Kantaten von Johann Jeremias du Grain (um 1700 bis 1756) präsen- tiert das Goldberg Baroque Ensemble unter Leitung von Andrzej Szadejko auf dieser CD. Über das Leben des Komponisten ist wenig bekannt. So bleiben Herkunft und Geburtsdatum im Dunkel der Geschichte. Unter- richtet hat ihn Georg Philipp Telemann; im Jahre 1730 jedenfalls sang du Grain als Bassist bei der Aufführung der Festkantate des Hamburger Musikdirektors zum
200. Jubiläum der Augsburger Konfession.
1731 heiratete du Grain dann in Elbing, und dort scheint er dann auch etliche Jahre geblieben zu sein. Aus dem Jahre 1737 ist belegt, dass er als Sänger, Cembalist und zweiter Organist an der Hauptkirche St. Marien beschäftigt war. Danzig wurde die letzte Station auf seinem Lebensweg. Dorthin zog er 1739 um, und wurde 1747 Organist der Elisabethkirche. Um das Musikleben in der Handelsstadt erwarb er sich große Verdienste: Am 23. Februar 1740 veranstaltete er das erste große öffentliche Konzert in Danzig, mit Chor und Orchester. In der Konzertreihe, die du Grain begründete, erklangen seine eigenen Werke, aber auch Musikstücke von Telemann und Händel.
Aus einem Brief erfuhr Telemann 1756 vom Ableben seines Schülers: „So eben vernehme ich, dass der Herr Du Grain, Organist bey der Reform(ierten) Kirche zu Danzig (..) bey einem (..) im Englischen Hause gehaltenen Concerte, dermassen vom Schlage getroffen worden, dass er so gleich darauf den Geist aufgegeben habe.“
Leider sind von du Grain nur sehr wenige Werke überliefert: Drei Cembalokonzerte, dazu eine Handvoll Kantaten. Die Sänger und Musiker um Andrzej Szadejko stellen auf dieser CD drei Kirchenkantaten vor sowie eine Gelegenheitskomposition, entstanden 1738 für die Beisetzungs- feierlichkeiten eines Bürgermeisters. Sie stammen durchweg aus den Elbinger Jahren.
Das ist durchaus eine Entdeckung. Du Grain erweist sich als ein versierter Komponist, der die Kantatentexte einfallsreich in Musik gesetzt hat. Und sowohl für die Sänger als auch für die Instrumentalisten hat er teils virtuose Partien gestaltet. Apropos: Marie Smolka, Elisabeth Holmer, Georg Poplutz und Marek Rzepka bilden das Solistenquartett dieser Aufnahme.
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Montag, 3. September 2018
Dienstag, 26. Juni 2018
Goldberg: Harpsichord Concertos (MDG)
Wer diese CD angehört hat, der kann nachvollziehen, warum Johann Sebastian Bach einst Johann Gottlieb Goldberg (1727 bis 1756) für seinen talentiertesten Schüler gehalten haben soll. Hermann Karl Graf von Keyserlingk, russischer Gesandter am Dresdner Hof, erkannte die Bega- bung des Jungen, der aus Danzig stammt und der Sohn eines Geigenbauers war. Er brachte den jungen Musiker mit nach Sachsen, wo er ihn bei Bach in die Lehre gegeben haben soll.
Über den Lebensweg Goldbergs ist nicht viel bekannt; er spielte aber nicht nur für von Keyserlingk, dem er die berühmten Variationen vorgetragen haben soll, sondern vor allem auch für den Grafen Brühl, in dessen exzellenter Kapelle er ab 1751 als Kammer- musiker beschäftigt war.
Als er an Tuberkulose starb, war er gerade einmal 29 Jahre alt. Es verwundert daher nicht, dass aus der Feder Goldbergs nur einige wenige Werke überliefert sind. Darunter sind die beiden Cembalokonzerte in d-Moll und Es-Dur, die Alina Ratkowska auf dieser CD gemeinsam mit dem Goldberg Baroque Ensemble vorstellt.
Es sind großformatige Werke, für den Solisten sehr anspruchsvoll und von einem hohen Schwierigkeitsgrad – und auch der Orchesterpart geht über das, was man aus dieser Zeit üblicherweise erwartet, ein ganzes Stück hinaus. Je mehr man hört, desto mehr staunt man: Diese Konzerte sind kühn und einzigartig; die Einspielung lässt den Verlust erahnen, den die Musikwelt durch den frühen Tod des Komponisten erlitten hat.
Alina Ratkowska spielt das Cembalo grandios. Sie interpretiert die beiden Konzerte engagiert und brillant. Und das Goldberg-Ensemble gestaltet den Orchesterpart mit Präzision. Die Musiker lassen auch die langsamen Mittelsätze bestens zur Geltung kommen. Ein großer Wurf in der auch sonst vortrefflichen MDG-Reihe Musica Baltica – unbedingt anhören!
Über den Lebensweg Goldbergs ist nicht viel bekannt; er spielte aber nicht nur für von Keyserlingk, dem er die berühmten Variationen vorgetragen haben soll, sondern vor allem auch für den Grafen Brühl, in dessen exzellenter Kapelle er ab 1751 als Kammer- musiker beschäftigt war.
Als er an Tuberkulose starb, war er gerade einmal 29 Jahre alt. Es verwundert daher nicht, dass aus der Feder Goldbergs nur einige wenige Werke überliefert sind. Darunter sind die beiden Cembalokonzerte in d-Moll und Es-Dur, die Alina Ratkowska auf dieser CD gemeinsam mit dem Goldberg Baroque Ensemble vorstellt.
Es sind großformatige Werke, für den Solisten sehr anspruchsvoll und von einem hohen Schwierigkeitsgrad – und auch der Orchesterpart geht über das, was man aus dieser Zeit üblicherweise erwartet, ein ganzes Stück hinaus. Je mehr man hört, desto mehr staunt man: Diese Konzerte sind kühn und einzigartig; die Einspielung lässt den Verlust erahnen, den die Musikwelt durch den frühen Tod des Komponisten erlitten hat.
Alina Ratkowska spielt das Cembalo grandios. Sie interpretiert die beiden Konzerte engagiert und brillant. Und das Goldberg-Ensemble gestaltet den Orchesterpart mit Präzision. Die Musiker lassen auch die langsamen Mittelsätze bestens zur Geltung kommen. Ein großer Wurf in der auch sonst vortrefflichen MDG-Reihe Musica Baltica – unbedingt anhören!
Freitag, 23. Juni 2017
Baroque Cantatas from Gdansk (MDG)
Das alte Danzig war eine reiche Stadt. Daher ist zu erwarten, dass in der einstige Handelsmetropole auch ein reichhaltiges und repräsentatives Musikleben existierte. Andrzej Szadejko hat sich in Archiven und Bibliotheken auf die Spurensuche begeben – und trotz aller Kriegsver- luste ist es ihm gelungen, etliche Schätze zu heben.
So fand Szadejko in den Beständen der Bibliothek der Danziger Akademie der Wissenschaften Notenkollektio- nen, die einst von den Ensembles der Kirchen St. Johannes und St. Katha- rinen genutzt worden sind. Die alten Notenmanuskripte der Marienkirche hingegen, noch heute das größte und bedeutendste Gotteshaus der Stadt, sind wohl verloren, wie das Beiheft mitteilt.
Auf dieser CD präsentiert Andrzej Szadejko mit dem von ihm im Jahre 2008 gegründeten Goldberg Baroque Ensemble sieben Kantaten, die für die Danziger Kirchenmusik entstanden sind. Komponiert wurden sie von Jo- hann Valentin Meder (1649 bis 1719), Johann Jeremias du Grain (†1756), Johann Balthasar Christian Freislich (1687 bis 1764) und Johann Daniel Pucklitz (1705 bis 1774) – Kapellmeister, Organisten, Stadtratsmusiker.
Die Werke, die hier in Ersteinspielungen erklingen, sind musikalisch anspruchsvoll und handwerklich gelungen. Das Solistenquartett Marie Smolka, Franziska Gottwald, Hermann Oswald und Markus Flaig sowie die Vokalisten und Musiker des Goldberg Baroque Ensembles stellen die Kantaten gekonnt und inspiriert vor. Damit eröffnen sie den Zugang zu einer musikalischen Landschaft wieder, die derzeit nur ausgesprochenen Experten bekannt ist. Spannend dürfte in diesem Zusammenhang auch ein Vergleich mit der polnischen katholischen Kirchenmusik jener Zeit sein.
Bach-Schüler Johann Gottlieb Goldberg (1727 bis 1756), den das Ensemble sich zum Namenspatron erkoren hat, gilt als berühmtester musikalischer Sohn Danzigs. In der Stadt, die heute zu Polen gehört und Gdańsk heißt, findet alljährlich das Goldberg Festival statt, das der „Alten“ Musik gewidmet ist, insbesondere auch dem musikalischen Erbe aus der Barockzeit.
So fand Szadejko in den Beständen der Bibliothek der Danziger Akademie der Wissenschaften Notenkollektio- nen, die einst von den Ensembles der Kirchen St. Johannes und St. Katha- rinen genutzt worden sind. Die alten Notenmanuskripte der Marienkirche hingegen, noch heute das größte und bedeutendste Gotteshaus der Stadt, sind wohl verloren, wie das Beiheft mitteilt.
Auf dieser CD präsentiert Andrzej Szadejko mit dem von ihm im Jahre 2008 gegründeten Goldberg Baroque Ensemble sieben Kantaten, die für die Danziger Kirchenmusik entstanden sind. Komponiert wurden sie von Jo- hann Valentin Meder (1649 bis 1719), Johann Jeremias du Grain (†1756), Johann Balthasar Christian Freislich (1687 bis 1764) und Johann Daniel Pucklitz (1705 bis 1774) – Kapellmeister, Organisten, Stadtratsmusiker.
Die Werke, die hier in Ersteinspielungen erklingen, sind musikalisch anspruchsvoll und handwerklich gelungen. Das Solistenquartett Marie Smolka, Franziska Gottwald, Hermann Oswald und Markus Flaig sowie die Vokalisten und Musiker des Goldberg Baroque Ensembles stellen die Kantaten gekonnt und inspiriert vor. Damit eröffnen sie den Zugang zu einer musikalischen Landschaft wieder, die derzeit nur ausgesprochenen Experten bekannt ist. Spannend dürfte in diesem Zusammenhang auch ein Vergleich mit der polnischen katholischen Kirchenmusik jener Zeit sein.
Bach-Schüler Johann Gottlieb Goldberg (1727 bis 1756), den das Ensemble sich zum Namenspatron erkoren hat, gilt als berühmtester musikalischer Sohn Danzigs. In der Stadt, die heute zu Polen gehört und Gdańsk heißt, findet alljährlich das Goldberg Festival statt, das der „Alten“ Musik gewidmet ist, insbesondere auch dem musikalischen Erbe aus der Barockzeit.
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