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Samstag, 10. November 2012

Servais: Cello Concertos Nr. 1 & 2 (Fuga Libera)

Adrien-Francois Servais (1807 bis 1866) galt seinen Zeitgenossen als der Paganini des Violoncellos. Seine Ausbildung erhielt er in Brüssel bei Nicolas-Joseph Platel, einem Schüler von Jean-Louis Duport. 1829 beendete er sein Studium mit einem Ersten Preis. 
Als Virtuose reiste Servais durch ganz Europa. Er konzertierte auch in Russland, wo ihm, so geht die Legende, die Tochter des Zaren ein Stradivari-Cello schenkte, das noch heute zu den klangschönsten Instrumenten überhaupt gehört. In St. Petersburg lernte er zudem Sophie Feygin kennen, seine spätere Ehefrau. Das Paar bekam sechs Kinder; der jüngste Sohn Joseph wur- de auch ein berühmter Cellist.
Das Photo mit Didier Poskin verweist darauf: Servais war der Erfinder des Stachels. Damit befreite er den Cellisten von der strapaziösen Spielhaltung, die sich dadurch ergab, dass das Instrument zuvor zwischen den Beinen eingeklemmt gehalten wurde. Vom Sockel schaut ein Bild des Virtuosen, der auch zahlreiche Schüler ausbildete und so dazu beitrug, die belgische Cello-Schule zu etablieren. 
Auf dieser CD sind vier bekannte Werke von Servais zu hören: Mor- ceau de Concert op. 14, Fantaisie burlesque sur le Carnaval de Venise op. 9, La Romanesca und das Konzert in h-Moll op. 5. Der belgische Cellist Didier Poskin musiziert gemeinsam mit dem KBS Symphony Orchestra, dem Sinfonieorchester des koreanischen Rundfunks, unter Patrick Davin. Leider kann das Orchester dem Temperament des Solisten nicht durchweg folgen. Doch das beein- trächtigt das Musikerlebnis nur unwesentlich. Poskin hat hörbar Vergnügen an den virtuosen Kabinettstückchen; insbesondere in der Fantaisie burlesque stellt er die Nähe zu Paganini deutlich heraus. 

Samstag, 5. März 2011

Vieuxtemps: Complete Violin Concertos (Fuga Libera)

Henri Vieuxtemps war einer der führenden Repräsentanten der franko-belgischen Violinschule im 19. Jahrhundert. Er hat nicht nur komponiert und zwischen Boston und St. Petersburg zahlreiche Kon- zerte gegeben. Er hat auch etliche Jahre am Brüsseler Konservato- rium, aus dem dann die Chapelle Musicale Reine Elisabeth hervor- gegangen ist, unterrichtet und damit zahlreiche junge Geiger geprägt.
Um zu zeigen, wie vital diese Traditionslinie noch immer ist, haben Bernard de Launoit, 
Präsident der Musikhochschule, und Augustin Dumay, ihr berühmter Dozent im Fach Violine, gemeinsam mit dem Label Fuga Libera eine verrückte Idee verwirklicht: Sie haben Vieuxtemps' sieben Violinkonzerte eingespielt - und den Solopart übernahmen dabei sieben Nachwuchsmusiker aus aller Welt, die bei Dumay studiert haben. 
Einige von ihnen haben bereits wichtige internationale Wettbewerbe gewonnen. Technisch versiert sind sie alle, und das ist auch gut so, denn Vieuxtemps' Werke stellen erhebliche Anforderungen an ihre Interpreten. Dabei war der große belgische Violinist, der von Kind- heit an seinen Platz im Konzertsaal sah, wenig interessiert daran, lediglich ein Virtuosenfeuerwerk abzubrennen. Er überraschte sein Publikum mit dramatischen Einfällen ebenso wie mit einem ironi- schen Augenzwinkern, und wo ein Paganini das Orchester oftmals schlicht als Kulisse für die Show des Solisten arrangierte, da verblüfft Vieuxtemps mitunter mit einem geradezu sinfonischen Orchester- part, in den er seine eigene Stimme sorgsam einbettete. "Wenn er nicht so ein großartiger Virtuose wäre, dann würde er als großer Komponist gefeiert", meinte Berlioz einst über den Musikerkollegen. Der Virtuosen-Komponist wusste genau, wie er sein Publikum begei- stern konnte - und deshalb mangelt es weder an Höchstschwierig- keiten noch an schönen Melodien.
Vineta Sareika, Hrachya Avanesyan, Nikita Boriso-Glebsky, Lorenzo Gatto, Yossif Ivanov, Jolente De Maeyer und Harriet Langley zeigen gemeinsam mit dem Orchestre Philharmonique Royal de Liège unter Patrick Davin, dass sie beidem gewachsen sind. Bei den Aufnahmen im Juli 2010 betreute zudem Augustin Dumay, der selbst ein Schüler des großen Arthur Grumiaux war, seine Eleven. Sie spielen durchweg sehr versiert, und beeindrucken durch satten Belcanto-Schmelz ebenso wie durch Fingerfertigkeit und kluge Gestaltung. Man darf sicher sein, dass man von etlichen der jungen Solisten wieder hören wird.