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Sonntag, 26. Mai 2019

Vieuxtemps: Works for Viola and Piano (MDG)

„Un violiniste dont la taille égale à peu près celle de son archet“, schrieb der belgische Musikkritiker François-Joseph Fétis, „est venu se faire entendre après M. De Bériot, son maître, dans le 7e concerto de Rode. Cet enfant, dont le nom est Vieuxtemps, possède une sûreté, un aplomb, une justesse vraiment remarquables pour son âge: il est né musicien.“ Zu diesem Zeitpunkt war Henri Vieuxtemps (1820 bis 1881) gerade einmal zwölf Jahre alt. 
Begeisterung löste der Geiger aus, wohin er auch kam – beim Publikum wie bei den Kollegen; in Kassel spielte er Louis Spohr vor, der ihn sehr lobte, und auch Paganini zeigte sich angetan. Schon als 20jähriger präsentierte Vieuxtemps in St. Petersburg mit großem Erfolg sein Violinkonzert Nr. 1. Sechs weitere folgten, dazu zahlreiche Werke für Violine und Klavier, Violine und Orchester oder Violine solo. 
Doch die heimliche Liebe des Violinvirtuosen galt der Viola, für die er einige seiner schönsten Kompositionen schuf. Christian Euler und Paul Rivinius haben einige davon für diese CD ausgewählt. Die Sonate B-Dur op. 36 beispielsweise ist meiner Meinung nach eines der schönsten Werke dieser Gattung überhaupt. Und Euler zeigt, wie wundervoll das gesangliche Spiel, das so typisch für die französisch-belgische Violinschule ist, zur Bratsche passt. 
Brillanz und Klangschönheit – in diesen Werken ist beides gefordert. Vieuxtemps hat generell sowohl den Bratschisten als auch den Pianisten mit dankbaren Partien bedacht; und so treten hier Euler und Rivinius oftmals in einen angeregten Dialog. Mit Leidenschaft und Sensibilität musizieren beide, und bringen so diese elegante Musik ausgezeichnet zur Geltung. Virtuosität und Kantilene sind hier bestens vereint. Unbedingt anhören, es lohnt sich! 

Freitag, 27. Oktober 2017

Henryk Szeryng plays Nardini, Vieuxtemps, Ravel, Schumann (Hänssler Classic)

Noch einmal eine CD, auf der Henryk Szeryng zu hören ist – und was für ein Programm! Der Geiger hat diese Aufnahmen in den Jahren 1955 und 1957 im Baden-Badener Musikstudio mit dem Sinfonieorchester des SWR unter seinem legendären Leiter Hans Rosbaud eingespielt. Der Hörer darf sich über das e-Moll-Konzert von Pietro Nardini (1722 bis 1793) freuen, das hier in romantischer Bearbeitung erklingt. Darauf folgen das Violinkonzert Nr. 4 in d-Moll op. 31 von Henri Vieuxtemps (1820 bis 1881), und die ausgesprochen virtuose Konzert-Rhapsodie Tzigane von Maurice Ravel (1875 bis 1937). 
Abschließend ist das Violinkonzert in d-Moll von Robert Schumann (1810 bis 1856) zu hören, für das sich Szeryng sehr eingesetzt hat. „Ich kenne die Bedenken gegen dieses Stück“, meinte der Geiger einst, „aber ich billige sie nicht. Man sagt, es sei spröd und undankbar für den Solisten. Ich gebe zu, dass es nicht so geigerisch ist wie andere Konzerte, und dass auch die Instrumentierung nicht immer ganz glücklich ist. Aber es hat wunder- bare Melodien. (..) Wenn das musikalische Material gut ist, dann sollte man einem Komponisten auch einmal dadurch huldigen, dass man seine Schwächen verdeckt.“ 
Technische Schwierigkeiten scheint Szeryng so gar nicht zu kennen. Sein Spiel ist stets makellos, dabei stark im Ausdruck, und sein Geigenton ist kraftvoll, klar und strahlend. Diese alten Aufnahmen aus dem SWR-Archiv, sorgfältig digital überarbeitet, sind wirklich vom ersten bis zum letzten Takt ein Genuss. 

Freitag, 3. Mai 2013

Vieuxtemps: Violin Concertos Nos. 4 & 5 (Dynamic)

"Une magnifique symphonie avec violon principal", nannte Hector Berlioz das vierte Violinkonzert von Henri Vieuxtemps (1820 bis 1881). Der belgische Violinvirtu- ose verknüpfte in seinen Werken das Musikverständnis der deut- schen Romantik mit dem brillanten Konzertieren nach italienischer und französischer Tradition. In seinem vierten Konzert, entstan- den 1849/50 in St. Petersburg, wird dies bereits sehr deutlich. Das fünfte Konzert wurde 1862 in Paris uraufgeführt. Insgesamt hat Vieuxtemps sieben Violinkonzerte geschrieben, doch nur diese beiden sind auch heute noch häufiger im Konzert zu hören. 
Massimo Quarta hat sie für Dynamic gemeinsam mit dem Orchestra Haydn di Bolzano e Trento eingespielt. Der Geiger, der 1991 als erster Italiener seit Savatore Accardo den Internationalen Violinwettbe- werb "Niccolò Paganini" in Genua gewonnen hat, begeistert mit einer durch und durch romantischen Werkauffassung und wundervollem Ton. Quarta spielt die Conte de Fontana, die einst David Oistrach gehörte, angefertigt von Antonio Stradivari 1702. 

Mittwoch, 16. November 2011

Vieuxtemps: Music for Violin and Orchestra (Naxos)

Henry Vieuxtemps (1820 bis 1881) hat nicht nur sieben berühmte Violinkonzerte geschrieben, son- dern auch eine Vielzahl minde- stens ebenso effektvoller Piecen, teilweise für das Konzert, mitunter auch für den Salon. Misha Keylin hat vier davon gemeinsam mit dem Slovak Radio Symphony Orchestra unter Andrew Mogrelia für das Label Naxos eingespielt. 
Die Fantasia appassionata op. 35 und Ballade et Polonaise op. 38, beide 1860 erstmals veröffentlicht, sind Virtuosenstücke, die dem Solisten nach einer kurzen Orchester- einleitung alle Chancen geben, seine Kunst zu zeigen. Ähnliches gilt auch für die Fantaisie-Caprice op. 11, die Vieuxtemps 1840 im Bolschoi-Theater zu St. Petersburg zum ersten Male gespielt hat. 
Der belgische Violinist konzertierte mehrfach in Russland, und war sechs Jahre lang Hofviolinist des Zaren Nikolaus I. Er begründete die Violinschule am St. Petersburger Konservatorium - der Stadt, aus der auch der Solist dieser Einspielung stammt. Allerdings ging Misha Keylin im Alter von neun Jahren zur Ausbildung nach Amerika. Er studierte bei Dorothy DeLay an der Juilliard School, und lebt heute in New York. 
Die Brücke in die Vereinigten Staaten schlägt diese CD auch musika- lisch - mit Vieuxtemps' Greeting to America op. 58, Variationen um Yankee Doodle und The Star-Spangled Banner. Dieses knackige Stück ist nur eines von etlichen, mit denen der Violinist einst auf seinen Konzertreisen durch die USA das Publikum begeisterte. Die vorlie- gende Interpretation wird auch dem heutigen Zuhörer gefallen. 

Samstag, 5. März 2011

Vieuxtemps: Complete Violin Concertos (Fuga Libera)

Henri Vieuxtemps war einer der führenden Repräsentanten der franko-belgischen Violinschule im 19. Jahrhundert. Er hat nicht nur komponiert und zwischen Boston und St. Petersburg zahlreiche Kon- zerte gegeben. Er hat auch etliche Jahre am Brüsseler Konservato- rium, aus dem dann die Chapelle Musicale Reine Elisabeth hervor- gegangen ist, unterrichtet und damit zahlreiche junge Geiger geprägt.
Um zu zeigen, wie vital diese Traditionslinie noch immer ist, haben Bernard de Launoit, 
Präsident der Musikhochschule, und Augustin Dumay, ihr berühmter Dozent im Fach Violine, gemeinsam mit dem Label Fuga Libera eine verrückte Idee verwirklicht: Sie haben Vieuxtemps' sieben Violinkonzerte eingespielt - und den Solopart übernahmen dabei sieben Nachwuchsmusiker aus aller Welt, die bei Dumay studiert haben. 
Einige von ihnen haben bereits wichtige internationale Wettbewerbe gewonnen. Technisch versiert sind sie alle, und das ist auch gut so, denn Vieuxtemps' Werke stellen erhebliche Anforderungen an ihre Interpreten. Dabei war der große belgische Violinist, der von Kind- heit an seinen Platz im Konzertsaal sah, wenig interessiert daran, lediglich ein Virtuosenfeuerwerk abzubrennen. Er überraschte sein Publikum mit dramatischen Einfällen ebenso wie mit einem ironi- schen Augenzwinkern, und wo ein Paganini das Orchester oftmals schlicht als Kulisse für die Show des Solisten arrangierte, da verblüfft Vieuxtemps mitunter mit einem geradezu sinfonischen Orchester- part, in den er seine eigene Stimme sorgsam einbettete. "Wenn er nicht so ein großartiger Virtuose wäre, dann würde er als großer Komponist gefeiert", meinte Berlioz einst über den Musikerkollegen. Der Virtuosen-Komponist wusste genau, wie er sein Publikum begei- stern konnte - und deshalb mangelt es weder an Höchstschwierig- keiten noch an schönen Melodien.
Vineta Sareika, Hrachya Avanesyan, Nikita Boriso-Glebsky, Lorenzo Gatto, Yossif Ivanov, Jolente De Maeyer und Harriet Langley zeigen gemeinsam mit dem Orchestre Philharmonique Royal de Liège unter Patrick Davin, dass sie beidem gewachsen sind. Bei den Aufnahmen im Juli 2010 betreute zudem Augustin Dumay, der selbst ein Schüler des großen Arthur Grumiaux war, seine Eleven. Sie spielen durchweg sehr versiert, und beeindrucken durch satten Belcanto-Schmelz ebenso wie durch Fingerfertigkeit und kluge Gestaltung. Man darf sicher sein, dass man von etlichen der jungen Solisten wieder hören wird.

Samstag, 31. Juli 2010

Vieuxtemps: Violin Concertos 4 & 5 (Hyperion)

Die Solokonzerte von Henry Vieuxtemps sind keine leichte, gefällige Kost. Das Violinkonzert Nr. 4 in d-Moll op 31 schuf er in
St. Petersburg, wo er ab 1846 als Hofgeiger und Solist am Kaiser- lichen Theater engagiert war, und außerdem am Konservatorium unterrichtete. Vieuxtemps hielt dieses Konzert für sein bestes; Berlioz bezeichnete es als "Sinfonie mit Solovioline".
Das trifft möglicherweise ziemlich gut den Kern der Dinge; das Werk ist nicht nur umfangreich, sondern auch hochdramatisch. Und tatsächlich dauert es erstaunlich lange, ehe der Solist in den ersten Satz mit einstimmt. Dafür ist dann aber auch gleich eine Kadenz zu absolvieren, die es schwer in sich hat. Nicht umsonst gilt Vieuxtemps als der Erbe Paganinis; der renommierte Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick sah ihn und Joseph Joachim seinerzeit als beste Geiger der Welt.
Viviane Hagner hat ein Händchen für diese Musik; die Wahlberlinerin gab ihr internationales Debüt als Zwölfjährige, und spielte bereits ein Jahr darauf bei dem legendären gemeinsamen Konzert des Israel Philharmonic Orchestra und der Berliner Philharmoniker in Tel Aviv unter Zubin Mehta. Ihr Repertoire ist ähnlich umfangreich wie ihr Konzertkalender. 
Die Solistin musiziert auf dieser CD gemeinsam mit dem Royal Flemish Philharmonic unter Martyn Brabbins.  Sie spielt die Sasserno-Stradivari, von der Nippon Music Foundation zur Verfügung gestellt, und überzeugt durch ihr ungemein differenziertes Musizieren ebenso wie durch ihre Virtuosität. Rasant absolviert sie die Tripel- und Quadrupelgriffe der Kadenz des ersten Satzes - und lässt gleich darauf die Violine beseelt im Duett mit der Harfe singen. Doch bei aller Ro- mantik wird ihr Spiel nie seicht und oberflächlich. 
Das gilt auch für das Violinkonzert Nr. 5 in a-Moll op. 37, das Vieux- temps 1838/39 für seinen Freund Hubert Léonard geschrieben hat - als Prüfungsstück für einen Wettbewerb am Brüsseler Konservato- rium. Das Werk wurde speziell dafür geschaffen, dass die Studieren- den ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen können, und gefiel den Geigern dann so gut, dass es sich bis heute im Repertoire gehalten hat. Insbesondere das Adagio, das eine seinerzeit bekannte Opern- melodie zitiert, verleitet zum "Schönspielen".
Auch die Fantasia appassionata op. 35 beginnt gemessen bis drama- tisch, und endet rhapsodisch, ja, ekstatisch. Mit ihrem schlanken, strahlenden Ton und intelligenter Phrasierung gerät Hagner keine Sekunde auch nur in die Nähe von Kitsch - sie bekennt sich durchaus zum Pathos, vermeidet jedoch Bombast und Überschwang. Sie gehört ohne Zweifel nicht zu den "Geigenmädchen", wie sie derzeit von einigen Plattenfirmen gekonnt vermarktet werden, sondern zu den führenden Violinvirtuosen ihrer Generation. Hyperion ist damit eine echte Entdeckung gelungen. Brava!

Donnerstag, 21. Januar 2010

Servais with Ghys, Léonard, Vieuxtemps: Duos for Cello and Violin (Naxos)


Adrien Francois Servais (1807 - 1866) galt als "Paganini des Violoncellos" - und diese CD zeigt, warum. Denn wer diese Stücke hört, der kann kaum glauben, dass diese Klanglawinen von nur zwei Soloinstrumenten hervorgebracht werden - und nicht mindestens von einem Streichquartett, oder sogar von einem kleinen Orchester.
Kaskaden von Doppelgriffen, oft auf Violine und Cello zugleich, gebrochene Akkorde in rasantem Tempo zur Begleitung der jeweils melodie-führenden Stimme, Texturen, die bis zu nahezu orchestraler Dichte ausgefüllt werden, rasch wechselndes pizzicato- und arco-Spiel sowie simultane Kadenzen - diese Stücke sind ganz eindeutig von Virtuosen für Virtuosen geschrieben, um ein kunstsinniges Publikum zu begeistern.
Friedemann Eichhorn, Violine, und Alexander Hülshoff, Violoncello, sind den irrwitzigen technischen Anforderungen, die diese Werke stellen, jederzeit voll gewachsen. Mit Begeisterung hüpfen sie von Flageolett zu Flageolett, und mit einer Prise Ironie würzen sie jene Passagen, die man heutzutage als Übertreibung, als - pardon! - Virtuosenmätzchen empfinden mag. So gelingt ihnen eine lebendige Interpretation all jener Grand Duos und Variationes brillantes et concertantes, die typische Bestandteile des romantischen Repertoires waren, aber später aus den Konzertsälen verschwanden, weil sie aufgrund ihrer demonstrativen Virtuosität als oberflächlich in Verruf gerieten. Fürs Museum aber sind diese köstlichen Stücke in der Tat zu schade.