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Mittwoch, 26. Januar 2022

Couperin: Werke für Cembalo (Tyxart)


 Tilman Skowroneck hat für Tyxart drei Cembalo-Suiten – Ordres – aus dem ersten und zweiten Buch der Pièces de Clavecin von François Couperin (1668 bis 1733) eingespielt. Vorangestellt hat er ihnen jeweils das zugehörige Prélude aus L'Art de Toucher le Clavecin. Der Cembalist beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit der Musik des französischen Komponisten, der seinerzeit die Tänze häufig nutzte, um Ideen oder Persönlichkeiten mit musikalischen Mitteln zu charakterisieren. 

An seine erste Begegnung mit diesen Stücken kann sich Tilman Skowroneck noch heute erinnern: „Couperins Cembalomusik kam in den späten Sechzigerjahren in meine Welt, als meine Eltern die Aufnahme […] von Alan Curtis zu Weihnachten geschenkt bekamen. Meine Ohren waren an einige der einfacheren Stücke von Bachs Klavierbüchlein und an ein paar Anfängerstücke für Virginal gewöhnt, und Couperins Welt schien mir skurril und voll von geheimnisvollen Bildern.“ 

Mit dieser Aufnahme gelingt es Skowroneck, diese Faszination auch dem Hörer zu vermitteln. Er spielt dabei übrigens ein zweimanualiges Instrument, das sein Vater Martin Skowroneck 1981 nach französischen Vorbildern des 18. Jahrhunderts gebaut hat.  

Montag, 2. August 2021

Fasch: Works for Keyboard (Audax)

 


Mit diesem Album wendet sich der Cembalist Philippe Grisvard dem Werk eines Kollegen zu: Carl Friedrich Christian Fasch (1736 bis 1800) ist selbst Musikhistorikern heute nur noch deshalb ein Begriff, weil er 1791 die „Singe-Academie zu Berlin“ gegründet hat. Nach seinem Tode übernahm sein Freund und Schüler Carl Friedrich Zelter die Leitung dieser ältesten heute noch existierenden gemischten Chorvereinigung. 

Carl Fasch war jedoch nicht nur ein versierter Chorleiter, sondern in erster Linie auch ein bedeutender Musiker und Komponist. Das Licht der Welt erblickte er in Zerbst, wo er bei seinem Vater, dem Bach-Schüler und Hofkapellmeister Johann Friedrich Fasch, ersten Musikunterricht erhielt. Als 14jähriger ging Carl Fasch dann nach Neustrelitz, um beim dortigen Konzertmeister Johann Christian Hertel seine Fertigkeiten im Violinspiel zu erweitern. Ein Jahr später wurde Fasch bereits Mitglied der Herzoglichen Hofkapelle. 

1756 wechselte er auf Empfehlung Franz Bendas an den preußischen Hof. Fasch wurde, ebenso wie Carl Philipp Emanuel Bach, Hofcembalist von Friedrich II. Zu seinen Aufgaben gehörte es, den flötespielenden König zu begleiten; allerdings hatte diese Glanzzeit bald ein Ende, denn das Ausbrechen des Siebenjährigen Krieges ließ die Musik verstummen. 

Unterbeschäftigt blieb Fasch auch nach dem Ende der Feldzüge. Obwohl der Monarch in seinen letzten Lebensjahren die Musik weitgehend aufgegeben hatte, verweigerte er Fasch die Entlassung. Nach dem Tode Friedrichs des Großen beließ dann sein Nachfolger Wilhelm II. Carl Fasch in Amt und Würden. Da hatte der Musiker allerdings bereits begonnen, sich mit Chormusik zu beschäftigen. 

Leider hat Fasch damals die meisten seiner Werke ins Feuer befördert. Dies trug natürlich dazu bei, dass sein Schaffen in Vergessenheit geriet. Philippe Grisvard ist nun angetreten, um dem verkannten Musiker Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Dazu hat er in Archiven nach Kompositionen des Meisters gesucht, und auch etliche Werke gefunden, die er nun auf dieser CD in Weltersteinspielungen vorstellt. 

Die Sonaten, Variationen und Charakterstücke, die Grisvard aufspüren konnte, zeigen uns Fasch als einen originellen Kopf, der aktuelle Strömungen zwar aufgreift, aber sie in eine eigene musikalische Welt integriert. Zu erwähnen ist außerdem, dass Grisvard Faschs Musik stilsicher auf einem Hammerklavier aus dem Jahre 1790 interpretiert, das dem Augsburger Instrumentenbauer Johann André Stein zugeschrieben wird. Das klangschöne Fortepiano befindet sich in der Sammlung Neumeyer-Junghanns-Tracey im Schloss Bad Krozingen. 


Donnerstag, 2. März 2017

Forqueray: Pièces de Clavecin (MDG)

„Jean-Baptiste Antoine Forqueray, ordinaire de la musique de la Chambre et Chapelle du Roy, n'eut pas moins de talent que son père. Ainsi que lui, il joua devant Louis XIV à l'âge de cinq ou six ans, et étonna toute la cour par la prodi- gieuse exécution qu'il avait déjà dans un âge aussi tendre“, berichtet Jean Benjamin de La Borde. „M. Forque- ray a fait graver plusieurs pièces pour la viole et pour le clavecin, dont quelques-unes sont de M. son père.“ 
Antoine Forqueray (1672 bis 1745), der Vater, wirkte als Gambist am Hofe Ludwigs XIV. Für seinen Sohn scheint er nicht allzuviel übrig gehabt zu haben; Jean-Baptiste Antoine Forqueray (1699 bis 1782) wuchs beim Großvater Michel Forqueray auf, einem Tanzmeister. Ebenso wie sein Vater war er ein musikalisches Wunderkind und spielte bereits in einem Alter, in dem heutzutage Kinder üblicherweise noch im Sandkasten sitzen, vor dem König. 
Als sein Großvater starb, war er bereits ein exzellenter Musiker und bald so gut im Geschäft, dass der Vater wohl eifersüchtig wurde: 1715 sorgte Antoine dafür, dass sein Sohn im Gefängnis landete; 1725 ließ er ihn dann sogar aus Frankreich ausweisen. Doch schon nach zwei Monaten durfte Jean-Baptiste zurückkehren, und wieder als Musiker in Versailles und bei den Concerts spirituels auftreten. 
Als Georg Philipp Telemann 1737 seine Nouveaux Quatuors präsentierte – wie die ersten sechs Pariser Quartette komponiert für Flöte, Violine, Viola da gamba und Violoncello sowie Cembalo – übernahm Jean-Baptiste Forqueray den Gamben-Part. Im September 1742 wurde er dann bei Hofe der Nachfolger seines Vaters. Diese Stelle hatte er offenbar bis 1761 inne; anschließend stand er im Dienste des Fürsten von Conti. Nach dessen Tod 1776 zog sich der Gambenvirtuose aus dem Musikleben zurück; dies scheint er auch wirklich konsequent betrieben zu haben, denn in einer Vermögens- aufstellung für seine Erben wird zwar ein Cembalo beschrieben – das auch auf einem Porträt seiner Frau, der Cembalistin Marie-Rose Du Bois, zu sehen ist – aber keine einzige der wertvollen Gamben, die Jean-Baptiste Forqueray in früheren Jahren gespielt hat. 
Ähnlich mysteriös wie die Familienverhältnisse der Forquerays ist die Geschichte um jene beiden Noteneditionen, die der Musiker 1747 veröffentlichte. Es handelt sich dabei um fünf Suiten für Viola da gamba, laut dem Geleitwort komponiert vom Vater, gewidmet Prinzessin Anne Henriette, einer Schülerin von Jean-Baptiste Forqueray, die eine exzellente Gambenvirtuosin gewesen sein muss. Leider starb sie 1752 an den Pocken. 
Maria Josepha von Sachsen, im Feburar 1747 verheiratet mit dem Thronfolger, widmete der Musiker eine Bearbeitung ebenjener Werke für das Cembalo. Auch hier verweist Forqueray darauf, dass es sich um Werke seines Vaters handele. Allerdings haben etliche dieser Stücke Titel, die Musikhistoriker daran zweifeln lassen – so war beispielsweise Jean Benjamin de La Borde, Namensgeber gleich für das erste Stück, beim Tode Antoine Forquerays erst elf Jahre alt. Auch andere Widmungsträger gehören der Generation Jean-Baptiste Forquerays an. Insofern darf weiter gerätselt werden. 
Hinter all den anspielungsreichen Titeln, von Le Carillon de Passy bis La Rameau und von La Sylva bis La Régente, verbergen sich Meisterwerke voller Anmut, Ausdruck und Intensität. Einem Interpreten geben sie allerdings heute zahlreiche Rätsel auf; sie zu spielen, das ist eine hohe Kunst, die viel Wissen ebenso wie ein gewisses Gespür für Klangeffekte benötigt, vielleicht auch ein wenig Lust am Experiment. 
Der amerikanischen Cembalistin Mitzi Meyerson ist mit ihrer Einspielung der Cembalo-Versionen für das audiophile Label Dabringhaus und Grimm im Jahre 2001 ein großer Wurf gelungen. Welches Format diese Musikerin hat, das ahnt man bereits, wenn man in ihrer Vita liest, dass sie als Professorin für Cembalo an der Hochschule der Künste Berlin lehrt – und somit einen Lehrstuhl inne hat, der einst für Wanda Landowska einge- richtet wurde. 
Die Cembalistin musiziert auf einem Instrument, das 1998 von Keith Hill gefertigt worden ist. Es ist der Nachbau eines Cembalos von Pascal Taskin (1723 bis 1793), einem herausragenden französischen Experten seines Faches, das sich heute in der Sammlung Russel in Edinburgh befindet. Dieses Instrument verfügt insbesondere über ein atemberaubend klang- schönes mittleres Register, das durch die Musik Forquerays auch bestens zur Geltung kommt. 
Mitzi Meyerson vermag es überhaupt kongenial, Gambenklänge auf das Cembalo zu transferieren. Sie spielt souverän und enorm farbenreich. Mit ihrem grandiosen technischen Vermögen gelingt es ihr sogar, all die winzigen Asynchronitäten, die aus dem Bogenstrich resultieren – und die Forqueray auch in seinen Anmerkungen vom Cembalisten einfordert – ganz natürlich wirken zu lassen. Rundum vorbildlich; diese Aufnahme kann man vom ersten bis zum letzten Ton genießen. 

Montag, 4. Juli 2011

Bach: Chromatic Fantasia and Fugue (Naxos)

In Colmar, im Musée d'Unterlin- den, befindet sich ein ganz besonderes Cembalo. Es wurde 1624 in Antwerpen von Johannes Rückers gebaut, und, ganz im Stile der damaligen Zeit, prachtvoll bemalt. So befinden sich auf dem Deckel wundervolle Verzierungen mit Blumen, Früchten und Insek- ten. Das Gemälde auf dem Unter- deckel zeigt den Wettstreit zwischen Apollo und Pan mit König Midas als Richter. 
Es wird vermutet, dass dieses Instrument bereits vor 1680 nach Frankreich gelangte, wo es mehrfach modifiziert und so an die Ansprüche der musikalischen Praxis angepasst wurde. Das Cembalo befand sich lange Zeit im Schloss von Condé-en-Brie, und wurde 1980 von dem Museum erworben. 
Es ist vorzüglich erhalten, und  klingt noch immer hervorragend, wie auch diese Aufnahme beweist, bei der die amerikanische Cembalistin Lisa Goode Crawford das wertvolle Instrument spielen durfte. Die Musikerin lehrte lange am Oberlin Konservatorium, und gehört zu den Pionieren der Alten Musik in den Vereinigten Staaten. Mittler- weile ist sie Emerita, lebt in Paris und Oberlin, Ohio/USA, und musi- ziert noch immer - mit enormer Spielfreude und einem ausgeprägten Sinn für Strukturen. Diese CD enthält Bachs Chromatische Fantasie und Fuge in d-Moll, BWV 903, die Partita Nr. 4 in D-Dur BWV 828 und die Englische Suite Nr. 3 in g-Moll, BWV 808, jeweils mit einem sehr individuellen Charakter und  hinreißend vorgetragen. 

Mittwoch, 16. Juni 2010

Im Maien - Musik des 16. und 17. Jahrhunderts für Virginal und Zink (Cantate)

Was ein Zink ist? Ein Blasinstru- ment, das zur Familie der Hörner zählt. Es wird aus Holz, Horn oder Elfenbein gefertigt, und wie eine Trompete geblasen - hat aber zugleich Grifflöcher wie eine Blockflöte. 
Der Zink, auch Cornetto genannt, war bis weit ins 17. Jahrhundert sehr beliebt, weil sein Klang sehr modulationsfähig ist und exzellent mit der menschlichen Stimme har- moniert. Er wurde in der Kammer- musik ebenso eingesetzt wie in der Turmmusik der Stadtpfeifer - gemeinsam mit Posaunen, denn die Trompete war der höfischen Klangsphäre vorbehalten.
 Der Zink verlor seine Bedeutung schließlich an die Violine, und ver- schwand für gut 200 Jahre nahezu vollständig aus dem Musikleben. Das ist sehr schade, wie die vorliegende CD beweist. Christian Brem- beck, Virginal und Cembalo, und Thomas Hasselbeck, Zink, haben dafür, quer durch Europa, Musik aus der Blütezeit des Instrumentes zusammengetragen, die den Wonnemonat Mai preist - und die Heilige Jungfrau, denn der Mai galt seinerzeit auch als "Marienmond". 
So finden sich Palestrinas Hodie beata Virgo und Ave Maria neben Maria zart von edler Art von Arnolt Schlick , die Mock-Nightingale aus Elizabeth Rogers her Virginal Book neben Werken von Thomas Tallis, Giovanni Gabrieli und Girolamo Frescobaldi, und Hans Leo Hasslers Magnificat primi toni neben El Canto Llano de la Immacu- lada Concepción de la Virgen Maria y tres Glosas von Francisco Correa de Arauxo, und noch etliche andere mehr. 
Es ist erstaunlich, wie gut der sonore Klang des Zinken zu Cembalo und Virginal passt. Brembeck spielt die Tasteninstrumente, auch in einigen Solostücken, beeindruckend. Und auch Hasselbeck beherrscht die nicht ganz einfach zu spielenden Zinken wirklich exzellent, so dass er diese teilweise hochvirtuose Literatur ausdrucksstark und mit herrlichen Klangfarben präsentieren kann. Eine Entdeckung!