An der Wende zum 18. Jahrhundert befand sich die Habsburger Monarchie auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Wien konkurrierte mit Versailles – doch schaute der Kaiser, wenn es um die Kunst ging, eher nach Italien als nach Frankreich.
Italienische Musiker, Sänger, Dichter, Maler und Baumeister waren in Wien daher willkommen. In der Oper und bei den Oratorienauffüh- rungen in der Fastenzeit erklangen Werke italienischer Komponisten, in italienischer Sprache. Eine Auswahl geistlicher Arien, wie sie in jener Zeit am Wiener Hof erklungen sind, hat das Ensemble Oltremontano unter Leitung von Wim Becu auf dieser CD zusammengetragen.
Sarah Van Mol singt, begleitet von Bart Rodyns, Orgel, sowie Veronika Skuplik und Maria Carrasco, Barockvioline. Eine Besonderheit der geistlichen Musik am kaiserlichen Hof war der obligate und vor allem virtuose Einsatz der Posaune. Der exzellente Barockposaunist Wim Becu demonstriert zudem, wie wunderbar dieses Blasinstrument mit der menschlichen Stimme harmoniert.
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Donnerstag, 23. Mai 2019
Freitag, 30. November 2012
Trombone grande (Accent)
Wer die Posaune erfunden hat, und wo genau dieses Blasinstrument zum ersten Mal erklungen ist, das ist nicht bekannt. Doch mit ihrem repräsentablen Klang war sie be- reits zu Beginn des 16. Jahrhun- derts in Europa sowohl in den Städten als auch an den Höfen des Adels weit verbreitet. So bestellte Herzog Albrecht von Preußen aus Königsberg Mitte des 16. Jahrhun- derts bei dem Nürnberger Instru- mentenbauer Georg Neuschel offenbar nicht nur Trompeten. In dem Briefwechsel unterbreitet Neuschel das Angebot, "5 groß bussanen, da zue sammen steyen, das eyne Mittel bussanen, da man sonst auffs baß sezt ein discant ist machenn" - genau wie jene Instrumente, die er für "Churfurst am Reyn und herzog Ottheinrich Lantgraff, de(n) Kunig von Pollen, (und den) kunig von Engelland" angefertigt habe. Wie damals üblich, wur- den auch diese Instrumente in ganzen Familien gebaut - vom Piccolo bis zur Kontrabassposaune.
Im modernen Orchester spielen heute üblicherweise zwei Tenor- und eine Bassposaune. Doch Posaunen gab es in vielerlei Bauformen und erstaunlich vielen Stimmungen. Mit dem Interesse für "Alte" Musik verbunden war auch die Renaissance der historischen Instrumente. Auf dieser CD spielt Wim Becu eine Bassposaune nach Georg Nicolaus Öller, Stockholm 1640, die Ewald Meinl aus Geretsried 1994 ange- fertigt hat.
Die Klangfarben und technischen Möglichkeiten dieser "Trombone grande" präsentiert er mit seinem Ensemble Oltremontano anhand von Musik, wie sie um 1600 vor allem in Italien aufgeführt worden ist. Darunter ist La Hieronyma von Giovanni Martino Cesare, eines jener raren Solowerke des 17. Jahrhunderts, die ausdrücklich für Posaune komponiert wurden. Dieses Stück, geschrieben für Tenor- posaune, wurde hier um eine Quinte abwärts transponiert.
Zu hören sind selbstverständlich Werke von Girolamo Frescobaldi und Claudio Monteverdi, aber auch von weniger bekannten Kompo- nisten. Die CD zeigt zudem, dass italienische Musik in ganz Europa bekannt war und Musikern als Vorbild diente. So veröffentlichte Mikolaj Zielenski, Kapellmeister und Organist des polnischen Primas Wojciech Baranowski, seine Kompositionen in Venedig. Antonio de Cabezón war dem spanischen Königshaus verbunden. Und Cesare, der aus Udine stammte, wirkte in Günzburg und München.
Der niederländische Posaunist Wim Becu gehört ohne Zweifel zu den führenden Interpreten der historisch informierten Aufführungs- praxis. Insbesondere in den Solostücken zeigt er seine beeindrucken- de Virtuosität. Doch auch im Zusammenspiel mit seinen Musiker- kollegen, beispielsweise im Dialog mit Rainer Zipperling am Barock-Violoncello oder mit Doron David Sherwin am Zink, wird die beson- dere Qualität dieser Aufnahme hörbar. Ob weit gespannte sonore Klangbögen oder anspruchsvolle Verzierungen - dieses Ensemble bewältigt technische Herausforderungen jeglicher Art erfreulich locker. Diese CD lockt mit balsamischem Wohlklang, und man möchte sie immer wieder anhören.
Im modernen Orchester spielen heute üblicherweise zwei Tenor- und eine Bassposaune. Doch Posaunen gab es in vielerlei Bauformen und erstaunlich vielen Stimmungen. Mit dem Interesse für "Alte" Musik verbunden war auch die Renaissance der historischen Instrumente. Auf dieser CD spielt Wim Becu eine Bassposaune nach Georg Nicolaus Öller, Stockholm 1640, die Ewald Meinl aus Geretsried 1994 ange- fertigt hat.
Die Klangfarben und technischen Möglichkeiten dieser "Trombone grande" präsentiert er mit seinem Ensemble Oltremontano anhand von Musik, wie sie um 1600 vor allem in Italien aufgeführt worden ist. Darunter ist La Hieronyma von Giovanni Martino Cesare, eines jener raren Solowerke des 17. Jahrhunderts, die ausdrücklich für Posaune komponiert wurden. Dieses Stück, geschrieben für Tenor- posaune, wurde hier um eine Quinte abwärts transponiert.
Zu hören sind selbstverständlich Werke von Girolamo Frescobaldi und Claudio Monteverdi, aber auch von weniger bekannten Kompo- nisten. Die CD zeigt zudem, dass italienische Musik in ganz Europa bekannt war und Musikern als Vorbild diente. So veröffentlichte Mikolaj Zielenski, Kapellmeister und Organist des polnischen Primas Wojciech Baranowski, seine Kompositionen in Venedig. Antonio de Cabezón war dem spanischen Königshaus verbunden. Und Cesare, der aus Udine stammte, wirkte in Günzburg und München.
Der niederländische Posaunist Wim Becu gehört ohne Zweifel zu den führenden Interpreten der historisch informierten Aufführungs- praxis. Insbesondere in den Solostücken zeigt er seine beeindrucken- de Virtuosität. Doch auch im Zusammenspiel mit seinen Musiker- kollegen, beispielsweise im Dialog mit Rainer Zipperling am Barock-Violoncello oder mit Doron David Sherwin am Zink, wird die beson- dere Qualität dieser Aufnahme hörbar. Ob weit gespannte sonore Klangbögen oder anspruchsvolle Verzierungen - dieses Ensemble bewältigt technische Herausforderungen jeglicher Art erfreulich locker. Diese CD lockt mit balsamischem Wohlklang, und man möchte sie immer wieder anhören.
Mittwoch, 10. Oktober 2012
Isaac: Ich muss dich lassen (Ricercar)
Über Kindheit und Jugend von Heinrich Isaac wissen wir nur, dass er sie in Flandern verbracht hat. Selbst sein Geburtsjahr ist uns unbekannt. Die erste Spur, die er hinterlassen hat, stammt aus dem Jahre 1484. Sie belegt eine Zahlung an "Haynrichen ysaac Componist", geleistet in Innsbruck am Hofe Sigismunds von Österreich.
Wenig später scheint der Musiker in Florenz eingetroffen zu sein, wo er als Sänger am Dom wirkte. Als der Chor 1493 auf Betreiben Savonarolas aufgelöst wurde, nahm Piero de'Medici den Komponisten in seine Dienste.
Doch als die Medici 1494 aus Florenz vertrieben wurden, verlor Isaac seinen Mäzen. Er wandte sich nach Pisa, wo der König und spätere Kaiser Maximilian I. auf ihn aufmerksam wurde. 1497 ernannte er Isaac zu seinem Hofkomponisten. Damit war er übrigens der erste Musiker, von dem belegt ist, dass er ausschließlich zum Komponieren engagiert wurde. Maximilian versprach sich davon faszinierende, einzigartige Klänge, um Glanz und Ruhm des Wiener Hofes zu mehren. Offenbar war er mit dem Schaffen Isaacs zufrieden, denn der Kaiser behielt den Komponisten bis ans Ende seiner Tage im Dienst.
Und obendrein kehrten die Medici wieder nach Florenz zurück, wo Isaac noch immer einen Großteil seiner Zeit verbrachte, so er nicht den Kaiser auf Reisen begleiten musste; Giovanni de'Medici wurde 1513 als Leo X. Papst. Ihr früherer Hauskomponist gratulierte mit einer Motette. Die Medici verstanden - und setzten Isaac eine Pension aus.
Im Herbst 1516 erkrankte der Musiker; am 26. März 1517 starb er. Wie groß seine Bedeutung war, das lässt sich daran ermessen, dass trotz der langen Zeitspanne bis zum heutigen Tage eine Vielzahl seiner Werke überliefert ist. Das deutet darauf hin, dass sie sehr oft abgeschrieben wurden. Und auch Isaacs Schüler, allen voran Ludwig Senfl, pflegten sein Werk mit einer Hingabe, die uns verrät, wie sehr sie ihren Lehrer verehrt haben müssen.
Die vorliegende CD gibt uns Einblick in das Schaffen des Komponisten. Dirk Snellings hat seine Werke und auch einige seiner Zeitgenossen den Lebensstationen Flandern - Florenz - Wien, Innsbruck, Augsburg zugeordnet. Unter seiner Leitung musizieren die Capilla Flamenca und das Bläserensemble Oltremontano. Die Sänger und Instrumenta- listen erfreuen mit Sachverstand und brillantem Vortrag. So lassen sie die enorme Klangpracht, mit der sich große und kleine Herrscher seinerzeit umgeben haben, erahnen. Grandios!
Wenig später scheint der Musiker in Florenz eingetroffen zu sein, wo er als Sänger am Dom wirkte. Als der Chor 1493 auf Betreiben Savonarolas aufgelöst wurde, nahm Piero de'Medici den Komponisten in seine Dienste.
Doch als die Medici 1494 aus Florenz vertrieben wurden, verlor Isaac seinen Mäzen. Er wandte sich nach Pisa, wo der König und spätere Kaiser Maximilian I. auf ihn aufmerksam wurde. 1497 ernannte er Isaac zu seinem Hofkomponisten. Damit war er übrigens der erste Musiker, von dem belegt ist, dass er ausschließlich zum Komponieren engagiert wurde. Maximilian versprach sich davon faszinierende, einzigartige Klänge, um Glanz und Ruhm des Wiener Hofes zu mehren. Offenbar war er mit dem Schaffen Isaacs zufrieden, denn der Kaiser behielt den Komponisten bis ans Ende seiner Tage im Dienst.
Und obendrein kehrten die Medici wieder nach Florenz zurück, wo Isaac noch immer einen Großteil seiner Zeit verbrachte, so er nicht den Kaiser auf Reisen begleiten musste; Giovanni de'Medici wurde 1513 als Leo X. Papst. Ihr früherer Hauskomponist gratulierte mit einer Motette. Die Medici verstanden - und setzten Isaac eine Pension aus.
Im Herbst 1516 erkrankte der Musiker; am 26. März 1517 starb er. Wie groß seine Bedeutung war, das lässt sich daran ermessen, dass trotz der langen Zeitspanne bis zum heutigen Tage eine Vielzahl seiner Werke überliefert ist. Das deutet darauf hin, dass sie sehr oft abgeschrieben wurden. Und auch Isaacs Schüler, allen voran Ludwig Senfl, pflegten sein Werk mit einer Hingabe, die uns verrät, wie sehr sie ihren Lehrer verehrt haben müssen.
Die vorliegende CD gibt uns Einblick in das Schaffen des Komponisten. Dirk Snellings hat seine Werke und auch einige seiner Zeitgenossen den Lebensstationen Flandern - Florenz - Wien, Innsbruck, Augsburg zugeordnet. Unter seiner Leitung musizieren die Capilla Flamenca und das Bläserensemble Oltremontano. Die Sänger und Instrumenta- listen erfreuen mit Sachverstand und brillantem Vortrag. So lassen sie die enorme Klangpracht, mit der sich große und kleine Herrscher seinerzeit umgeben haben, erahnen. Grandios!
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