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Freitag, 20. November 2020

Joseph Haydn and his London Disciples (Genuin)


Als Joseph Haydn (1732 bis 1809) einst aus der ungarischen Provinz nach London kam, wurde er dort von der Gesellschaft begeistert gefeiert. Die Kompositionen des Musikers waren in Großbritannien bekannt und beliebt; unter den Neugierigen, die versuchten, den maestro persönlich zu treffen, waren auch etliche Kollegen. Viele behaupteten, Haydns Schüler gewesen zu sein – Rebecca Maurer hat für diese CD zwei Musiker aufgespürt, die wohl tatsächlich eine Verbindung zu dem Hochgeehrten hatten. 
Thomas Haigh, ein Geiger und Pianist aus Manchester, über den sonst nicht viel bekannt ist, hat neben eigenen Werken auch eine große Anzahl von Klavierarrangements populärer Musikstücke geschaffen. Mit Haydns Kompositionen hat er sich gründlich auseinandergesetzt, denn er hat etliche seiner Sinfonien und Ouvertüren für das Klavier bearbeitet. 
Rebecca Maurer stellt allerdings Werke vor, in denen Haigh in origineller Weise Vorbild und eigene musikalische Gedanken verbindet: Three Canzonetta’s of Dr. Haydn’s Arranged as Rondos for the Piano Forte sind kurz nach Haydns English Canzonettas um 1796 publiziert worden. Eine Fantaisie, veröffentlicht 1817, kombiniert muntere Tanzmelodien, Zitate aus Haydns Paukenwirbel-Sinfonie und Variationen über Gott erhalte Franz den Kaiser. Haydn war bekanntermaßen ein Mann von Humor; diese skurrile Zusammenstellung reicht aber weit über das hinaus, was er selbst in seinen Werken an musikalischen Scherzen versteckt hat. 
Christian Ignatius Latrobe (1758 bis 1836) traf Joseph Haydn 1791, und er widmete seinem Idol noch im gleichen Jahr die Three Sonatas for the Pianoforte op. 3. Rebecca Maurer hat für diese Einspielung daraus einen langsamen Satz der Sonata I in A Dur ausgewählt. Im Kontrast zu diesen Werken, die durchweg wohl eher für das häusliche Musizieren entstanden sind, interpretiert die Pianistin aber auch Haydns für den Konzertsaal bestimmte Sonaten in Es-Dur Hob. XVI:52 und C-Dur Hob. XVI:50. Es sind dies virtuose Werke, perfekt auf die damaligen Bedürfnisse der besten Pianisten Londons und auch auf die Möglichkeiten der englischen Instrumente abgestimmt. 
Wie faszinierend diese Musik einstmals geklungen hat, das demonstriert Rebecca Maurer mit dieser CD. Denn die international gefragte Hammerklavier-Virtuosin konnte für die Aufnahme ein originales Londoner Fortepiano von 1816 aus der Werkstatt von John Broadwood & Sons nutzen. Es befindet sich heute in Salzburg, in der Sammlung von Thomas Albertus Irnberger. Dort ist die Einspielung auch aufgezeichnet worden. 
Zuvor hatte sich Maurer mit dem Instrument ausgiebig vertraut gemacht, und seine Klangmöglichkeiten und Spieleigenschaften sorgsam erkundet. Das Ergebnis ist eine faszinierende, bis ins letzte Detail stilsichere und zudem mitunter augenzwinkernde Interpretation. Rebecca Maurer präsentiert sowohl die Musikstücke – überwiegend in Weltersteinspielungen – als auch das historische Instrument wunderbar. Hinreißend! 

Dienstag, 6. Oktober 2020

Reflecting Beethoven - Herbert Schuch (Avi-Music)

 

„Zu viel Beethoven gibt es nicht!“, meint Herbert Schuch. Zum Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 legt der Pianist deshalb allen Musikfreunden ein Album auf den Gabentisch, das drei Klaviersonaten des Komponisten in den Mittelpunkt stellt. Schuch hat dafür die Pathétique op. 13 sowie die Sonaten op 31 Nr. 1 und 2 – letztere bekannt unter „Der Sturm“ – ausgewählt. Diese kombiniert er mit Miniaturen, die mit Beethovens Musik korrespondieren. 

So erklingen nach der Klaviersonate op. 13 – für Schuch „ganz große italienische Oper mit schwerer Einleitung, großem Drama, Streitgespräch zweier Personen beim Seitenthema, dem Mittelsatz als Belcanto-Arie und dem Finale als Abschiedsszene“ – die Pathétique Variations von Mike Garson, dem langjährigen Keyboarder David Bowies. Sie erscheinen wie eine improvisierte Reflektion des großen Vorbildes aus heutiger Perspektive – oder vielleicht sollte man besser sagen „Perspektiven“? Denn der Stilpluralismus unserer zeitgenössischen Musik erzeugt viele Facetten, die höchst unterschiedliche Klangbilder auslösen. 

Coup de dés en échos von Henri Pousseur hat Schuch Beethovens Klaviersonate Nr. 16 vorangestellt. Damit setzt er einen Kontrast, denn dieses Stück ist ein modernes, von Pousseur John Cage gewidmet. Die Sturm-Sonate wiederum beantwortet Schuch mit Leander Ruprechts Sonata d-Moll (2nd Version); er macht darin aus Musik wieder Geräusch. Das ist in diesem Fall sogar witzig.


Mittwoch, 16. September 2020

Grigory Sokolov. Beethoven - Brahms - Mozart. (Deutsche Grammophon)

Grigory Sokolov ist als Pianist noch immer eine Klasse für sich. Seit vielen Jahren spielt der Musiker ausschließlich Solo-Recitals. Er tritt nur in Mitteleuropa auf, und er meidet Medienrummel ebenso wie Marketingstrategen. Er gibt keine Interviews, und er stellt seine Programme so zusammen, wie er es für richtig hält. 
Viele Jahre lang hat Sokolov keinerlei Aufnahmen erlaubt. Es ist ein großer Gewinn, dass er nun zumindest ausgewählte Live-Mitschnitte für eine Veröffentlichung freigibt. 
Denn seine Konzentration auf die Musik, seine brillante Technik und seine bewundernswerte Autonomie ermöglichen ihm Interpretationen von enormer Tiefe und Klarheit. Sokolov musiziert mit höchster Präzision; seine Artikulation ist atemberaubend, Nuancen- und Farbenreichtum seines Spiels sind faszinierend. Das ist Klavierkunst auf allerhöchstem Niveau, wie aus einer anderen Welt. 
Diese Box enthält die Sonate in C-Dur op. 2 Nr. 3 sowie die Bagatellen op. 119 von Ludwig van Beethoven, sowie die Klavierstücke op. 118 und 119 von Johannes Brahms und sieben wunderbare Zugaben. Diese wählt Sokolov stets mit derselben Sorgfalt aus wie die „großen“ Stücke. 
Zu hören sind in diesem Falle das Impromptu in As-Dur D 935/2 von Franz Schubert, Les Sauvages von Jean-Philippe Rameau, das Intermezzo in b-Moll op. 117/2 von Johannes Brahms, Le Rappel des Óiseaux, ebenfalls von Rameau, das Prelude in gis-Moll op. 32/12 von Sergej Rachmaninoff, Schuberts  Allegretto in c-Moll D 915 und Des pas sur la neige aus den Préludes von Claude Debussy. Als Zugabe gibt es außerdem eine DVD, mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart. 

Freitag, 10. Juli 2020

Tchaikovsky: Solo Piano Works (Signum Classics)

Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840 bis 1893) soll ein exzellenter Pianist gewesen sein. Auch wenn der Komponist heute vor allem aufgrund seiner Ballette sowie durch die großen Konzerte populär ist, lohnt sich doch auch die Beschäftigung mit den kleineren Klavierwerken Tschaikowskis. Eine Auswahl davon hat Peter Donohoe nun für Signum Classics auf zwei CD eingespielt. „It is inexplicable to me that Tchaikovsky’s solo piano music should remain so infrequently performed, containing as it does all of the composer’s characteristic harmony“, begeistert sich der britische Pianist, „his wonderful melodic gift, his capacity for majestic gesture, magically beautiful moments, immense sadness, and passages of extreme excitement. His piano writing is often orchestral in texture, but also demonstrates the direct but very diverse pianistic influences of Liszt and Schumann, and incorporates in an almost naive way folk-style dance rhythms and melodies from Russia.“ Auf der CD sind all diese Facetten seines Schaffens zu erleben. Donohoe musiziert mit Liebe zum Detail und mit Sinn für Strukturen. So macht er deutlich, wie sehr Tschaikowski Schumanns Musik verbunden war. Er zeigt aber auch, wie persönlich und unverwechselbar die Kompositionen Tschaikowskis sind. Ein interessantes Programm, mit großem Engagement vorgetragen. 

Samstag, 27. Juni 2020

Franz Schubert - Gilbert Schuchter (Tudor)

Die Weltersteinspielung des gesamten Klavierwerks von Franz Schubert erschien 1969/70 auf 15 Schallplatten bei dem Label Tudor. Es gab damals viel Beifall für den österreichischen Pianist Gilbert Schuchter (1919 bis 1989), der sich an dieses Aufsehen erregende Projekt herangewagt hatte. Die Einspielung war seinerzeit auch deshalb eine Sensation, weil sie auf wissenschaftlich geprüften, fundierten Noteneditionen beruhte. 
Auf CD veröffentlichte Tudor diese Gesamtaufnahme dann erstmals im Todesjahr von Gilbert Schuchter. Dass das Label den kompletten Schubert nun in einer preiswerten Box mit 12 CD und umfangreichem Beiheft erneut bereitstellt, ist erfreulich. Denn das Tondokument hat ohne Zweifel nicht nur musikhistorisch große Bedeutung, sondern obendrein noch immer einen hohen künstlerischen Rang. Schuchter musiziert mit großer Hingabe und lyrischer Geste. Er gestaltet „seinen“ Schubert elegisch, jedem Gedanken nachsinnend, weich im Klang, sehr österreichisch. Kein einziger Takt erscheint hier beliebig. 

Donnerstag, 19. März 2020

Clemens Christian Poetzsch plays Sven Helbig (Berlin Classics)

Clemens Christian Poetzsch spielt Werke von Sven Helbig. „The idea for a piano album has been running through my head for many years“, schreibt der Komponist im Beiheft. „I don’t play the instrument very well, but I always had a special love for it and its literature.“ Besonders fasziniert zeigt sich Helbig von den Legenden, die sich um große Konzertpianisten der Vergangenheit ranken. „They live in my head like figures from novels“, so Helbig. 
Dann begegnete ihm Clemens Christian Poetzsch – und die beiden Musiker stellten bald fest, dass sie nicht nur die Begeisterung für diese Pianogötter gemeinsam hatten. Auch im Ringen um musikalischen Ausdruck fanden sie viele Übereinstimmungen. „I was always searching for the music I would like to play”, meint Poetzsch, der sich daher ebenso schon aufs Komponieren konzentriert hat.  „I have been waiting for the right moment to focus on my piano playing with the right compositions.“
In Sven Helbig hat Poetzsch offenbar diese Inspirationsquelle gefunden: „It was a dream constellation for me to work with him on his music and to be given absolute freedom in my interpretation.“ Der Pianist hat die Kompositionen von Sven Helbig aus seiner Sicht gedeutet und interpretiert. Das wirkt oft ein wenig wie Filmmusik, und die meisten Stücke sind sehr poetisch. Im Beiheft sind kurze Notate beider Partner zu den jeweiligen Werken nachzulesen; es ist faszinierend, nachzuvollziehen, was sie jeweils dazu empfinden und denken. 

Mittwoch, 18. März 2020

The Edison Recordings - Sergey Rachmaninov (Naxos)

Historische Aufnahmen von hohem Rang veröffentlicht immer wieder das Label Naxos. Auf dieser CD ist Sergej Rachmaninoff (1873 bis 1943) zu erleben – nicht als Komponist oder Dirigent, sondern als Pianist. Man glaubt es kaum, aber es gibt Tondokumente: Nach seiner Übersiedelung 1918 in die USA spielte der russische Musiker nicht nur zahlreiche Konzerte. Er nahm auch das Angebot an, im Edison-Studio in New York aufzunehmen. Einige dieser Einspielungen aus dem April 1919 sind auf dieser CD zu hören – oft sogar in mehreren Varianten. Faszinierend! 

Freitag, 31. Januar 2020

1st Chopin Festival Hamburg 2018 (Naxos)

Klängen aus der Vergangenheit zu lauschen, und sie mit dem Sound moderner Instrumente zu vergleichen – dazu lädt das Chopin Festival Hamburg ein. Es wird von der Chopin-Gesellschaft Hamburg & Sachsenwald e.V. veranstaltet, und bietet neben erstklassigen Konzerten für das interessierte Publikum auch Meisterkurse für angehende Pianisten. 
Es ist das erste und einzige Festival, das die Klangwelten moderner und historischer Flügel in den Wettbewerb schickt – und die Jury sind die Zuhörer. Auf dieser CD wurden Höhepunkte aus dem ersten Festivaljahrgang 2018 zusammengefasst . Zu hören sind Werke von Chopin, Debussy, Dussek, Gutmann, Liszt und Schubert, gespielt von Elisabeth Brauß, Tobias Koch, Alexei Lubimov, Ewa Pobłocka, François-Xavier Poizat und Hubert Rutkowski. 
„Einzigartig an diesem Klassik-Festival ist, dass sie Werke auf original historischen Intrumenten spielen und dazu im Vergleich – und in derselben Vorstellung – auch auf einem Flügel der Gegenwart“, erklärt Rutkowski, der dieses musikalische Ereignis als Festival-Intendant mit konzipiert hat. 
Die Möglichkeit dazu bietet die Sammlung Musikinstrumente im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg mit ihren Beständen, so dass die Auswahl an Instrumenten von jenen der Meister des 19. Jahrhunderts, wie Broadwood, Pleyel, Brodmann oder historischem Steinway, bis hin zu modernen Flügeln von Shigeru Kawai und Steingraeber reicht. Ein hochspannendes Unterfangen, dokumentiert auf einer CD, die zum Ausflug in ein längst verklungenes Klavier-Universum einlädt. 

Dienstag, 31. Dezember 2019

Clara Schumann and her Family (MDG)

Eine ganz besondere CD hat die Pianistin Ira Maria Witoschynskyj im Gedenken an eine berühmte Kollegin bei Dabringhaus und Grimm veröffentlicht: Mit ihrem Aufnahme- projekt erkundete sie das familiäre Umfeld von Clara Schumann, der bedeutendsten Pianistin des 19. Jahrhunderts, deren 200. Geburtstag in diesem Jahr von der Musikwelt gefeiert wurde. 
Clara Schumann (1819 bis 1896) war eine Ausnahmekünstlerin, die sich nicht so recht in das biedermeierliche Bild von Familie einfügen lässt. Denn mit ihrem Klavierspiel ernährte sie ihre Familie, den komponierenden Gatten Robert oftmals inklusive – Konzertreisen also statt Kinder, Küche, Kirche. Und zunehmend wird auch ihr eigenes Schaffen geschätzt. 
Diese CD, entstanden anlässlich des 100. Todestages von Clara Schumann 1996, gilt dennoch dem familiären Umkreis der Musikerin. Denn dort gibt es noch immer einiges zu entdecken; Ira Maria Witoschynskyj hat das Programm dafür gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Joachim Draheim mit großer Sorgfalt vorbereitet und begeistert fast durchweg mit Ersteinspielungen. 
Die Werke von Robert und Clara Schumann, Johannes Brahms und Claras Halbbruder Woldemar Bargiel (1828 bis 1897) ergeben ein ungemein erhellendes Bild ihrer kompositorischen Kompetenz und der künstlerischen Atmosphäre im engsten Kreis ihrer Familie. Clara Schumann tritt uns darin nicht nur als Virtuosin, Komponistin, Arrangeurin und als Assistentin Robert Schumanns, sondern auch als Widmungsempfängerin, Schwester, Freundin, Ehefrau und Mutter entgegen. Hinreißend, voller Überraschungen, und obendrein exquisit gespielt. Brava!

Donnerstag, 16. Mai 2019

Haydn: 10 kleine Klavierstücke - 24 Menuetti (Naxos)

Große Musiker erkennt man ohne Frage auch an kleinen Stücken. In diesem Falle gilt das sowohl für den Komponisten Joseph Haydn (1732 bis 1809), der gerade die Miniaturen unglaublich ideenreich gestaltet hat, ebenso wie für den Pianisten, der die kurzen Stücke vorträgt. Jenö Jandó erweist sich einmal mehr als Meister seines Faches. 
Die Liste seiner Veröffentlichungen bei Naxos ist lang; Jandó hat für das Label unter anderem die Klavier- sonaten von Haydn und Beethoven sowie die Klavierkonzerte und
-sonaten von Wolfgang Amadeus Mozart eingespielt. Die Menuette und die anderen kleinen Klavierstücke interpretiert er mit Sorgfalt; an vielen kleinen Details wird deutlich, wie intensiv er sich mit dem Schaffen Haydns beschäftigt hat. So kommen auch Charme und Witz dieser kurzen Werke bestens zu Geltung. Hinreißend! 

Sonntag, 5. Mai 2019

Bizet: Piano Works (MDG)

Klaviermusik von Georges Bizet (1838 bis 1875), der ja eigentlich eher als Opernkomponist bekannt ist? Das macht neugierig. 
Auf dieser CD präsentiert Johann Blanchard eine beeindruckende Raritätenauswahl, vom Grande Valse de concert bis zu den sechs Chants du Rhin und von Chasse Fantastique bis zu den Variations Chromatiques de Concert. Auch die Klavierfassung der L'Arlesienne-Suite Nr. 1 und zwei Nocturnes sind zu hören. 
Und wie Blanchard diese Werke spielt, das lässt das Herz eines jeden Musikfreundes höher schlagen. Der Pianist musiziert auf dem von Dabringhaus und Grimm oft eingesetzten Steinway „Manfred Bürki“ aus dem Jahre 1901, und zeigt dabei so ganz nebenbei, was für ein zauber- haftes Instrument dieser Flügel ist. Was für Klänge! Eine hinreißend schöne Einspielung, die man immer wieder anhören möchte. 

Sonntag, 14. April 2019

Souvenirs (Genuin)

Aleksandra Mikulska nutzt ihr Debüt bei dem Leipziger Label Genuin, um auf eine wenig bekannte Facette des Schaffens von Franz Liszt hinzuweisen: Die Werke, die die polnische Pianistin für diese CD ausgewählt hat, sind musikalische Erinnerungsstücke – an seine Lebensgefährtin Marie Gräfin d'Agoult, seine zweite Liebe, Carolyne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein, geschätzte Kollegen wie Robert Schumann und Frédéric Chopin, und an Länder, die Liszt beeindruckt haben, wie Spanien, wohin ihn 1844/45 eine lange Konzertreise führte, die Ukraine, und natürlich seine geliebte Heimat Ungarn. 
Mikulska, Sonderpreisträgerin beim 15. Internationalen Frédéric-Chopin-Wettbewerb, musiziert großartig. Sie spielt Liszts Kompositionen mit grandioser Sensibilität, überzeugt durch feinste Differenzierung und faszinierende Klangsinnlichkeit. Natürlich kann sie auch zupacken – aber viel interessanter sind in diesem Falle die vielen Nuancen und Farben, die sie dem Flügel entlockt. So kann man diese virtuose Musik völlig neu entdecken. Traumhaft! 

Sonntag, 5. August 2018

Les préludes sont des images - Debussy (Ars Produktion)

Da wir gerade beim Crowdfunding waren: Über die Plattform Startnext hat Mario Häring Gelder für seine zweite Solo-CD gesammelt. Der junge Pianist, Jahrgang 1989, wollte unbe- dingt Werke von Claude Debussy (1862 bis 1918) einspielen – doch als er mit der Planung des Projektes begann, war er noch Student. „Debussys Musik begleitet mich generell schon seit der Kindheit“, berichtet Häring im Beiheft. „Früh habe ich z.B. die Arabesques und Golliwog's Cakewalk gespielt und mich sofort in die französischen Klänge verliebt. An ihnen kann man wunderbar am Klang arbeiten, was natürlich Auswirkungen auf das Klavierspiel allgemein hat und ganz neue Möglichkeiten eröffnet.“ 
Den hundertsten Todestag des Komponisten in diesem Jahr vor Augen, wollte sich Häring einmal mehr mit dem Werk Debussys auseinander- setzen. Die Finanzierung über Startnext ist ihm gelungen, und so konnte der Pianist sein CD-Projekt bei Ars Produktion verwirklichen. 
Ausgewählt hat Mario Häring dafür die Préludes, Premier Livre L. 117, Images, Deuxième Série L. 111, Children's Corner L. 113 sowie, quasi als Zugabe, die Rêverie L. 68. „Die ausgewählten Zyklen stammen alle aus einer Schaffensperiode und bieten trotzdem sehr verschiedene Eindrücke von Debussys Kompositionsstil“, erläutert der Pianist. „Allen gemeinsam ist für mein Empfinden aber ein stark atmosphärischer Ausdruck, der sich in meiner Vorstellung oft in natürlichen Szenerien abspielt – wie es ja auch oft die Titel widerspiegeln.“ 
Häring musiziert virtuos. Seine Technik ist beeindruckend; ich muss allerdings gestehen, dass mich sein Spiel insgesamt ziemlich ratlos zurücklässt. Häring entfesselt wahre Klangkaskaden, aber das Atmosphärische will sich sich mir nicht recht mitteilen. Der Pianist sucht nach einer Alternative zu den Rubati und all den anderen Freiheiten, die sich Pianisten schon zu Lebzeiten des Komponisten genommen haben – was dieser aber offenbar nicht sehr geschätzt hat. Was tun? Häring stellt selbst fest, dass Debussy selbst eher leise und elegant gespielt hat. 
Mir persönlich gefallen die Aufnahmen am besten, wo Pianisten zu Debussy einen poetischen Zugang gefunden haben – große Bögen, erkennbare Strukturen, und ein staunenswert differenziertes Klavierspiel. Ich wünsche mir farbenreiche, fein nuancierte und sensibel austarierte Interpretationen, und ja, mitunter vielleicht auch ein wenig Witz und Ironie. In dieser Aufnahme finde ich davon eher wenig. Häring musiziert heute mit dem Schwung der Jugend – er ist ohne Zweifel ein exzellenter Pianist, und ich bin gespannt darauf, wie er diese Stücke in 25 Jahren spielen wird. Wenn er aus einer anderen Perspektive in die Noten schaut. Mit mehr Distanz vielleicht. Und mehr Gelassenheit. 

Montag, 9. Juli 2018

Clair de lune - Menahem Pressler (Deutsche Grammophon)

Klaviermusik von Maurice Ravel, Gabriel Fauré und vor allem von Claude Debussy hat Menahem Pressler für die erste Soloaufnahme ausgewählt, die er bei dem Label Deutsche Grammophon veröffent- licht. Der Pianist, geboren 1923 in Magdeburg, musizierte mehr als 50 Jahre lang im Beaux Arts Trio. Seine Solo-Karriere startete Pressler erst nach der Auflösung des legendären Kammermusik-Ensembles im Jahre 2008; diese CD hat er 2017 eingespielt. Da war der Musiker also 94 Jahre alt. Und er reist immer noch um die Welt und gibt Konzerte, die begeistern. 
Der französischen Klaviermusik ist er zutiefst verbunden; sie faszinierte ihn schon, bevor er 1946 in San Francisco den Debussy-Wettbewerb gewann – „despite the fact that my repertoire only included Clair de lune and the two Arabesques“, erinnert sich der Pianist. Diese Stücke spielt er noch heute, aber auch viele andere, und seine Interpretation ist unglaublich: Wie er Spannungsbögen aufbaut, wie er Melodielinien nachspürt und mit welcher Präzision er selbst feinste Nuancen gestaltet, das ist unbeschreiblich, das muss man gehört haben. Man lauscht wie gebannt, vom ersten bis zum letzten Ton. Die reinste Magie! 

Donnerstag, 14. Juni 2018

Prokofiev: Childhood Manuscripts (Naxos)

Diese CD ermöglicht einen Blick in die Kinderstube eines großen Komponisten: Schon in jungen Jahren schuf Sergej Prokofjew (1891 bis 1953) etliche Werke, die er Pesenki nannte, kleine Lieder. Auch einen renommierten Lehrer hatte das begabte Kind. Als er neun Jahre alt war, hatten seine Eltern den kleinen Serjosha bei einem Besuch in Moskau Sergej Tanejew vorgestellt. Der Komponist empfahl ihnen, einen Musiklehrer für den Knaben anzustellen – und so engagierten die Prokofjews Reinhold Glière, der im Sommer 1902 die musikalische Ausbildung des talentierten Jungen übernahm. Dieser lernte fleißig. 1904, da war er gerade einmal 13 Jahre alt, wurde Sergej Student am Konservatorium in St. Petersburg. 1908 trat der junge Musiker erstmals öffentlich auf. 1914 schloss er das Studium ab, nachdem er sein erstes Klavierkonzert vorgestellt hatte. 
Alexandre Dossin hat eine Auswahl kleiner Klavierstücke zusammen- gestellt, die es dem Hörer ermöglicht, die Entwicklung des Musikers in seinen frühen Jahren zu beobachten. Man kann die Fortschritte verfolgen, die der kleine Serjosha auf dem Klavier macht, und den Zuwachs an musikalischer Phantasie und kompositorischer Kompetenz. 
Die Old Grandmother's Tales op. 31 schrieb Prokofjew 1918 in New York, heftig vom Heimweh befallen, was man auch hört. Auch die Sechs Stücke op. 52, aus dem Jahre 1931 beruhen auf früheren Kompositionen, wie dem Ballett Der verlorene Sohn, und runden so den Eindruck ab, den Dossin vom Frühwerk des Komponisten vermittelt. Der Pianist, der aus Brasilien stammt und am Moskauer Konservatorium studiert hat, überzeugt durch seine außerordentlich differenzierte Gestaltung der sehr unterschiedlichen Werke. 

Donnerstag, 3. Mai 2018

John Williams - Themes and Transcriptions for Piano (Varèse Sarabande)

An dieser Stelle sei gleich noch eine weitere CD mit Melodien von John Williams empfohlen. Denn Simone Pedroni, Goldmedaillen-Gewinner beim Van Cliburn International Piano Competition, schätzt die Werke des renommierten Filmmusik-Spezialisten sehr. 
„My love for John William's music dates back to my adolescence when, sitting in a movie theatre, I saw Return Of The Jedi three times in an row“, erinnert sich der italienische Pianist. „I realized that behind those images, there was a great symphonic orchestra performing a complex score for almost the entire duration of the film.“ 
Die Faszination ist seitdem ungebrochen. Und so hat Pedroni für das Filmmusik-Label Varèse Sarabande einige der bekanntesten Kompositionen von John Williams auf dem Klavier eingespielt. Das ist besonders deshalb interessant, weil es einen Einblick in die Werkstatt des Meisters gestattet: Williams, ebenfalls ein brillanter Pianist, entwickelt seine Soundideen am Klavier; orchestriert wird später. 
„As a concert pianist, I always wanted to play his music in my recitals but no original work was available“, bedauert Pedroni. „So it was an immense surprise when I found two suites for piano originally arranged by the composer from the soundtracks of Lincoln and The Book Thief! These intimate and extremely refined piano versions give us the possibility to trace the ,dawn' of Williams' creative process, as he always composes at the piano.“ Allerdings sei Musik aus den Suiten letztendlich im Film nicht verwendet worden. „My enthusiasm for these Williams originals pushed me to transcribe in a virtuosic and transcendent style other works that could, on the piano, have the same evocative power oft the orchestral versions – a sort of ;Pianist's cut'.“ 
Pedronis Transkriptionen sind nun auf dieser CD zu hören. Es erklingt Filmmusik aus Lincoln, Sabrina, Die Bücherdiebin, Schindlers Liste, Aus Mangel an Beweisen, zwei Harry-Potter-Filmen und den Star-Wars-Filmen Das Imperium schlägt zurück sowie Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Viel Vergnügen! 

Dienstag, 10. April 2018

Zaderatsky: Piano Works (Hänssler Classic)

Wselowod Petrowitsch Saderatski (1891 bis 1953) gehört zu jenen Komponisten, die Verfolgung und Not durchlitten und dennoch großartige Musik geschrieben haben. Dass er Bürgerkrieg und Stalinzeit überlebt hat, das ist schon an sich ein Wunder. 
Denn Saderatski stammte aus einer russischen Adelsfamilie. Während seines Studiums am Moskauer Konservatorium war Saderatski der Klavierlehrer des Zarensohns und Thronfolgers Alexej Romanow. Und im Bürgerkrieg kämpfte  er unter General Denikin als Offizier der Weißen gegen die Rote Armee. Nach der Gefangennahme rettete Saderatski sein Klavierspiel das Leben - Felix Dsershinski, der Leiter der kommunistischen Geheimpolizei, hörte ihm zu, und schickte ihn dann in die Verbannung. 
Der Lebensweg des Komponisten, ausführlicher nachzulesen in diesem Blog an anderer Stelle, war geprägt von Verfolgung, Haft und Schikane. Selbst wenn er ab 1949 am Konservatorium in Lemberg unterrichten konnte, durfte seine Musik weder im Druck veröffentlicht noch aufgeführt werden. Das Beiheft zu dieser CD-Box ist voll von erschütternden Anekdoten aus jenen Jahren des Grauens. 
Jascha Nemtsov, selbst Sohn eines Gulag-Überlebenden, engagiert sich seit Jahren für die Wiederentdeckung der Musik von Saderatski. Nicht wenige Werke des Komponisten sind leider verloren. In dieser Box stellt Nemtsov auf fünf CD nun die Klaviermusik vor, soweit sie überliefert ist. Enthalten sind, neben den 24 Präludien und Fugen, die Nemtsov bereits separat veröffentlicht hatte, die Zyklen Die Heimat, Die Front und Legenden aus den 40er Jahren, drei Klaviersonaten, 24 Präludien aus dem Jahre 1934, sowie Das Album der Miniaturen, Porzellantassen und Mikroben der Lyrik, entstanden 1929/30. 

Freitag, 16. März 2018

Karlrobert Kreiten - Historical Recordings (Avi-Music)

Diese CD stellt einen Pianisten vor, dessen künstlerische Laufbahn brutal ein Ende fand: In der Nacht vom 7. zum 8. September 1943 wurde Karlrobert Kreiten in Berlin-Plötzensee hingerichtet. 
Der junge Musiker hatte unter dem Eindruck von Stalingrad in einem privaten Gespräch Hitler als einen Wahnsinnigen bezeichnet, dessen Bild man besser von der Wand abnehmen sollte. Der Krieg, so Kreiten, sei praktisch schon verloren – und er werde zum vollständigen Untergang Deutschlands und seiner Kultur führen. 
Eine Freundin seiner Mutter zeigte Kreiten an. Er wurde wenig später von der Gestapo verhaftet und wegen Wehrkraftzersetzung und Feindbegünsti- gung zum Tode verurteilt. Nicht einmal durch Gnadengesuche und durch Interventionen berühmter Kollegen, wie Wilhelm Furtwängler, ist es gelungen, ihn zu retten. 
Bei der Vorbereitung auf ein Gedenkkonzert zum hundertsten Geburtstag von Karlrobert Kreiten im Jahre 2016 fand Tobias Koch einige bislang unbekannte Tonaufnahmen des Pianisten. Auch wenn der technische Zustand der meisten dieser Aufzeichnungen offenbar unglaublich schlecht war, ist es Karsten Lehl, der Restauration und Mastering übernommen hat,  doch gelungen, Erstaunliches wieder hörbar zu machen. 
Es sind private Aufnahmen, und Tobias Koch räumt ein, dass Kreiten selbst mit dieser Veröffentlichung kaum einverstanden gewesen wäre. „Wir haben uns dennoch dazu entschieden, denn hinter dem aufnahmetechnischen Schleier der behutsam restaurierten Aufnahmen verbirgt sich eine hochsensible jugendliche Meisterschaft, die in ihrer ebenso strukturbewussten wie schwerelosen Gestaltungskraft damals wie heute zugleich überrascht wie überwältigt“, schreibt Koch. Mein ganz persönlicher Favorit auf dieser CD ist Othmar Schoecks Toccata op. 29 Nr. 2 – ganz große Klavierkunst, noch heute atemberaubend. 
Es erklingt sogar die Stimme Karlrobert Kreitens, in unverkennbar rheinischem Tonfall. Der Pianist kam in Bonn zur Welt; aufgewachsen ist er in Düsseldorf, wo er als Zehnjähriger in der Tonhalle debütierte. Bekannt wurde Karlrobert Kreiten, als er 1933 beim Internationalen Klavierwettbewerb in Wien als einer der jüngsten Teilnehmer mit einer silbernen Ehrenplakette ausgezeichnet wurde. Kurz darauf gewann er in Berlin den Mendelssohn-Preis. 
Der junge Pianist studierte in Köln und in Wien, und lernte dann von 1937 bis 1940 in der Berliner Meisterklasse von Claudio Arrau. Er gab zahl- reiche Konzerte; so musizierte er zweimal mit den Berliner Philharmoni- kern. „Karlrobert Kreiten war eines der größten Klaviertalente, die mir persönlich je begegnet sind“, urteilte sein Lehrer noch viele Jahre später. „Er hatte eine erstaunliche Leichtigkeit, es gab keine Schwierigkeiten für ihn; was er machte, hatte immer einen musikalischen Sinn. Er war immer ein Künstler, nicht ein Virtuose.“ 

Sonntag, 17. Dezember 2017

Christmas Piano Music (Sony)

Die Weihnachtszeit ist auch eine Zeit des häuslichen Musizierens. Das Klavier, als traditionelles Haus- instrument, war dabei in den letzten 150 Jahren von zentraler Bedeutung. Auch wenn es heute in vielen Familien nicht einmal mehr dazu reicht, ein simples Weihnachtslied gemeinsam zu singen – verflixt, wie war doch gleich der Text! – liegen doch jene Zeiten, in denen das souveräne Spiel auf einem Musik- instrument ganz selbstverständlich als Bestandteil der höheren Bildung galt, noch gar nicht so lange zurück. Und wer alte Notenbestände sichtet, der wird oftmals Werke für das Weihnachtsfest finden – auf jedem musikalischen Niveau. 
Peter Froundjian hat aus der Vielzahl solcher Kompositionen für dieses Album einige wirkliche Perlen ausgewählt. Der Pianist, Gründer des seit 1987 alljährlich in Husum stattfindenden, international renommierten Festivals „Raritäten der Klaviermusik“, hat so einiges gefunden, was garantiert kaum jemand kennt. So spielt er die zwölf Pastorales op. 77 von Charles Koechlin (1867 bis 1950), eine Pastorale von Gustav Helsted (1857 bis 1924) Noël und Pastorale von Ignaz Friedman (1882 bis 1948) oder das Jule-Idyl von Alfred Tofft (1865 bis 1931). 
Sehr schön ist auch Snöflingor op. 57 Nr. 2 des finnischen Komponisten Selim Palmgren (1878 bis 1951), der den Flockenwirbel mit impressionisti- schen Stilmitteln schildert. Carl Nielsen (1865 bis 1931) stellt in seiner Fantasie Drømmen om „Glade Jul“ die Melodie des Liedes Stille Nacht in den Mittelpunkt. Und Franciszek Brzeziński (1867 bis 1944) zeigt uns mit Noël in Pologne, mit welcher Inbrunst das Weihnachtsfest in Polen gefeiert wird. 
Die Liste der Raritäten, die Peter Froundjian zusammengetragen hat, ist damit lang noch nicht vollständig. Der Pianist bestätigt mit dieser CD einmal mehr seinen Ruf als Spezialist für kaum bekannte Klaviermusik. Mit diesem Album beschert er allen Freunden eher moderner Klänge eine Kollektion faszinierender Weihnachtsmusiken, weit abseits vom Kaufhausgedudel. 

Montag, 11. Dezember 2017

Christmas at Steinway Hall (Steinway & Sons)

Heutzutage kommt es nicht mehr sehr oft vor, dass ein Pianist im klassischen Repertoire ebenso versiert ist wie in der Improvisation. Der britische Pianist Simon Mulligan gehört zu jenen Ausnahme-Musikern. Er hat vor der Queen gespielt, und vor Barack Obama, in Carnegie Hall ebenso wie in Wigmore Hall oder anderen bedeutenden Konzertsälen. Mulligan hat aber auch ein Jazzquartett geleitet, seit er vierzehn Jahre alt war, und mit ihm auf internationalen Festivals musiziert. Er wird von Kollegen aus der Welt der Klassik, wie Yehudi Menuhin, ebenso gelobt wie von bekannten Jazzmusikern, wie Herbie Hancock – und er hat obendrein ein Faible für Filmmusik. 
Simon Mulligan ist Steinway eng verbunden, und hat für das Label des Unternehmens ein ganz besonderes Weihnachtsalbum eingespielt. Es ist überraschend kurzweilig, farbenreich und hält, was weihnachtlichen Puderzucker angeht, auch ziemlich strikt Diät. Und wenn Mulligan sie spielt, sind selbst Klassiker wie Winter Wonderland oder Stille Nacht, heilige Nacht ohne Glühwein gut verträglich. 
Die Aufnahmen sind übrigens das Dokument eines Überganges: Steinway Hall ist im vergangenen Jahr von der 57. Straße, wo sich der legendäre Showroom seit 1925 befunden hat, nach Midtown Manhatten, zwischen Times Square und Bryant Park, umgezogen. Diese CD wurde in beiden Räumen aufgenommen.