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Montag, 24. März 2014

Music for a while - Improvisations on Purcell (Erato)

„In unserem neuen Album Music for a while wollten wir (..) die erstaunliche Aktualität von Henry Purcells Musik unterstreichen, indem wir uns in den Improvisa- tionen harmonisch und stilistisch konstant zwischen den Jahrhun- derten bewegen“, erläutert Christina Pluhar. „Die von Henry Purcell komponierten Basslinien und Melodien bleiben unange- tastet. Der Improvisationsstil der Instrumente hingegen wechselt das Jahrhundert. Der Zuhörer befindet sich in einem zeitlosen Musikraum.“ 
Ob er das will, das muss er freilich selbst entscheiden. Denn Purcell ist schon für sich großartig; solche Musik in die Moderne weiterzuführen, das kann auch in der Belanglosigkeit enden. Aber wahrscheinlich ver- kauft sich Crossover einfach besser als „Alte“ Musik. Es ist jedenfalls auffällig, dass derzeit etliche Musiker alte Meister im neuzeitlichen Klanggewand anbieten. In diesem Falle wurden die Modernitäten allerdings dezent und mit Noblesse gesetzt, es sind eher Pinseltupfen als schwungvolle breite Striche. 
Neben ihrem Ensemble L'Arpeggiata konnte Pluhar für dieses Projekt den renommierten Jazz-Klarinettisten Gianluigi Trovesi und den Grazer Jazz-Gitarristen Wolfgang Muthspiel gewinnen. Auch die Riege der Sänger ist durchaus beeindruckend. Zu hören sind Raquel Andue- za, Sopran, Vincenzo Capezzuto, Alto, sowie Philippe Jaroussky und Dominique Visse, Countertenor. 

Samstag, 19. März 2011

Monteverdi: Vespro della Beata Vergine; Pluhar (Virgin Classics)

Diese Aufnahme von Monteverdis Marienvesper wurde im April 2010 im großen Saal des Arsenals Metz aufgezeichnet. Das Ensemble L'Arpeggiata brachte in diesen mo- dernen Raum mit seinen historisie- renden Elementen historische Klänge, hier und dort behutsam modernisiert. Das beginnt schon bei der Entscheidung, die Antipho- nen zu streichen, um so den kon- zertanten Charakter dieser Inter- pretation zu betonen.
Die Besetzung ist vergleichsweise gigantisch - ein Dutzend Sänger, 18 Instrumentalisten. Von der Barockharfe bis zum Psalterium, und vom Zink über die Posaune bis hin zur Truhenorgel, Theorbe, Tiorbino, Erzlaute, Barockvioline, Viola, Violone - wobei ich auf den Bildern ganz eindeutig zwei der- artige Instrumente sehe, aber in der Besetzungsliste nur einen Namen finde - ist nahezu alles vertreten, was zu Monteverdis Zeiten gespielt worden ist. 
Ob der Komponist selber sein Werk jemals derart opulent ausgestattet aufführen konnte, darf freilich bezweifelt werden. Es kann sogar sein, dass er es nur durch die Orgel begleiten ließ. Dafür spricht, dass er es Papst Paul V. gewidmet hat - in Rom aber waren damals nur männ- liche Sänger vorhanden, und als Basso Continuo war ausschließlich die Orgel gebräuchlich. Dagegen spricht, dass er die Stelle, um der er sich mit diesem Werk bewarb, nicht erhalten hat - und in Venedig, wo er 1613 das Amt des Kapellmeisters am Markusdom erhielt, galten ganz andere Regeln. 
Leider setzt Christina Pluhar, die künstlerische Leiterin dieser Produktion, die große Musikantenschar wenig strategisch ein. So gibt es viel Fortissimo, und wenig Differenzierung. Das ist schade, denn es macht die Aufnahme beliebig. Unter dem Strich ist sie gut, aber nicht überragend; es gibt bereits bessere Einspielungen, und diese Qualität erreicht sie trotz der ohne Zweifel exzellenten Mitwirkenden nicht.