Franz Xaver Richter (1709 bis 1789), aus Mähren stammend, soll ein Schüler des kaiserlichen Kapellmeisters Johann Joseph Fux gewesen sein. Ob dies wirklich zutrifft, das lässt sich heute nicht mehr feststellen.
In jedem Falle begann Richter seine musikalische Laufbahn als Bassist am Stuttgarter Hof. Ab 1747 wirkte er schließlich als virtuoso di camera des Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz, der die berühmte Mannheimer Hofkapelle unterhielt. Über die Biographie des Musikers wurde in diesem Blog bereits ausführlich berichtet, im Zusammenhang mit dem Erscheinen der ersten drei von insgesamt zwölf Sonate da camera des Komponi- sten, die Pauliina Fred, Traversflöte, Heidi Peltoniemi, Violoncello und Aapo Häkkinen, Cembalo, für Naxos eingespielt haben.
Nun haben die jungen finnischen Musiker die Sonaten vier bis sechs vorgelegt. Es sind erneut "echte" Triosonaten für obligates Cembalo, Flöte und Violoncello, die alle beteiligten Instrumente gleicher- maßen fordern. Von alten Modellen, bei denen Violoncello und Cembalo lediglich für die Continuo-Begleitung zuständig waren, hat sich Richter in diesen Werken weit entfernt. Insbesondere Cembalo und Flöte agieren hier in regem Dialog, was allerdings den Kompo- nisten nicht daran hinderte, dem Melodieinstrument gelegentlich auch die Begleitfunktion zuzuweisen.
Richters Sonaten sind originell und ausdrucksvoll. Sie werden auf dieser CD brillant präsentiert; auf die nächsten drei Kammersonaten darf man sicherlich gespannt bleiben. Unterstrichen wird dies zusätzlich durch zwei Werke für Cembalo, die in Archiven entdeckt wurden und auf dieser CD ebenfalls erklingen. Das Präludium in C-Dur erinnert ein wenig an ähnliche Werke von Johann Georg Albrechts- berger (1736 bis 1809), den Kaiser Joseph II. 1772 zum Hoforgani- sten ernannte. Es wurde in der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbib- liothek Donaueschingen aufgespürt. Auch das Andante in F-Dur, überliefert mit lediglich einer Abschrift in der Universitätsbibliothek Augsburg, ergänzt das Bild. Sehr spannend!
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Mittwoch, 6. März 2013
Freitag, 6. Mai 2011
Richter: Sonatas for Flute, Harpsichord and Cello 1 (Naxos)
Die Werke von Franz Xaver Richter (1709 bis 1789) verraten, dass der Musiker, der aus Mähren stammt, eine ausgesprochen solide Ausbil- dung erfahren haben muss. Es wird spekuliert, er sei ein Schüler des kaiserlichen Kapellmeisters Jo- hann Joseph Fux in Wien gewesen; belegt ist das freilich nicht. Denn über seine Kindheit und Jugend wissen wir so gut wie nichts. Rich- ter selbst schrieb, er sei in Italien gewesen.
Er wirkte zunächst als Bassist am Stuttgarter Hof, dann als Musikdirektor in Ettal. 1740 ging Richter als Vize-Kapellmeister zum Fürstabt von Kempten im Allgäu, Anselm von Reichlin-Meldegg. 1747 ist er dann unter den Hofmusikern von Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz zu finden. In der berühmten Mannheimer Hofkapelle war er als Sänger engagiert, und er hat zudem fleißig komponiert. Richter schrieb während seiner Mannheimer Jahre etliche Sinfonien und auch zahlreiche geistliche Werke. So schuf er 1748 für den Kurfürsten das Karfreitagsoratorium La deposizione dalla croce. In den 1750er Jahren reiste er nach Frankreich, England und in die Niederlande.
Zu den Schülern Richters gehörten Henri Joseph Riegel, Carl Stamitz, Frantisek Xaver Pokorný und Joseph Martin Kraus. 1767 vollendete er seine Kompositionslehre Harmonische Belehrungen oder gründli- che Anweisung zu der musikalischen Ton-Kunst oder regulairen Composition, die er Kurfürst Carl Theodor widmete. 1768 wurde er von seinem Dienstherrn zum Kammerkompositeur ernannt. Im April 1769 ging er als Domkapellmeister nach Straßburg.
Diese CD enthält die ersten drei seiner zwölf sonate da camera für obligates Cembalo, Flöte oder Violine und Violoncello. Es handelt sich dabei um Triosonaten, in denen alle drei Instrumente interessan- te Aufgaben finden. So ist hier das Cembalo mitnichten auf die Conti- nuo-Begleitung reduziert, und die Flöte wiederum, die sich mit der Cembalo-Oberstimme die Soli zuspielt, übernimmt gelegentlich auch die Begleitfunktion. Richters Sonaten sind musikalisch ungemein spannend, elegant und ausdrucksvoll. Die jungen finnischen Musiker Pauliina Fred, Traversflöte, Heidi Peltoniemi, Violoncello und Aapo Häkkinen, Cembalo, haben daran hörbar Vergnügen. Weitere Auf- nahmen sind offenbar geplant; auf die Fortsetzung dieses Projektes darf man gespannt sein.
Er wirkte zunächst als Bassist am Stuttgarter Hof, dann als Musikdirektor in Ettal. 1740 ging Richter als Vize-Kapellmeister zum Fürstabt von Kempten im Allgäu, Anselm von Reichlin-Meldegg. 1747 ist er dann unter den Hofmusikern von Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz zu finden. In der berühmten Mannheimer Hofkapelle war er als Sänger engagiert, und er hat zudem fleißig komponiert. Richter schrieb während seiner Mannheimer Jahre etliche Sinfonien und auch zahlreiche geistliche Werke. So schuf er 1748 für den Kurfürsten das Karfreitagsoratorium La deposizione dalla croce. In den 1750er Jahren reiste er nach Frankreich, England und in die Niederlande.
Zu den Schülern Richters gehörten Henri Joseph Riegel, Carl Stamitz, Frantisek Xaver Pokorný und Joseph Martin Kraus. 1767 vollendete er seine Kompositionslehre Harmonische Belehrungen oder gründli- che Anweisung zu der musikalischen Ton-Kunst oder regulairen Composition, die er Kurfürst Carl Theodor widmete. 1768 wurde er von seinem Dienstherrn zum Kammerkompositeur ernannt. Im April 1769 ging er als Domkapellmeister nach Straßburg.
Diese CD enthält die ersten drei seiner zwölf sonate da camera für obligates Cembalo, Flöte oder Violine und Violoncello. Es handelt sich dabei um Triosonaten, in denen alle drei Instrumente interessan- te Aufgaben finden. So ist hier das Cembalo mitnichten auf die Conti- nuo-Begleitung reduziert, und die Flöte wiederum, die sich mit der Cembalo-Oberstimme die Soli zuspielt, übernimmt gelegentlich auch die Begleitfunktion. Richters Sonaten sind musikalisch ungemein spannend, elegant und ausdrucksvoll. Die jungen finnischen Musiker Pauliina Fred, Traversflöte, Heidi Peltoniemi, Violoncello und Aapo Häkkinen, Cembalo, haben daran hörbar Vergnügen. Weitere Auf- nahmen sind offenbar geplant; auf die Fortsetzung dieses Projektes darf man gespannt sein.
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