließenden Menuetto schon an Beethoven denken lässt. Als Sinfoniker scheint sich Wanhal nicht zuletzt durch Experimentierfreude auszuzeichnen. Neugierig jedenfalls macht die Einspielung, die bereits in den 90er Jahren entstanden ist – und der Prager Kammerchor sowie die Virtuosi di Praga bzw. das Prager Kammerorchester sowie erstklassige Solisten unter Leitung von Václav Neumann machen die beiden CD ebenfalls zu einem Hörvergnügen. Bravi! 

Montag, 28. Mai 2018

Vivaldi: Stabat Mater, Gloria (Gramola)

Drei exzellente Solisten hatten der Salzburger Bachchor und das Bach Consort Wien im vergangenen Jahr zum traditionellen Osterkonzert eingeladen: Mit Hanna Herfurtner und Joowon Chung, Sopran, sowie Andreas Scholl, Alt, widmeten sich die Ensembles unter der Leitung von Rubén Dubrovsyk Werken von Antonio Vivaldi (1678 bis 1741). 
Der Live-Mitschnitt des Konzertes am 6. April 2017 in der Basilika des Stiftes Klosterneuburg ist nun bei Gramola erschienen – und er ist wirklich sehr hörenswert. Großen Anteil daran hat Andreas Scholl. Der Countertenor, mittlerweile schon seit etlichen Jahren im Geschäft, singt immer noch großartig. 
Einige der Werke auf dieser CD hatte er 2007 mit Chiara Banchini und dem Ensemble 415 schon einmal eingespielt; wer mag, der kann ver- gleichen. Ich neige aber bald dazu, den Konzert-Mitschnitt vorzuziehen; er ist in jedem Falle stimmungsvoller. 
Zu hören sind auf dieser CD Musikstücke, die Vivaldi für seine Schülerin- nen am Waisenhaus Ospedale della Pietà in Venedig komponierte. Die jungen Mädchen erhielten dort eine erstklassige musikalische Ausbildung; Menschen aus ganz Europa lauschten verzückt dem Gesang und dem Instrumentalspiel der berühmten figli
Auf dieser CD erklingen das Concerto g-Moll, RV 156, die Sonata a quattro Es-Dur Al Santo Sepolcro, RV 130, sowie liturgische Musik zum Osterfest: Filiae Maestae Jerusalem – Introduzione al Miserere, RV 638, Stabat Mater, RV 621, Lauda Jerusalem, RV 609, und zum Abschluss das populäre Gloria, RV 589. In Jubel und Lobpreis kann neben den drei Solisten endlich auch der Salzburger Bachchor einstimmen. Ein gelungenes Konzert, und eine Aufnahme, über die man sich freut - auch was die technische Qualität angeht. 

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Paradisi Gloria - Sacred Music by Emperor Leopold I (Audite)

Leopold I. (1640 bis 1705) war der zweite Sohn des Kaisers Ferdinand III. und sollte daher eigentlich die geistliche Laufbahn einschlagen. Schon sein Vater liebte die Musik und komponierte auch selbst; der Sohn erlernte beim Hoforganisten Marcus Ebner das Clavierspiel, und im Fach Komposition unterrichtete ihn möglicherweise Hofkapellmeister Antonio Bertali. 
Doch dann starb noch vor dem Kaiser der Thronfolger; und so wurde Leopold I. 1658 zum Kaiser gekrönt. Der Politik konnte er wohl nicht wirklich etwas abgewinnen; den Wiener Hof allerdings machte er zu einem Zentrum der europäischen Kultur. 
Dass er selbst auch ein begabter Komponist war, beweist diese CD, die vier seiner Werke vorstellt. Das Stabat Mater und die Motette de Septem Doloribus Beatae Mariae Virginis schuf der Kaiser für das Fest der Sieben Schmerzen der Gottesmutter. Das Requiem, entstanden für die Beisetzungs- feierlichkeiten der ersten Frau des Kaisers, ist betont schlicht und innig gehalten. Leopold I. hatte seine Nichte, Margarita Theresa von Spanien, 1666 aus dynastischen Gründen geheiratet; sie teilte seine Leidenschaft für die Musik, starb aber bereits 1673. 
Auch seine nächste Ehefrau, Claudia Felizitas von Österreich-Tirol, musste der Kaiser 1676, nach dreieinhalbjähriger Ehe, zu Grabe tragen. Für sie vertonte er drei Lektionen zur ersten Nokturn für das Totenoffizium. Diese Musik erklang übrigens auch bei den Exequien nach dem Tode des Kaisers 1705 und seiner dritten Frau 1720. 
Johannes Strobl hat diese durchweg eher klagenden Gesänge mit der Cappella Murensis und Les Cornets Noirs in der Klosterkirche Muri eingespielt, die bereits bei anderen Aufnahmen durch ihre beeindruckende Akustik in Erinnerung geblieben ist. Das Solistenquintett und die Ripieni- sten, jeweils doppelt besetzt, singen diese emotionsgeladenen Werke sehr schlicht und gerade dadurch eindrücklich. Sie werden dabei bestens unterstützt durch die Musiker von Les Cornets Noirs, die auf Nachbauten historischer Instrumente musizieren. Formidabel! 

Samstag, 9. Mai 2015

Hiller: Stabat Mater (Pergolesi) (MDG)

Johann Adam Hiller (1728 bis 1804) lernte am Gymnasium in Görlitz und an der Kreuzschule in Dresden. 1751 begann der Sohn eines Lehrers und Gerichtsschreibers ein Jura-Studium in Leipzig. 1754 wurde er Hauslehrer bei Graf Heinrich von Brühl. 1759 startete er die erste deutsche Musik- zeitschrift – sie hieß Der musikali- sche Zeitvertreib. Hiller sorgte zudem für die Wiederbelebung der Tradition des Großen Concerts, das im Sieben- jährigen Krieg eingestellt worden war. 
Er leitete die Musikübende Gesell- schaft, und er dirigierte 1781 das erste Gewandhauskonzert, zur Ein- weihung des großen Saals im Messehaus der Tuchhändler. Auch als Gesangspädagoge hatte Hiller einen exzellenten Ruf. Aus seiner Singschule sind berühmte Sängerinnen hervorgegangen, wie Gertrud Elisabeth Mara oder Corona Schröter. 
Von 1789 bis 1801 wirkte Hiller als Thomaskantor. Er veröffentlichte ältere Werke, die er als gut ansah, um sie vor dem Archivschlaf zu bewahren, und komponierte zudem selbst. Seine eigenen Werke aber sind heute weit- gehend vergessen. Das gilt sowohl für seine Singspiele, Vorgänger der deutschen Spieloper, als auch für seine Kirchenmusik. Rainer Johannes Homburg hat mit seinen Stuttgarter Hymnus- Chorknaben nun drei bedeutende Werke Hillers eingespielt. 
Das lohnt durchaus, wie die eindrucksvolle Stuttgarter Interpretation des 100. Psalms beweist. Hillers Vertonung besteht aus fünf Sätzen. Drei davon sind für den Chor bestimmt, sie rahmen ein Duett von Sopran und Alt sowie eine Tenor-Arie ein. Schon der festliche Eingangschor Jauchzet dem Herrn, alle Welt lässt keine Zweifel daran, dass Hiller sein Handwerk versteht. Und in den sehr dankbaren Solopartien können die Sänger sowohl ihre Ausdrucksstärke als auch ihrer Virtuosität demonstrieren. Es folgt die Motette Lass sich freuen alle nach Psalm 5, 12-13. Dieses anspruchsvolle Stück für vierstimmigen Chor a cappella wird von dem Stuttgarter Knabenchor höchst achtbar gesungen. 
Ein musikhistorisches Kuriosum erklingt dann: Pergolesis „vollständige Passionsmusik zum Stabat mater mit der Klopstockischen Parodie; in der Harmonie verbessert, mit Oboen und Flöten verstärkt und auf vier Singstimmen gebracht von Johann Adam Hiller“. Ohne diese Bearbeitung wäre Pergolesis berühmtes Werk wohl heute keineswegs so bekannt. Während Bach das Original nutzte, um daraus die Kirchenkantate Tilge, Höchster, meine Sünden BWV 1083 zu formen, hat Hiller Pergolesis Musik, die mitunter ziemlich schroff kontrapunktisch-chromatisch verzweifelt daherkommt, in einem überraschenden Ausmaß weichgespült. Dazu tragen sowohl die Bläser als auch die vielfach umgeformten Mittel- stimmen bei. Den lateinischen Text der Ausgangsversion, katholisch, hat Hiller ersetzt durch Friedrich Gottlieb Klopstocks pietistisch-empfindsame Dichtung. Sie stellt anstelle der trauernden Gottesmutter Christus als Erlöser in den Mittelpunkt der Betrachtung – und machte so den alten Hymnus für evangelische Christen verständlich und akzeptabel. Der Dichter brachte dabei das Kunststück fertig, den Text ziemlich perfekt an den jeweiligen Ausdruck der Musik anzupassen. Es wird nicht verwundern, dass Klopstocks Dichtung hierzulande lange weitaus präsenter war als ihr Vorbild. Auch Hillers Bearbeitung, die ziemlich geschickt zwei zusätzliche Singstimmen integriert, blieb bis weit in das 19. Jahrhundert hinein populär. 
Insofern ist es erfreulich, dass sie nun auch auf CD dokumentiert ist. Als Solisten zu hören sind Veronica Winter, Thomas Riede, Knut Schoch und Thomas Laske. Den Orchesterpart hat die Handel's Company übernom- men. Dieses Stuttgarter Ensemble musiziert sehr klangschön auf historischen Instrumenten. Homburg setzt insbesondere beim Stabat mater ganz auf Noblesse und auf einen ruhigen, besinnlichen Fluss. Die Textverständlichkeit allerdings lässt fast durchweg zu wünschen übrig. 

Samstag, 2. Mai 2015

Dvorák Edition (Brilliant Classics)

Die mit Abstand schönste CD-Box des Jahres ist nun bei Brilliant Classics erschienen. Der ansprechend gestaltete Schuber lässt sich nach oben aufklappen. Und dann kommen 45 CD zum Vorschein, dem Inhalt entsprechend farblich abgestuft. Im Deckel des Schubers befindet sich eine Überblicksliste, so dass man die gesuchten Werke mit einem Blick und einem Griff findet. Perfekt! Ergänzt wird diese Zusammenstellung durch ein Beiheft mit Informationen zum Leben des Komponisten und knapp auch zu den einzelnen Werkgruppen – allerdings nur in englischer Sprache. Dieses Wunderkästchen enthält Musik von Antonín Dvořák (1841 bis 1904). 
Der Tscheche gehört weltweit zu den beliebtesten Komponisten. Wer diese Kollektion anschaut, der wird feststellen, dass aber nur wenige seiner Werke allgemein bekannt sind. Dazu gehören die berühmte Sinfonie Nr. 9 Aus der Neuen Welt, die Oper Rusalka, das Dumky-Trio, einige Streich- quartetteCello- und Violinkonzert sowie Stabat mater und Requiem
Wer mehr hören möchte, dem sei diese Box sehr empfohlen: Die Dvořák-Edition bietet die derzeit umfangreichste Kollektion seiner Werke. Sie enthält sämtliche Sinfonien, die sinfonischen Dichtungen, Ouvertüren und weitere Orchesterwerke, die Konzerte, alle Streichquartette und große Teile der übrigen Kammermusik sowie die vollständige Klaviermusik. Darüber hinaus enthält die Box zahlreiche Chorwerke, Stabat Mater und Requiem sowie die Oper Rusalka. Zu finden sind zudem zahlreiche Lieder des Komponisten, viele davon in Weltersteinspielungen. 
Die Qualität der Aufnahmen ist hoch. Zu den Interpreten gehören unter anderem die Staatskapelle Berlin unter Otmar Suitner, das Janáček Philharmonic Orchestra unter Theodore Kuchar, die Bamberger Sympho- niker unter Antal Doráti, die Pianistin Inna Poroshina sowie Ruggiero Ricci, Rudolf Firkušný und Zara Nelsova als Solisten bei den Konzerten. Tschechische Musiker wie die Prague Singers, das Vlach Quartet und das weltberühmte Stamitz Quartet sowie der Geiger Bohuslav Matoušek und Pianist Petr Adamec unterstreichen den hohen Anspruch der Kollektion. Besondere Überraschung: Bei den Solo-Liedern ist der großartige Tenor Peter Schreier zu hören, am Klavier begleitet von Marián Lapšanský. 
Dvořák vermochte es einzigartig, volkstümlich anmutende Melodien zu Werken voll romantischem Zauber und berückenden Klangfarben zu formen. Sein Schaffen war stark von seiner böhmischen Heimat geprägt. Allerdings übernahm der Komponist, der von 1892 bis 1895 als Direktor des National Conservatory of Music in New York tätig war, auch Klänge aus Amerika. So erklingt in seiner Musik auch ein Echo der Spirituals der schwarzen Plantagenarbeiter, der Volksmusik der europäischen Einwan- derer und der traditionellen Indianermusik. Unbedingt anhören, es lohnt sich! 

Dienstag, 31. März 2015

Zelenka - Tuma (Supraphon)

Auch wenn Johann Joseph Fux (um 1660 bis 1741) uns heute vor allem als Musiktheoretiker ein Begriff ist – zu Lebzeiten hatte der kaiserliche Hof- kapellmeister eine Vielzahl höchst praktischer Aufgaben. So war er für die Hofmusiker zuständig, und entschied über die Besetzung von Vakanzen. Mit seiner Musik reprä- sentierte er das Habsburgerreich – und er bildete ganze Scharen von Schülern aus, die ähnliche Aufgaben an all den vielen anderen Höfen Europas übernehmen wollten. 
Diese CD stellt drei dieser Musiker mit Werken vor. František Ignác Antonín Tuma (1704 bis 1774) beispielsweise, Sohn eines böhmischen Organisten, studierte bei den Jesuiten in Prag, und stand zunächst in Wien bei Franz Ferdinand Graf Kinsky im Dienst. Später wurde er Kapellmeister der Kaiserinwitwe Elisabeth Christine. Tumas Werk ist umfangreich, aber zum größten Teil editorisch bislang unerschlossen. Eine der wenigen Ausnahmen ist sein Stabat mater, das auch hier zu hören ist. Dieses Werk, das lediglich mit einem vierstimmigen Chor nebst Basso continuo besetzt ist, beeindruckt durch die geschmeidige Verbindung des stile antico mit der Frühklassik. Das ist wirklich großartige Musik, die es wert wäre, viel öfter aufgeführt zu werden. 
Zwei Sonaten des aus Breslau stammenden Geigers und Komponisten Johann Georg Orschler (1698 bis zwischen 1767 und 1770) hat der Dresdner Konzertmeister Johann Georg Pisendel eigenhändig kopiert. Sie befinden sich in den Notenbeständen der Dresdner Hofkapelle. Schon diese Tatsache macht deutlich, dass es sich bei Orschler nicht um ein künstlerisches Leichtgewicht handelte. Auch er hat bei Fux studiert, musizierte dann für diverse adelige Herrschaften und war zuletzt Mitglied der Wiener Hofmusikkapelle. Die Triosonate, die hier erklingt, erscheint ebenso originell wie klangschön. 
Dass Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) ebenfalls zu Fux' Schülern gehörte, das wurde in diesem Blog bereits mehrfach berichtet. Dem Dresdner Hof-Kirchenkomponisten verdanken wir zudem einen Einblick in die Unterrichtspraxis des Wiener Musikpädagogen: In Zelenkas Nachlass, so berichtet Václav Kapsa in dem sehr informativen Beiheft zu dieser CD, fand sich ein Notenband mit Übungen zum Kontrapunkt sowie Abschriften diverser Meisterwerke mit Modellcharakter. Zelenka selbst hat Palestrinas Missa Nigra sum, von der in Dresden wohl nur Kyrie, Gloria und Credo vorhanden waren, dem Vorbild entsprechend um Sanctus und Agnus Dei ergänzt. Analog dazu schrieb er Ergänzungen für Palestrinas Missa sine nomine. Im stile antico gestaltete der Komponist auch seine Vertonungen des Gebetes Sub tuum praesidium, das in Wien sehr gebräuchlich war. Maria Josefa, Ehefrau des sächsischen Kronprinzen und Tochter des Kaisers Joseph I., ließ die Kirchenmusik offenbar auch in Dresden nach dem vertrauten Vorbild gestalten. 
Das Collegium 1704 stellt unter Vaclav Luks diese wenig bekannten Werke vor, einige sogar in Weltersteinspielung. Die Sänger und Musiker des Ensembles präsentieren sich ausgesprochen versiert, sie sind mit derartigen Repertoire bestens vertraut. Klanglich stets ausgewogen, stets sehr durchdacht und souverän musiziert diese kleine Besetzung, und bringt den Zauber dieser musikalischen Traditionslinie bestens zur Geltung. Sehr hörenswert! 

Montag, 24. März 2014

Pergolesi: Stabat Mater (Erato)

Rechtzeitig vor Ostern legt das Label Erato eines der schönsten Werke der Kirchenmusik in einer neuen Aufnahme vor – das Stabat Mater von Giovanni Battista Pergolesi (1710 bis 1736). Um es gleich vorwegzunehmen: Wer diese CD angehört hat, der wird kaum noch eine andere Einspielung gelten lassen. Dies ist ohne Zweifel die neue Referenzaufnahme. Und das liegt vor allem auch an den Sängern, die keine Schwierigkeiten damit haben, mit eigentlich der Oper entlehnten Ausdrucksmitteln für die angemessene Andacht zu sorgen. 
Die russische Sopranistin Julia Lezhneva harmoniert klanglich perfekt mit Countertenor Philippe Jaroussky. Es ist phänomenal, wie die beiden Sänger nicht nur ihre Verzierungen, sondern auch ihr Timbre aufeinander abstimmen. Wer die Partien nicht kennt, der hat mitunter Mühe, zu erkennen, wer gerade singt. 
Und weil's so schön ist, hat Barock-Experte Diego Fasolis die CD gleich noch durch zwei weitere Werke Pergolesis ergänzt: Das Confitebor tibi Domine und das üppig orchestrierte Laudate pueri Dominum; beide Stücke bieten nicht nur anspruchsvolle Solo-Partien, sondern auch dankbare Aufgaben für die Musiker des Ensembles I Barocchisti sowie den Coro della Radiotelevisione svizzera. Auf die nachfolgende Aufnahme der Missa Romana sowie des Dixit Dominus, die Fasolis im Beiheft ankündigt, darf man bereits gespannt sein. 

Samstag, 30. März 2013

Palestrina - The Sixteen (Coro)

"Palestrina's legacy and impact on sacred music worldwide is second to none", stellt Harry Christophers fest. Das liegt nicht nur darin begründet, dass Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525 bis 1594) mit seiner Missa Papae Marcelli die Verbannung der Musik aus der Kirche auf dem Konzil von Trient gerade eben noch verhindert ha- ben soll.
"I have always regarded Palestri- na as the master craftsman whose music composers of all ages have attempted to emulate", schreibt Christophers. "He shapes his music in a beautifully sonorous way using a lot of suspensions but always coming back into the line of music." 
Mit seinem Ensemble The Sixteen will er auch in den kommenden Jahren  Werke des verehrten Meisters einspielen. "I hasten to add that we are not endeavouring to record every note Palestrina penned - that would be more than a lifetime's work considering he wrote 104 masses! But what we will do is present each volume based around a single mass and theme relevant to that mass, in this case Easter, alongside some of his setting of the Song of Songs." 
Zu den Auswirkungen des Konzils von Trient im Bereich der Kirchen- musik gehörte der Verzicht auf die allermeisten der sogenannten Sequenzen. Das sind Stücke, die wahrscheinlich aus üppigen Verzie- rungen der gregorianischen Messgesänge, sogenannten Melismen, entstanden sind und sich im Laufe der Zeit verselbständigten. Nur vier davon durften weiterhin im Gottesdienst erklingen: Victimae Paschali zum Osterfest, Veni Sancte Spiritus zu Pfingsten, Lauda Sion zum Fronleichnam, und Dies irae als Bestandteil der Totenmesse. Im 18. Jahrhundert kam dann noch eine fünfte Sequenz dazu, Stabat mater. Sie erfreute sich stets größter Beliebtheit, und inspirierte zahlreiche Komponisten - so auch Palestrina, dessen achtstimmige Version jahrhundertelang in der Heiligen Woche exklusiv durch die Sänger der Sixtinischen Kapelle gesungen wurde. 
Auch der Hymnus Ad caenam agni providi war für die Osterzeit be- stimmt. Komplettiert wird die CD durch drei Hohelied-Vertonungen, eine achtstimmige Vertonung der marianischen Antiphon Regina caeli, drei Offertorien für die Osterzeit und die prachtvolle Missa Regina caeli
Das Ensemble The Sixteen singt wundervoll, die Sänger präsentieren Palestrinas Werke makellos und lassen erahnen, welche Wirkung diese ausdrucksstarken Kompositionen auf ihre Zeitgenossen gehabt haben müssen. Bravi! 

Mittwoch, 27. März 2013

Boccherini: Stabat mater (Aeolus)

Luigi Boccherini (1743 bis 1805) war ein Meister der kleinen Form. Er gehört ebenso wie Joseph Haydn zu den Vätern des Streich- quartettes - und er hat 1766 in Rom gemeinsam mit Pietro Nardini, Filippo Manfredi und Giuseppe Cambini in einem der ersten derartigen Ensembles musiziert.
Als compositore e virtuoso di camera des spanischen Infanten Don Luis schuf Boccherini eine große Anzahl von Streichquartetten - und noch mehr Streichquintette für zwei Violinen, Viola und zwei Violoncelli. Die Stimme des ersten Cellos, das oftmals solistische Aufgaben übernimmt, dürfte Boccheri- ni wohl für sich selbst geschrieben haben.
1776 heiratete Don Luis unter seinem Stand, was dazu führte, dass er den Hof verlassen musste. Er ließ sich in Las Arenas de San Pedro, einem Städtchen nordwestlich von Madrid, nieder. Dort entstanden viele bedeutende Werke Boccherinis, darunter auch das Stabat mater, dessen Urfassung 1781 sich auf eine Minimalbesetzung mit Sopran und Streichquintett beschränkte. Dieses Werk, das durch seine kammermusikalische Innigkeit berührt, war offenbar für Don Luis bestimmt, für die ganz private Andacht des Infanten. Als Boccherini das Werk später für den Druck überarbeitete, hat er das Ensemble deutlich vergrößert. Die Sopranistin Amaryllis Dieltiens hat das Stabat mater nun bei Aeolus in der Urfassung gemeinsam mit ihrem Ensemble Capriola Di Gioia eingespielt. Dabei kommt statt eines zweiten Cellos ein Kontrabass zum Einsatz; die Continuo-Orgel sorgt für ein sakrales Klangbild. 
Eine Sonate für Cembalo e violino obbligato, die sowohl dem Cembalo als auch der Violine reichlich Gelegenheit zur brillanten solistischen Präsentation gibt, trennt das geistliche Werk von zwei absoluten Raritäten: 1791 schuf Boccherini die Arie Accademiche, zwölf virtuose Konzertarien. Zwei davon hat Dieltiens für diese CD ausgewählt. Ihre glockenreine, federleichte Sopranstimme passt zu diesen Werken ausgezeichnet. Ein perfekter Abschluss für eine sehr gelungene CD, die vom ersten bis zum letzten Ton begeistert. 

Samstag, 29. September 2012

Vivaldi ma non solo (MDG)

Die griechische Mezzosopranistin Marita Paparizou singt Bravour- arien aus der Vivaldi-Zeit - konkret Arien des jeweiligen Titelhelden aus Vivaldis Opern Orlando Furio- so und Farnace, sein berühmtes Stabat mater, die Arie Addio miei sospiri, die von Ferdinando Bertoni stammt, aber oftmals in Glucks Orpheus erklingt, und eine außerordentlich erregte Arie der Medea aus Händels Oper Teseo. Sie stellt in ihren technischen Anfor- derungen selbst Händels italie- nische Bass-Kantaten in den Schatten. Doch die Sängerin ist dem leider überhaupt nicht gewachsen. Die Höhen werden gestemmt, die Tiefen gequetscht, und die Koloraturen klappern, weil es Paparizou an Geläufigkeit mangelt. Dort, wo die Sängerin tatsächlich in der Mittel- lage bleiben und lange Linien singen darf, wird eine Stimme hörbar, die eigentlich ein sehr schönes Timbre hat - wer der Solistin aber zu dem Repertoire geraten hat, an das sie sich auf dieser CD wagt, der muss von allen guten Geistern verlassen gewesen sein. 
Die Solisti Veneti musizieren unter Claudio Scimone routiniert, aber man muss feststellen, dass es den Musikern nicht gelingt, in einen Dialog mit der Sängerin zu treten. Und es verschlägt einem schier den Atem, wenn Paparizou ihr üppiges Vibrato einsetzt, um einen zu tief angestimmten Ton doch noch in Übereinstimmung mit den Instru- mentalisten zu bringen. Wer ein abschreckendes Beispiel sucht, der kann diese CD getrost kaufen - alle anderen sollten einen großen Bogen darum machen. 

Sonntag, 10. Juni 2012

Pergolesi: Stabat Mater - Salve Regina - Orfeo (Capriccio)

Einigermaßen erstaunt lauscht man dem, was diese CD aus den Lautsprechern quellen lässt. Nein, das ist keine Aufnahme aus den 50er Jahren, sondern sie stammt aus 1993 bzw. 1995! Das Bamber- ger Streichquartett, verstärkt durch Stefan Adelmann, Kontra- bass und Berthold Höps, Cembalo und Orgel, spielt Pergolesi - und das ganz so, als hätte es all die Debatten um historische Auffüh- rungspraxis nie gegeben. Nichts gegen Klaus Burmeister, Rüdiger Rehn, Roland Waschneck und Karlheinz Busch; man hört, dass dies durchaus ein versiertes Ensemble ist. Aber musste es gerade dieses Repertoire sein, und mussten es ausgerechnet diese Sängerinnen sein, mit einem Vibrato, so breit wie der Ozean? Regina Klepper mag eine entzückende Lisa sein, und auch eine temperamentvolle Marie - doch selbst beim Orfeo mag man sie nicht hören, denn es fehlt ihrer Stimme an Leichtigkeit und Geläufigkeit. Martina Borst kann man sich als Zerlina sehr gut vorstellen; das Salve Regina aber ist für ihre Stimme zu tief. Finger weg von dieser CD, wer sich nicht ärgern will, der lässt sie im Regal stehen. 

Samstag, 3. Dezember 2011

Pergolesi: Stabat Mater (Naxos)

"Dein Brief fand mich just mitten in der Arbeit das Stabat Mater in teutsche reime mit beybehaltung des Rhythmus zu übersetzen; eine RuderknechtsArbeit, wenn's ein Mensch thun müßte", schrieb Christoph Martin Wieland 1779 an Johann Heinrich Merck. Wenige Tage später starb seine achtjährige Tochter Regina Dorothea - ein Verlust, der den Dichter, der am Weimarer Hof als Prinzenerzieher wirkte, schwer getroffen hat. Die Beschäftigung mit der Musik Giovanni Battista Pergolesis (1710 bis 1736), und das Ringen um die adäquate Übertragung des Textes in die deutsche Sprache mögen Wieland getröstet haben. 
Es mag verblüffen, doch die vorliegende CD bringt diese Textversion als Welt-Ersteinspielung - und dazu noch ein weiteres Werk nach einem Text Wielands, Der Frühling Wq 237 / H 723 von Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788) sowie Entro le viscere, eine italieni- sche Kantate, die Carl Heinrich Graun (1701 bis 1759) für den preußi- schen Kronprinzen Friedrich komponiert hat. Auch dies sind Welt-Ersteinspielungen - erstaunlich angesichts der hohen musikalischen Qualität beider Werke; die Aufnahmen sind allerdings bereits 2008 entstanden. Es ist bei Naxos nicht die Regel - aber diese CD enthält ein geradezu üppiges Beiheft, und die Texte stammen überwiegend von hochdekorierten akademischen Fachkräften. 
Musiziert wird vorbildlich. Es singen Elisabeth Scholl, Sopran - deren Opernattitüde mir in der Graun-Kantate jedoch weit besser gefällt als in der Stabat Mater, - Marcus Ullmann mit einem schönen Tenor sowie Alexander Schneider, der mit einem schlanken, gut geführten Altus beeindruckt.  Das Barockorchester L'arpa festante steuert unter Alexander Eberle einen rhetorisch stark akzentuierten, spannungs- vollen Orchesterpart bei. 

Freitag, 15. April 2011

The Complete Haydn Masses (Naxos)

Haydn wurde schon am Hofe Ester- házy "Papa Haydn" genannt. Dieser Spitzname war zunächst eher eine Art Ehrentitel; auch die Wiener riefen Haydn so heraus, um ihn zu feiern. Doch dann wurde der Kom- ponist Gegenstand der Musikge- schichtsschreibung. Musikhistori- ker würdigten ihn als Vater des Streichquartettes, Vater der Sinfo- nie und als Vater der klassischen Sonate - und allmählich bekam der einstige Ehrentitel einen eher ne- gativen Beiklang. 
Denn im Laufe der Jahrhunderte änderten sich Rollenmuster: Ein Vater, das war einmal eine strenge Figur, die strikt auf der Einhaltung von Regeln beharrte. Als dann die Regeln niemanden mehr interes- sierten, wurde zwangsläufig auch der Vater zur Witzfigur - ein Kon- zept aus der Vergangenheit, verstaubt und überflüssig. 
Haydn hätte darüber vermutlich den Kopf geschüttelt, und sich wieder seiner Musik zugewandt - freundlich, aufmerksam und fleißig. Der Komponist war ein frommer Katholik; es ist überliefert, dass er gerne zum Rosenkranz griff, wenn seine Arbeit stockte. Seine erste Messe schrieb er bereits als Chorbube am Wiener Stephansdom. Seine Brötchengeber legten später mehr Wert auf weltliche Klänge, also lieferte er vorwiegend Instrumentalwerke und Opern. Als die Familie Esterházy in den 1790er Jahren alljährlich eine Messe bestellte, schuf er Werke, die beim Kirchenvolk allerdings einige Entrüstung hervor- riefen - sie waren den Leuten zu fröhlich, zu lebhaft und zu wenig erbaulich. 
Der berühmte New Yorker Trinity Choir hat nun gemeinsam mit dem Rebel Baroque Orchestra unter J. Owen Burdick und Jane Glover für Naxos erstmals die zwölf vollständig erhaltenen Messen plus Stabat Mater eingespielt. Die Aufnahmen sind in den Jahren 2001 bis 2008 entstanden; es ist nachzuvollziehen, dass sich ein Ensemble über einen derart langen Zeitraum entwickelt und verändert. Insofern ist auch die musikalische Qualität der einzelnen Aufnahmen unterschied- lich. Insgesamt ist aber festzustellen, dass die Interpretationen flott, spannungsreich und energisch klingen. So munter und staubfrei ist Haydn selten zu hören. 

Sonntag, 20. März 2011

Stabat Mater - A Tribute to Pergolesi; Netrebko, Pizzolato (Deutsche Grammophon)

Seit Jahren singt Anna Netrebko regelmäßig in Baden-Baden. Im vergangenen Jahr entschied sich die Sopranistin, erstmals keine Oper und auch kein Arien-Recital zu singen - sondern Barock- musik, von Giovanni Battista Pergolesi (1710 bis 1736). 
Dabei kombinierte sie das berühm- te Stabat Mater mit weltlichen Werken - sie selbst wählte die Kantate Nel chiuso centro, und die italienische Mezzosopranistin Marianna Pizzolato, die Kapellmeister Antonio Pappano für das Projekt vorgeschlagen hatte, entschied sich für Questo è il piano. Das Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia aus Rom spielt zudem die Sinfonia aus dem geistlichen Drama Li prodigi della divina grazia nella conversione e morte di San Guglielmo duca d'Aquitania. Die Musiker, die moderne Instrumente nutzen, sind ganz offenkundig mit den Anforderungen der "Alten" Musik bestens vertraut, und spielen sie souverän.
Die beiden Sängerinnen aber können ihre Ausbildung nicht verleug- nen - und diese hat die Opernbühne zum Ziel, räumt Netrebko ein: "Zuerst versuchte ich, meine Stimme zurückzunehmen und wie eine Barocksängerin zu singen, aber dann fand ich die Idee nicht mehr so gut. Ich musste einen Mittelweg finden und mit meiner eigenen Stimme singen." Die Sängerin interessierte sich ganz offenkundig besonders für die theatralischen Momente von Pergolesis Musik. An manchen Stellen erzeugt das Dramatik; gelungen ist beispielweise Netrebkos messerscharfer Triller, der geradezu schmerzhaft verdeut- licht, wie das Schwert des Leidens die Seele der Gottesmutter beim Anblick ihres gekreuzigten Sohnes durchdringt. So perfekt ist das nicht einmal in der Aufnahme mit René Jacobs zu hören. An anderen Stellen muss man freilich schmunzeln, weil die Sängerinnen über- ziehen und hier und da doch die Primadonna hören lassen. 
Was soll's - Netrebko-Fans wird das nicht schrecken. Und Mezzo- sopranistin Pizzolato harmoniert stimmlich sehr gut mit dem Star. Sie hat eine warme, stets gut geführte, allerdings sehr hell timbrierte Stimme; eigentlich sollte ein contralto aber auch klanglich einen Kontrast zum Sopran bieten.