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Samstag, 10. Juli 2010

The Czar's Guitars - Souvenirs of Russia (Dorian)

"Die Gitarren des Zaren" - so nennen sich Oleg Timofejew und John Schneiderman. Die beiden Musiker haben sich zusammen- getan, um die russische Gitarren- tradition zu pflegen. Dabei spielen sie sowohl "westliche" als auch russische zeitgenössische Instru- mente.
Die russische Gitarre, im Westen wenig bekannt, ist kleiner als ihre spanische Schwester und hat sieben Saiten. Sie klingt zudem weicher und sanfter. Die Musik, die Timofejew und Schneiderman für diese CD ausgewählt haben, ist zwar virtuos, aber auch volkstümlich. Das beginnt schon bei dem Gitarren- duett Souvenir de Russie op. 63 des Spaniers Fernando Sor. Er lebte drei Jahre lang in Russland - aber was der berühmte Gitarrist während dieser Zeit getan hat, verbleibt im Nebel der Geschichte. Wir wissen nur, dass er seine Frau Fèlicitè Hullen begleitete, die als Primaballerina in Moskau tanzte.
Die beiden Themen von Souvenir de Russie sind bekannte russische Volkslieder, die auch andere damals gerne in Variationen verwende- ten. Doch bevor solche Werke von Wladimir Morkow, Michael Glinka und etlichen anderen erklingen, beginnt die CD mit der früheren russischen Nationalhymne, und zwar in Solo-Variationen von Pietro Pettoletti. Ähnlich patriotisch schließt das Opus - nämlich mit einem Lied, das zuvor die Nationalhymne war, und auf der Melodie von God Save the Queen basierte. Es wurde 1833 durch die Hymne von Alexej Fjodorowitsch Lwow abgelöst, die dann bis 1917 im Gebrauch war. 
Und auch sonst gab es einen erstaunlich regen Austausch zwischen dem Zarenreich und dem "Westen", wie das Beiheft sehr ausführlich am jeweiligen Beispiel zeigt. Verzichtet man auf die Theorie, und hört nur die Musik, so werden ebenfalls zahlreiche Querverbindungen hörbar. Ansonsten hält sich der musikalische Aha-Effekt in Grenzen; ebenso wie das Niveau der meisten Kompositionen.

Samstag, 6. März 2010

Hagen: Sonatas for Lute & Strings (Dorian)

Bernhard Joachim Hagen war der letzte große deutsche Lautenist. Er starb 1787 in Ansbach; und mit ihm endete eine Epoche. Die Laute jedenfalls wurde als reizvolles Instrument erst 200 Jahre später wiederentdeckt.
Hagen stammte offenbar aus einer musikalischen Familie: Sein älterer Bruder Peter Albrecht Hagen, aus- gebildet als Violinist bei Gemiani in London, war als Organist in Rotterdam erfolgreich. Bernhard Joachim Hagen hingegen kam in jungen Jahren als Violinschüler zu Johann Pfeiffer, dem  Kapellmeister des Bayreuther Hofes. 
1731 wurde Friedrich von Brandenburg-Bayreuth mit Wilhelmine, der ältesten Tochter des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I., verheiratet. Beide Kinder des Soldatenkönigs begeisterten sich für Musik - Friedrich der Große war bekanntlich ein exzellenter Flötist; Wilhelmine spielte Cembalo und, mit besonderer Hingabe, Laute. In Bayreuth angekommen, engagierte sie als erstes ein Hoforchester. Dort wurde auch Hagen tätig - als Geiger, nicht als Lautenist; bis an sein Lebensende blieb er Kammermusiker am markgräflichen Hof. Wie versiert er auch die Laute beherrschte, das zeigen allerdings seine Werke, die handschriftlich in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg überliefert sind. Sechs seiner Sonaten, für Laute und Streicher, fasst die vorliegende CD zusammen. 
Sie erweisen sich als Kabinettstücke allerersten Ranges, die an die Instrumentalisten enorme Anforderungen stellen. John Schneider- man, Laute, erweist sich als versierter musikalischer Partner der renommierten Barock-Violinistin Elizabeth Blumenstock. William Skeen übernimmt einen Cello-Part, der sich zumeist zwar darauf beschränkt, die tiefe Stimme der Laute mitzuspielen. Doch wer da glaubt, dieser Continuo-Part sei simpel, der irrt. Denn einfach ist an diesen Stücken rein gar nichts - das ist galante Virtuosenmusik vom Allerfeinsten, auf dem Wege zur Frühklassik, hier und da aufgepeppt mit einer Prise Empfindsamkeit. Jede dieser Sonaten ist ein Solitär, mit vielen funkelnden Facetten, die entdeckt werden wollen. Und die drei Solisten haben hörbar Vergnügen daran, diese Musik vor dem Museum zu retten. Der Zuhörer wird ihnen dabei dankbar folgen - er ist eingeladen zu einer Entdeckung, wie sie nur selten gelingt.