Da wir gerade beim Crowdfunding waren: Über die Plattform Startnext hat Mario Häring Gelder für seine zweite Solo-CD gesammelt. Der junge Pianist, Jahrgang 1989, wollte unbe- dingt Werke von Claude Debussy (1862 bis 1918) einspielen – doch als er mit der Planung des Projektes begann, war er noch Student. „Debussys Musik begleitet mich generell schon seit der Kindheit“, berichtet Häring im Beiheft. „Früh habe ich z.B. die Arabesques und Golliwog's Cakewalk gespielt und mich sofort in die französischen Klänge verliebt. An ihnen kann man wunderbar am Klang arbeiten, was natürlich Auswirkungen auf das Klavierspiel allgemein hat und ganz neue Möglichkeiten eröffnet.“
Den hundertsten Todestag des Komponisten in diesem Jahr vor Augen, wollte sich Häring einmal mehr mit dem Werk Debussys auseinander- setzen. Die Finanzierung über Startnext ist ihm gelungen, und so konnte der Pianist sein CD-Projekt bei Ars Produktion verwirklichen.
Ausgewählt hat Mario Häring dafür die Préludes, Premier Livre L. 117, Images, Deuxième Série L. 111, Children's Corner L. 113 sowie, quasi als Zugabe, die Rêverie L. 68. „Die ausgewählten Zyklen stammen alle aus einer Schaffensperiode und bieten trotzdem sehr verschiedene Eindrücke von Debussys Kompositionsstil“, erläutert der Pianist. „Allen gemeinsam ist für mein Empfinden aber ein stark atmosphärischer Ausdruck, der sich in meiner Vorstellung oft in natürlichen Szenerien abspielt – wie es ja auch oft die Titel widerspiegeln.“
Häring musiziert virtuos. Seine Technik ist beeindruckend; ich muss allerdings gestehen, dass mich sein Spiel insgesamt ziemlich ratlos zurücklässt. Häring entfesselt wahre Klangkaskaden, aber das Atmosphärische will sich sich mir nicht recht mitteilen. Der Pianist sucht nach einer Alternative zu den Rubati und all den anderen Freiheiten, die sich Pianisten schon zu Lebzeiten des Komponisten genommen haben – was dieser aber offenbar nicht sehr geschätzt hat. Was tun? Häring stellt selbst fest, dass Debussy selbst eher leise und elegant gespielt hat.
Mir persönlich gefallen die Aufnahmen am besten, wo Pianisten zu Debussy einen poetischen Zugang gefunden haben – große Bögen, erkennbare Strukturen, und ein staunenswert differenziertes Klavierspiel. Ich wünsche mir farbenreiche, fein nuancierte und sensibel austarierte Interpretationen, und ja, mitunter vielleicht auch ein wenig Witz und Ironie. In dieser Aufnahme finde ich davon eher wenig. Häring musiziert heute mit dem Schwung der Jugend – er ist ohne Zweifel ein exzellenter Pianist, und ich bin gespannt darauf, wie er diese Stücke in 25 Jahren spielen wird. Wenn er aus einer anderen Perspektive in die Noten schaut. Mit mehr Distanz vielleicht. Und mehr Gelassenheit.
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Sonntag, 5. August 2018
Sonntag, 22. Mai 2011
A Musical Journey to Russia and France (Genuin)
Rieko Yoshizumi stammt aus Oita, gelegen auf der südjapanischen Insel Kyushu. Sie hatte seit ihrem vierten Lebensjahr Klavierunter- richt, lernte dann in Tokio am staatlichen Gymnasium für Musik und an der legendären Hochschule für Kunst und Musik, und absol- vierte anschließend ein Aufbaustu- dium an der Hochschule für Musik Detmold. Seit 2000 ist sie Profes- sorin an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden.
Auf dieser CD begibt sich die Piani- stin auf Klangreise nach Russland und Frankreich. Modest Mussorgski und Claude Debussy gelten als ziemlich typische Vertreter der Musik des jeweiligen Landes - was könnte russischer sein als das Große Tor und Kiew? Und was französischer als die Hommage à Rameau? Doch Vorsicht! Klischees sind eine heikle Angelegenheit; zumal sich die Komponisten des Mächtigen Häufleins - sie selbst nannten sich Nova- toren - ziemlich intensiv mit dem Schaffen ihrer französischen Kolle- gen auseinandergesetzt haben. Diese wiederum ließen sich Noten aus Russland mitbringen. So sind die Unterschiede letzten Endes gar nicht so gewaltig, und insbesondere Mussorgskis Einzelstücke Une Larme und Méditation zeigen, dass auch die Gruppe der Fünf Einflüssen des Westens nicht gänzlich abgeschworen hatte. Schließt man die Augen und lauscht, so ist der Graben zwischen den Images und den Werken Mussorgskis nicht allzu beeindruckend.
Rieko Yoshizumi musiziert wunderbar differenziert. Ihr Spiel ist außerordentlich farbenreich, kultiviert und nuanciert; ihre Präzision ist bewundernswert. Sie bietet Zwischentöne und wasserklare Strukturen statt Klangbrei und lärmiges Pathos. Hier ist jeder Akzent wohlüberlegt. All das macht diese Aufnahme zum Erlebnis. Brava!
Auf dieser CD begibt sich die Piani- stin auf Klangreise nach Russland und Frankreich. Modest Mussorgski und Claude Debussy gelten als ziemlich typische Vertreter der Musik des jeweiligen Landes - was könnte russischer sein als das Große Tor und Kiew? Und was französischer als die Hommage à Rameau? Doch Vorsicht! Klischees sind eine heikle Angelegenheit; zumal sich die Komponisten des Mächtigen Häufleins - sie selbst nannten sich Nova- toren - ziemlich intensiv mit dem Schaffen ihrer französischen Kolle- gen auseinandergesetzt haben. Diese wiederum ließen sich Noten aus Russland mitbringen. So sind die Unterschiede letzten Endes gar nicht so gewaltig, und insbesondere Mussorgskis Einzelstücke Une Larme und Méditation zeigen, dass auch die Gruppe der Fünf Einflüssen des Westens nicht gänzlich abgeschworen hatte. Schließt man die Augen und lauscht, so ist der Graben zwischen den Images und den Werken Mussorgskis nicht allzu beeindruckend.
Rieko Yoshizumi musiziert wunderbar differenziert. Ihr Spiel ist außerordentlich farbenreich, kultiviert und nuanciert; ihre Präzision ist bewundernswert. Sie bietet Zwischentöne und wasserklare Strukturen statt Klangbrei und lärmiges Pathos. Hier ist jeder Akzent wohlüberlegt. All das macht diese Aufnahme zum Erlebnis. Brava!
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