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Dienstag, 18. Mai 2021

A Dream (Genuin)

 


Noch vor hundert Jahren war es selbstverständlich, dass Virtuosen im Konzert eigene Werke spielten. Pianisten glänzten gern auch mit Improvisationen über populäre Melodien oder Phantasien über besonders anspruchsvolle Stücke von bekannten Kollegen. Damit boten sie einem sachkundigen Publikum anspruchsvolle Unterhaltung, und sie konnten unter Beweis stellen, dass sie nicht nur über eine exzellente Technik verfügten, sondern vor allem auch selbst kreativ waren. 

Improvisation auf einem hohen musikalischen Niveau darf man heutzutage wohl nur noch von Jazzpianisten und von Kirchenmusikern erwarten; dort ist das Improvisieren nach wie vor Bestandteil der Ausbildung. Unter klassisch trainierten Pianisten hingegen gilt es bereits als spektakulär, im Konzert eine eigene Kadenz zu spielen. 

Jürgen Geiger beweist auf seiner aktuellen CD bei Genuin, dass die Kombination aus Klavier und Kirchenmusik durchaus produktiv sein kann. Er hat eine Auswahl virtuoser Klavierliteratur in romantischer Tradition zusammengestellt, die auch Salon-Pièces durchaus nicht verschmäht. (Was unseren Vorvätern Vergnügen bereitet hat - warum soll dies heute eigentlich auf dem Konzertpodium nur noch sehr am Rande, als Zugabe, gespielt werden?) Nicht wenige dieser Werke hat Jürgen Geiger selbst, ganz in der Tradition der alten Virtuosen, bearbeitet. Und einige hat er gänzlich selbst komponiert. 

So erklingt Geigers Musik in einer Reihe mit Stücken von Franz Liszt oder von Leopold Godowsky und Vladimir Horowitz. Der Pianist musiziert mit überragender Technik, Gespür für Klang und Sinn für Dramatik. Ganz großes Kino. 


Samstag, 12. Januar 2019

Telemann: Per Tromba & Corno da Caccia (Ricercar)

Bläsermusik von Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) präsentiert das Ensemble Eolus auf seiner Debüt-CD. Die Formation ist neu, aber die Musiker sind durchaus bekannt; insbesondere Jean-François und Pierre-Yves Madeuf haben als Blechbläser, die auf historischen Instrumenten und in originaler Spielweise musizieren, hohes Renommee. 
Das Ensemble Eolus kombiniert Barocktrompete und Naturhorn mit Oboen und Fagott. Madeuf vertritt die These, dass all diese Instrumente zunächst in der Militärmusik eingesetzt worden sind, bevor sie Bestandteil der Hofkapellen wurden: „Pour ce premier CD de'l ensemble Eolus, il nous a semblé important de nous éloigner de l'idée convenue que nous pouvons avoir de la musique de chambre pour vents de l'époque baroque afin d'en retrouver toute la saveur originelle de ses origines régimentaires“, schreibt der Musiker im Beiheft. „Ainsi, seules deux pièces de ce program- me font appel au clavecin (instrument d'intérieur) pour la basse continue et nous avons donc privilégié des œvres avec le basson comme seul instrument de basse spécifié par le compositeur.“ 
Und in der Tat hat Telemann unter anderem einen Marsch komponiert, auf dessen Manuskript sich der Vermerk findet, „Komponiert für das Stück-Schiessen der Artillerie“. In diesem Falle wird die Besetzung – zwei Hörner, drei Oboen und Fagott – durch eine Trommel komplettiert. 
Seine Suiten und Konzerte allerdings, sowie ein Konzert für zwei Hörner und Fagott von Maximilian Fiedler, das die Musiker wegen seiner aparten Besetzung mit aufgenommen haben, waren mit Sicherheit für die Hofmusik bestimmt. In der sächsischen Hofkapelle gab es hinreichend Solisten, die den mitunter aberwitzig virtuosen Partien gewachsen waren. 
Die Musiker des Ensemble Eolus haben damit ebenfalls keine Schwierigkeiten. Sie sind eine Klasse für sich – und diese Einspielung ist es auch. Bei diesen Bläserklängen vergisst man sogar, darüber zu staunen, dass gar keine Streicher beteiligt sind. Furios!