Das alte Danzig war eine reiche Stadt. Daher ist zu erwarten, dass in der einstige Handelsmetropole auch ein reichhaltiges und repräsentatives Musikleben existierte. Andrzej Szadejko hat sich in Archiven und Bibliotheken auf die Spurensuche begeben – und trotz aller Kriegsver- luste ist es ihm gelungen, etliche Schätze zu heben.
So fand Szadejko in den Beständen der Bibliothek der Danziger Akademie der Wissenschaften Notenkollektio- nen, die einst von den Ensembles der Kirchen St. Johannes und St. Katha- rinen genutzt worden sind. Die alten Notenmanuskripte der Marienkirche hingegen, noch heute das größte und bedeutendste Gotteshaus der Stadt, sind wohl verloren, wie das Beiheft mitteilt.
Auf dieser CD präsentiert Andrzej Szadejko mit dem von ihm im Jahre 2008 gegründeten Goldberg Baroque Ensemble sieben Kantaten, die für die Danziger Kirchenmusik entstanden sind. Komponiert wurden sie von Jo- hann Valentin Meder (1649 bis 1719), Johann Jeremias du Grain (†1756), Johann Balthasar Christian Freislich (1687 bis 1764) und Johann Daniel Pucklitz (1705 bis 1774) – Kapellmeister, Organisten, Stadtratsmusiker.
Die Werke, die hier in Ersteinspielungen erklingen, sind musikalisch anspruchsvoll und handwerklich gelungen. Das Solistenquartett Marie Smolka, Franziska Gottwald, Hermann Oswald und Markus Flaig sowie die Vokalisten und Musiker des Goldberg Baroque Ensembles stellen die Kantaten gekonnt und inspiriert vor. Damit eröffnen sie den Zugang zu einer musikalischen Landschaft wieder, die derzeit nur ausgesprochenen Experten bekannt ist. Spannend dürfte in diesem Zusammenhang auch ein Vergleich mit der polnischen katholischen Kirchenmusik jener Zeit sein.
Bach-Schüler Johann Gottlieb Goldberg (1727 bis 1756), den das Ensemble sich zum Namenspatron erkoren hat, gilt als berühmtester musikalischer Sohn Danzigs. In der Stadt, die heute zu Polen gehört und Gdańsk heißt, findet alljährlich das Goldberg Festival statt, das der „Alten“ Musik gewidmet ist, insbesondere auch dem musikalischen Erbe aus der Barockzeit.
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Freitag, 23. Juni 2017
Montag, 15. April 2013
von Suppé: Requiem (Hänssler Profil)
Ein Requiem von Franz von Suppé? Es ist kaum zu glauben - aber dieser Komponist, den wir heute vor allem als Souverän im Reich der leichten Muse kennen, begann seine Laufbahn in der Kirchen- musik. Francesco Ezechiele Erme- negildo Cavaliere Suppè-Demelli (1819 bis 1895) entstammte einer Beamtenfamilie. Er sag schon als Kind im Chor der Kathedrale seiner Heimatstadt Split. Sein Vater hätte es gern gesehen, dass sich der Filius für einen handfesten Beruf entscheidet. Die Mutter aber erkannte seine Begabung, und sorgte dafür, dass Franz auch eine musikalische Ausbildung absolvieren durfte.
Der Vater bestand dennoch auf einem "richtigen" Studium - was dazu führte, dass der Sohn nach Padua ging, um Jura zu studieren, aber dort wohl mehr Zeit in der Oper verbrachte als an der Hochschule. Nach dem Tod des Vaters war schließlich der Weg zum Musikerberuf frei. Zwar ging Franz von Suppé zunächst nach Wien, um Medizin zu studieren. Doch lange blieb er nicht dabei, er wechselte bald ans Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde. Als - unbezahlter - dritter Kapellmeister am Theater in der Josefstadt konnte er dann erste Bühnenerfahrungen sammeln. Das kam ihm ab 1845 in seiner Tätigkeit am Theater an der Wien sowie am Carltheater zustatten - und der Komponist widmete sich fürderhin den Opern und Operetten sowie dem ganzen bunten Spektrum dessen, was man heute gern als Unterhaltungsmusik geringschätzt.
Das 1855 komponierte Requiem aber zeigt, dass Franz von Suppé musikalisch keineswegs ein Leichtgewicht war. Es erinnert deutlich an das Mozart-Requiem, aber wer genau hinhört, der wird feststellen, dass es sich keineswegs um eine Imitation handelt. Von Suppé ent- wickelt das Vorbild weiter - harmonisch, dynamisch, in den Klang- farben, und letzten Endes auch in seiner sehr individuellen Ausdeu- tung des Textes. Denn der Gott, mit dem der Komponist in seiner Musik Zwiesprache hält, wird nicht als Rex tremendae majestatis vorgestellt, sondern als gnädiger Gott, der das Salva me erhört. Im Kontrast zu den Ängsten und der Düsternis des irdischen Daseins zeichnet von Suppé eine himmlische Welt voll Klarheit und Harmo- nie.
Wuchtig und mit einer gehörigen Portion Italianitá hat die Philhar- monie Festiva unter der Leitung von Gerd Schaller dieses Requiem im Juli 2012 live im Kloster Ebrach vorgestellt. Es singen Marie Fajtová, Franziska Gottwald, Tomislav Muzek, Albert Pesendorfer und der Philharmonische Chor München. Die Solisten sind wirklich brillant, und dem Chor trägt man einige kleine Schwächen angesichts der Live-Situation nicht nach. Eine stimmungsvolle Aufnahme, die hier mit Nachdruck empfohlen wird.
Der Vater bestand dennoch auf einem "richtigen" Studium - was dazu führte, dass der Sohn nach Padua ging, um Jura zu studieren, aber dort wohl mehr Zeit in der Oper verbrachte als an der Hochschule. Nach dem Tod des Vaters war schließlich der Weg zum Musikerberuf frei. Zwar ging Franz von Suppé zunächst nach Wien, um Medizin zu studieren. Doch lange blieb er nicht dabei, er wechselte bald ans Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde. Als - unbezahlter - dritter Kapellmeister am Theater in der Josefstadt konnte er dann erste Bühnenerfahrungen sammeln. Das kam ihm ab 1845 in seiner Tätigkeit am Theater an der Wien sowie am Carltheater zustatten - und der Komponist widmete sich fürderhin den Opern und Operetten sowie dem ganzen bunten Spektrum dessen, was man heute gern als Unterhaltungsmusik geringschätzt.
Das 1855 komponierte Requiem aber zeigt, dass Franz von Suppé musikalisch keineswegs ein Leichtgewicht war. Es erinnert deutlich an das Mozart-Requiem, aber wer genau hinhört, der wird feststellen, dass es sich keineswegs um eine Imitation handelt. Von Suppé ent- wickelt das Vorbild weiter - harmonisch, dynamisch, in den Klang- farben, und letzten Endes auch in seiner sehr individuellen Ausdeu- tung des Textes. Denn der Gott, mit dem der Komponist in seiner Musik Zwiesprache hält, wird nicht als Rex tremendae majestatis vorgestellt, sondern als gnädiger Gott, der das Salva me erhört. Im Kontrast zu den Ängsten und der Düsternis des irdischen Daseins zeichnet von Suppé eine himmlische Welt voll Klarheit und Harmo- nie.
Wuchtig und mit einer gehörigen Portion Italianitá hat die Philhar- monie Festiva unter der Leitung von Gerd Schaller dieses Requiem im Juli 2012 live im Kloster Ebrach vorgestellt. Es singen Marie Fajtová, Franziska Gottwald, Tomislav Muzek, Albert Pesendorfer und der Philharmonische Chor München. Die Solisten sind wirklich brillant, und dem Chor trägt man einige kleine Schwächen angesichts der Live-Situation nicht nach. Eine stimmungsvolle Aufnahme, die hier mit Nachdruck empfohlen wird.
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