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Samstag, 5. März 2016

Marais: Suites for Oboe (Audax)

Der Musiker- und Instrumenten- bauerfamilie Hottetterre verdanken wir die Erfindung der Oboe. Jean de Hottetterre entwickelte aus der Schalmei ein Instrument mit einem lieblichen, edlen, strahlenden Ton – und Jean-Baptiste Lully, Freund und Hofkomponist Ludwigs XIV., setzte es 1657 in L'amour malade erstmals ein. Der Klang gefiel, und so kam die Oboe umgehend in Mode – nicht nur unter freiem Himmel, auch in den königlichen Gemächern wurde sie fortan gespielt. 
Doch woher kam eigentlich in den ersten Jahren das Repertoire für dieses neue Instrument? Christopher Palameta hat sich mit dieser Frage intensiv beschäftigt, und einige jener frühen Werke für die Oboe rekonstruiert. Das scheint nicht ganz einfach gewesen zu sein; die früheste Sonade pour le hautbois jedenfalls stammt von Antoine Dornels und aus dem Jahre 1723. Was aber spielten die Oboisten vorher? 
Einig sind sich die Experten jedenfalls in dem Punkt, dass die Oboe aus- schließlich professionellen Musikern vorbehalten blieb: Sie wird mit einem Mundstück, einem Doppelrohrblatt, gespielt. Und dieses wird von den Musikern selbst angefertigt – was einerseits viel Zeit kostet, andererseits auch sehr viel Erfahrung und Geschicklichkeit erfordert. 
Beim Repertoire werden diese Profis auf Musikstücke zurückgegriffen haben, die für andere Instrumente komponiert worden sind. Palameta zeigt auf dieser CD exemplarisch, wie sich Suiten von Marin Marais (1656 bis 1728) für die Barockoboe modifizieren lassen: Die Pièces de viole sind zwar für Gambe entstanden. Doch Marin selbst weist im Vorwort zum Troisième Livre (1711) darauf hin, dass die meisten dieser Werke „se peuvent jouer sur plusiers instruments comme l'orgue, le clavesin, le violon, le dessus de viole, le théorbe, la guitarre, la flutte traversière, la flutte à bec el le hautbois.“ 
Christopher Palameta präsentiert auf seiner ersten CD bei Audax sechs dieser Suiten, arrangiert für Oboe, in Ersteinspielungen. Er spielt eine Oboe von Marcel Ponseele nach einem Instrument von Colin Hottetterre, Paris um 1710. Mit ihrem hellen und weichen Klang passt sie sehr gut zu dieser eleganten Musik. Zu hören sind zudem Eric Tinkerhess, Bassgambe, Romain Falik, Barockgitarre und Theorbe, und Lisa Goode Crawford, Cembalo. Sehr gelungen! 

Montag, 4. Juli 2011

Bach: Chromatic Fantasia and Fugue (Naxos)

In Colmar, im Musée d'Unterlin- den, befindet sich ein ganz besonderes Cembalo. Es wurde 1624 in Antwerpen von Johannes Rückers gebaut, und, ganz im Stile der damaligen Zeit, prachtvoll bemalt. So befinden sich auf dem Deckel wundervolle Verzierungen mit Blumen, Früchten und Insek- ten. Das Gemälde auf dem Unter- deckel zeigt den Wettstreit zwischen Apollo und Pan mit König Midas als Richter. 
Es wird vermutet, dass dieses Instrument bereits vor 1680 nach Frankreich gelangte, wo es mehrfach modifiziert und so an die Ansprüche der musikalischen Praxis angepasst wurde. Das Cembalo befand sich lange Zeit im Schloss von Condé-en-Brie, und wurde 1980 von dem Museum erworben. 
Es ist vorzüglich erhalten, und  klingt noch immer hervorragend, wie auch diese Aufnahme beweist, bei der die amerikanische Cembalistin Lisa Goode Crawford das wertvolle Instrument spielen durfte. Die Musikerin lehrte lange am Oberlin Konservatorium, und gehört zu den Pionieren der Alten Musik in den Vereinigten Staaten. Mittler- weile ist sie Emerita, lebt in Paris und Oberlin, Ohio/USA, und musi- ziert noch immer - mit enormer Spielfreude und einem ausgeprägten Sinn für Strukturen. Diese CD enthält Bachs Chromatische Fantasie und Fuge in d-Moll, BWV 903, die Partita Nr. 4 in D-Dur BWV 828 und die Englische Suite Nr. 3 in g-Moll, BWV 808, jeweils mit einem sehr individuellen Charakter und  hinreißend vorgetragen.