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Samstag, 28. März 2015

Molitor: Motetten (Pan Classics)

Eine kostbare Rarität haben die Basler Madrigalisten gemeinsam mit Musica Fiorita unter Daniela Dolci auf dieser CD zugänglich gemacht: Nur in einem einzigen Exemplar erhalten ist das Epinicion Marianum pro solemnioribus festivitatibus magnae Matris Virginis Mariae, ein Sammelband mit 18 Motetten von Valentin Molitor (1637 bis 1713), erschienen 1683 in St. Gallen. Es wird heute in der Musikbibliothek des Klosters Einsiedeln in der Schweiz aufbewahrt. Eine Auswahl aus diesem Sammelband wird auf der CD vorgestellt – vorgetragen in jener herausragenden Qualität, wie man sie von den Projekten aus dem Umkreis der Schola Cantorum Basiliensis mittlerweile erwartet. 
Valentin Müller – latinisiert Molitor – stammt aus Rapperswil, und trat beizeiten in die Fürstabtei St. Gallen ein. 1656 legte er dort seine Profess ab, 1662 erhielt er die Priesterweihe. Aus dem Jahr 1660 datieren erste Belege über seine Tätigkeit als Komponist. 1666 wurde Molitor Organist an der Benediktiner-Stiftskirche des Fürststifts Kempten. 
1672 kehrte der Mönch in sein Kloster zurück, wo er ebenfalls als Organist sowie als Orgellehrer tätig wurde. 1683 erhielt er das Amt des ersten Kantors der Kapelle von St. Gallen; später wurde der Pater dann zum Kapellmeister ernannt. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in der Abtei Weingarten in Württemberg. 
Epinicion Marianum enthält Musik für Marienfeste – jeweils zwei fünf- stimmige Motetten und eine Solo-Motette, stets mit zwei obligaten Violinen, und ad libitum durch weitere Instrumente zu begleiten. Das erscheint insofern spannend, als es seinerzeit im Kloster St. Gallen nur zu außergewöhnlichen Feierlichkeiten gestattet war, derartige Musik aufzu- führen. 
Noch 1681 hatte Fürstabt Gallus Alt verfügt, die Verspergottesdienste zu den liturgischen Festen seien in falsobordone zu singen, und eben nicht in canto figurato. Molitors Komposition erscheint so als ein Versuch, den Abt umzustimmen. Gelungen ist das wohl nicht; 1686 wiederholte der Fürstabt seine Anweisung. 

Samstag, 27. April 2013

Homilius: Markuspassion (Carus)

Gottfried August Homilius (1714 bis 1785) kam im Alter von acht Jahren nach Dresden, wo er an der Dresdner Annenschule lernte. Ab Mai 1735 studierte er Jura in Leipzig. Musikalisch muss er da schon ziemlich versiert gewesen sein, denn er vertrat den Organi- sten der Nikolaikirche beim Generalbass-Spiel - und könnte möglicherweise sogar die Thoma- ner begleitet haben, die dort unter ihrem Kantor Johann Sebastian Bach gesungen haben. Homilius soll auch selbst ein Schüler Bachs gewesen sein.
1742 wurde er Organist an der Dresdner Frauenkirche, 1755 Kreuz- kantor. Die Kreuzkirche allerdings wurde 1760 im Siebenjährigen Krieg zerstört, so dass Homilius mit den Kruzianern in der Frauen- und in der Sophienkirche musizierte. Zu seinen Schülern zählen Johann Adam Hiller und Johann Friedrich Reichardt. Homilius' Werke waren sehr beliebt und weit verbreitet; Carl Philipp Emanuel Bach beispielsweise hat sie in Hamburg aufgeführt. Kurioserweise sind die Abschriften zumeist auch die einzigen Quellen. Denn nach Homilius' Tod haben die Erben sämtliche Musikalien verkauft. Und so ist kaum eines seiner Werke autograph überliefert.
Die Markuspassion widmete Homilius der preußischen Prinzessin Anna Amalia. Die Schwester Friedrichs des Großen liebte die Musik; sie komponierte selber, und hat unter anderem Carl Heinrich Graun zu seinem berühmten Passionsoratorium Der Tod Jesu inspiriert. Auch in Dresden wurden damals solche "modernen" Werke aufgeführt, die nur noch aus reflektierenden, Andacht und Gefühl ansprechenden Texten bestehen.
Die Passionen "alter Art", die auf den Bericht des Evangelisten setzen, und ihn durch Chöre, Choräle und Arien ergänzen, waren zu Homilius' Zeiten aus der Mode geraten. Der Kreuzkantor aber verwendet dieses traditionelle Formmodell - und er folgt auch in seiner Musik keines- wegs nur dem Zeitgeschmack. 
Die Theoretiker der Empfindsamkeit forderten Schlichtheit und Ein- gängigkeit: Musik soll den Hörer unmittelbar berühren; die "alten", barocken Werke wurden als kompliziert und gekünstelt empfunden. Homilius zeigt mit seiner Markuspassion, wie man auf kunstvolle Weise "einfache" Melodien schreiben kann. Dem Komponisten geht es nicht um die dramatische Zuspitzung, sondern um Reflexion. Die Rezitative sind nüchtern, aber elegant. Die Arien sind rar; sie sind melodiös und für den Zuhörer leicht fassbar. Die Texte verweisen auf den Tod Jesu als Heilsgeschehen. Zeilen aber wie "Ihr spottet und wollt Christen heißen / und sklavisch euch den Lastern weihn? / Wie Töpfe wird er euch zerschmeißen; / und er wird groß und herrlich sein." dürften beim Publikum heute eher Schmunzeln als Andacht hervorrufen. Die Textdeutung hat Homilius weitgehend dem Orchester übertragen. Am deutlichsten wird das in der Begleitung der Arien hörbar, mit einer bewundernswerten Instrumentierung. 
Die Turbachöre sind erstaunlich lang und expressiv. Und die Choräle reflektieren das Passionsgeschehen, nicht anders als bei Bach. Fritz Näf hat mit seinen Basler Madrigalisten hier eine nicht übermäßig dankbare Aufgabe, denn der Part des Chores ist nicht sonderlich umfangreich. Die Solisten sind im Bereich der "Alten" Musik überwiegend etabliert. Monika Mauch, Ruth Sandhoff, Hans Jörg Mammel und Thomas Laske fügen sich perfekt in den schlanken, durch feine Nuancen geprägten Gesamtklang ein. Auch das Orchester L'arpa festante erweist sich einmal mehr als versierter Partner der Sänger. Das hört man gern. Und es ist kaum zu glauben, doch die vorliegende Aufnahme dieses Werkes ist die Weltersteinspielung.