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Samstag, 19. November 2016

Mädchenherzen (Genuin)

Was für ein köstliches Gezwitscher! Die junge Sopranistin Mirella Hagen, Preisträgerin zahlreicher Wettbewer- be, hat gemeinsam mit ihrer Klavier- partnerin Kerstin Mörk ein Liedpro- gramm zusammengestellt, dass keine Wünsche offenlässt. Bei Hugo Wolf, Ludwig Thuille und Richard Strauss fanden sie Werke, die sowohl im Gesangs- als auch im Klavierpart ausgesprochen ausdrucksstark sind. 
„Ganz am Anfang hat jede von uns ihre Lieblingslieder aufgeschrieben“, berichtet die Pianistin. „Das waren vor allem Lieder von Hugo Wolf, der uns beiden sehr wichtig ist. Dabei haben wir festgestellt, dass diese Lieder alle zu dem Thema ,Mädchenherzen' passen. Es geht um junge Mädchen und deren Gefühle, die mal sehr sanft und lyrisch sein können, aber auch sehr energisch, ein bisschen zickig und launisch.“ 
„Auch bei Strauss (..) findet sich eine Fülle an Werken, die die Mädchen- herzen-Stimmung unserer Wolf-Auswahl aufgreifen und sehr gut ergänzen“, merkt Mirella Hagen an. „Ludwig Thuille war wiederum nur ein Jahr jünger als Hugo Wolf, die drei sind also wahre Zeitgenossen.“ Manche dieser Lieder seien „wahnsinnig witzig“; alle drei Komponisten „sind Meister der Tonmalerei, und sie setzen diese oft ein, um ein Augenzwinkern, eine gewisse Ironie in die Lieder zu bringen. Das gefällt uns sehr gut.“ 
Mit ihrem strahlenden, hellen Sopran gestaltet die Sängerin die Lieder als Miniaturen, die direkt hineinführen in die Welt der jungen Mädchen. Mirella Hagen wird dabei kongenial begleitet von Kerstin Mörk, die den Stimmungsgehalt sowie mitunter auch die Doppelbödigkeit des jeweiligen Klavierparts in ihrem Musizieren wunderbar erfasst. „Die Lieder, oder besser gesagt die Texte, haben bis heute eine große Aktualität. Mädchen- herzen werden heute noch von denselben Dingen und Gefühlen bewegt wie im 19. Jahrhundert“, sagt Kerstin Mörk. „Darin spüren wir eine große Verbundenheit zu diesen Liedern und Texten. Natürlich ist die Sprache eine andere, aber im Kern geht es doch um dieselben Themen: die erste Liebe, Eifersucht, Sehnsucht, Enttäuschung, Gefühlsschwankungen und kleine Launen. Das gesamte Spektrum mädchenhaften Seins und Fühlens eben.“ 

Samstag, 6. März 2010

Hagen: Sonatas for Lute & Strings (Dorian)

Bernhard Joachim Hagen war der letzte große deutsche Lautenist. Er starb 1787 in Ansbach; und mit ihm endete eine Epoche. Die Laute jedenfalls wurde als reizvolles Instrument erst 200 Jahre später wiederentdeckt.
Hagen stammte offenbar aus einer musikalischen Familie: Sein älterer Bruder Peter Albrecht Hagen, aus- gebildet als Violinist bei Gemiani in London, war als Organist in Rotterdam erfolgreich. Bernhard Joachim Hagen hingegen kam in jungen Jahren als Violinschüler zu Johann Pfeiffer, dem  Kapellmeister des Bayreuther Hofes. 
1731 wurde Friedrich von Brandenburg-Bayreuth mit Wilhelmine, der ältesten Tochter des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I., verheiratet. Beide Kinder des Soldatenkönigs begeisterten sich für Musik - Friedrich der Große war bekanntlich ein exzellenter Flötist; Wilhelmine spielte Cembalo und, mit besonderer Hingabe, Laute. In Bayreuth angekommen, engagierte sie als erstes ein Hoforchester. Dort wurde auch Hagen tätig - als Geiger, nicht als Lautenist; bis an sein Lebensende blieb er Kammermusiker am markgräflichen Hof. Wie versiert er auch die Laute beherrschte, das zeigen allerdings seine Werke, die handschriftlich in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg überliefert sind. Sechs seiner Sonaten, für Laute und Streicher, fasst die vorliegende CD zusammen. 
Sie erweisen sich als Kabinettstücke allerersten Ranges, die an die Instrumentalisten enorme Anforderungen stellen. John Schneider- man, Laute, erweist sich als versierter musikalischer Partner der renommierten Barock-Violinistin Elizabeth Blumenstock. William Skeen übernimmt einen Cello-Part, der sich zumeist zwar darauf beschränkt, die tiefe Stimme der Laute mitzuspielen. Doch wer da glaubt, dieser Continuo-Part sei simpel, der irrt. Denn einfach ist an diesen Stücken rein gar nichts - das ist galante Virtuosenmusik vom Allerfeinsten, auf dem Wege zur Frühklassik, hier und da aufgepeppt mit einer Prise Empfindsamkeit. Jede dieser Sonaten ist ein Solitär, mit vielen funkelnden Facetten, die entdeckt werden wollen. Und die drei Solisten haben hörbar Vergnügen daran, diese Musik vor dem Museum zu retten. Der Zuhörer wird ihnen dabei dankbar folgen - er ist eingeladen zu einer Entdeckung, wie sie nur selten gelingt.