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Mittwoch, 8. September 2021

Leclair: Trio Sonatas Op. 4 (Audax)

 

Auf dieser CD wagt sich das Ensemble Diderot an ein Spitzenwerk der französischen Kammermusik des 18. Jahrhunderts: Johannes Pramsohler und Roldán Bernabé, Violine, Gulrim Choï, Violoncello, und Philippe Grisvard, Cembalo, spielen die Triosonaten op. 4 von Jean-Marie Leclair (1697 bis 1764). 

Hört man sich die ersten Aufnahmen des Ensembles an, und vergleicht sie mit dieser, so wird deutlich, welch enorme Entwicklung die Musiker genommen haben. 

Die Beschäftigung mit der Geschichte der Triosonate, und mit wichtigen Kompositionen dieses Genres, trägt hier nun wunderbare Früchte. Das Ensemble Diderot gestaltet Leclairs Sonaten als perfekte Mixtur aus italienischen und französischen Stilelementen – mitunter vermeint man fast, Corelli zu hören; doch dann sind da diese Verzierungen, zu hundert Prozent französisch, und diese alles überstrahlende Eleganz. Hinreißend! 


Sonntag, 3. Januar 2021

The Berlin Album (Audax)

 


Nach Dresden, London und Paris wendet sich das Ensemble Diderot nunmehr mit Berlin einer weiteren Musikmetropole des Spätbarock zu. Erkenntnis nach einem Blick auf die Titelliste: Preußen hat auch ohne den Flöte spielenden König, seinen Cembalisten und seinen Flötenlehrer erstaunlich viel zu bieten. 

Nein, es geht diesmal wirklich nicht um Potsdam; es geht eher um die Anfänge eines genuin bürgerlichen Musiklebens – und in diesem Zusammenhang haben die Violinisten Johannes Pramsohler und Roldán Bernabé, die Cellistin Gulrim Choï und Philippe Grisvard an Cembalo und Fortepiano eine Fülle interessanter Werke entdeckt. Mit Ausnahme einer Triosonate von Johann Philipp Kirnberger (1721 bis 1783) erklingen alle Stücke auf diesem Album in Weltersteinspielungen. 

Musiziert wird mit Eleganz und Temperament. Das Ensemble Diderot lädt uns zum Hörvergnügen ein – wie die Musiker um Johann Gottlieb Janitsch (1708 bis 1763) das Publikum einst in Berlin, bei den ersten öffentlich zugänglichen Konzerten. 


Samstag, 11. April 2020

Platti: Sonate à tre (Ramée)

Rudolf Franz Erwein Graf von Schönborn hatte einen exquisiten Geschmack. Schon seine Eltern hatten darauf geachtet, dass all ihre 14 (!) Kinder eine erstklassige Ausbildung erhielten, wozu auch das Musizieren ganz selbstverständlich gehörte. Und selbstverständlich reisten die jungen Herren nach Italien, wo sie Land und Leute kennenlernten, und natürlich auch die italienische Oper. 
 Musik aus dem Süden schätzten die Grafen von Schönborn zeitlebens. Sie spielten Kompositionen von Corelli, Albinoni oder Vivaldi – und als Johann Philipp Franz 1718 Fürstbischof von Würzburg wurde, ließ er umgehen Musiker aus Italien kommen. Zu diesen „musici“ gehörte auch Giovanni Benedetto Platti (?1697 bis 1763), ein Oboist und Geiger, der seine Ausbildung wahrscheinlich in Venedig erhalten hat. Über seinen Lebensweg ist wenig bekannt; in diesem Blog wurde darüber bereits an anderer Stelle ausführlicher berichtet. 
Platti komponierte nicht nur für seinen Dienstherren, sondern auch für dessen Bruder Graf Rudolf Franz Erwein von Schönborn, der im benachbarten Wiesentheid lebte, und selbst mit Leidenschaft Violoncello spielte. Und „weillen es zum exercitio beständig etwas newes sey will“, so der Graf, sammelte er zudem in seiner Residenz jede Menge Musikalien. Die umfangreiche Kollektion ist noch heute erhalten, und sie erweist sich als eine unglaubliche Fundgrube. 
In jüngster Vergangenheit sind etliche Einspielungen erschienen, die auf Noten aus dieser bedeutenden historischen Musikbibliothek beruhen. Unter den Werken Plattis fallen dabei immer wieder Triosonaten auf, bei denen eine der beiden Melodiestimmen über dem Basso continuo in tiefer Lage steht – Musik, die speziell für den Grafen geschrieben wurde. 
Eine Auswahl aus diesem Repertoire präsentiert das Ensemble Radio Antiqua auf dieser CD. Es ist, wie bei Ramée nicht anders zu erwarten, eine Einspielung von höchster Qualität. Besonders zu erwähnen ist zudem das aufwendige Beiheft, mit erstklassigen Einführungstexten. Die liebevolle Sorgfalt, mit der jede Edition dieses Labels begleitet wird, beeindruckt immer wieder. 

Sonntag, 5. April 2020

The Paris Album (Audax)

Ebenso spannend ist auch das Paris Album, mit dem sich die Musiker der Triosonate in Frankreich vor 1700 zuwenden. Johannes Pramsoler und das Ensemble Diderot haben dafür Kompositionen ausgewählt, die nach dem Tod von Jean Baptiste Lully entstanden sind. Neben bekannten Werken, wie dem Tombeau de Monsieur de Lully von Jean-Féry Rebel (1666 bis 1747), bietet auch diese CD wieder zahlreiche Welt- ersteinspielungen. 
Das Album feiert die die neu gewonnene Freiheit jener Zeit, als die Komponisten begannen, den traditionellen französischen Stil mit Innovationen aus Italien zu verbinden. Das Violoncello spielte dabei übrigens noch keine Rolle; Johannes Pramsohler und Roldán Bernabé musizieren auf dieser CD gemeinsam mit Eric Tinkerhess, Viola da gamba, und mit Philippe Grisvard, Cembalo. 
Nicht nur Lullys pompöser Stil, auch die Monarchie als solche war seinerzeit in die Jahre gekommen. Doch während sich in der Oper das Repräsentative noch längere Zeit behaupten konnte, zeigte sich die Kammermusik deutlich flexibler: „Tous les compositeurs de Paris avoient en ce temps-là la fureur de composer des Sonates à la manière Italienne“, vermeldete Sébastian de Brossard, ein Musiker aus Strasbourg, der nach Lullys Tod eine ganz enorme Musikaliensammlung zusammentrug. Er ist auf dieser CD mit zwei Triosonaten vertreten, ebenso André Campra, außerdem erklingt Musik von Louis-Nicolas Clérambault, Elisabeth Jacquet de la Guerre und François Couperin, Nachfolger Lullys im Amte des Hofkomponisten. Johannes Pramsohler und seine Mitstreiter machen mit ihrem Spiel hörbar, wie italienische Einflüsse und französische Eleganz in einer „réunion des gôuts“, so Couperin, ein neues europäisches Klangideal geprägt haben – das übrigens bis nach Sachsen ausstrahlte: Couperins La Convalescente fand sich im Notenbestand des Dresdner Konzertmeisters Johann Georg Pisendel. 

Samstag, 4. April 2020

The London Album (Audax)

Johannes Pramsohler und seine Kollegen vom Ensemble Diderot – Roldán Bernabé, Barockvioline, Gulrim Choi, Violoncello und Philippe Grisvard, Cembalo – setzen mit dieser CD ihre Entdeckungsreise auf den Spuren der barocken Triosonate quer durch Europa fort. Gestartet waren sie mit dem Dresden Album – und nun, fünf Jahre später, präsentieren die Musiker, was sie in England und in Frankreich entdeckt haben. 
The London Album enthält Triosonaten aus der Zeit vor 1680. Zur Zeit Henry Purcells schätzten englische Komponisten das neue italienische Genre. Doch auch wenn beispielsweise Robert King (um 1660 bis 1726) eine Sonetta after the Italion way schrieb, die hier in Weltersteinspielung erklingt, bleibt der charakteristische britische Sound doch erstaunlich deutlich erhalten. Die drei Triosonaten von Henry Purcell beispielsweise würde man niemals einem Komponisten vom Festland zuordnen. Und auch Kollegen, die von dort nach England kamen, übernahmen erfolgreich dieses musikalische Idiom, wie Werke von Johann Gottfried Keller und Gerhard Diessener zeigen. Beide waren Cembalisten, und kamen aus Deutschland nach London. 
Die Musiker haben für diese CD nicht nur beeindruckende Musikbeispiele aus alten Manuskriptbänden zutage gefördert. Sie haben sich auch mit Lehrwerken der damaligen Zeit auseinandergesetzt, um diese attraktiven Werke obendrein zeitgemäß vortragen zu können. Hochinteressant! 

Montag, 25. November 2019

Erlebach: Complete Trio Sonatas (Ricercar)

Hoch erfreut darf ich vermelden, dass sich wieder einmal ein Ensemble dem Schaffen von Philipp Heinrich Erlebach (1657 bis 1714) zugewandt hat. Er wirkte als Kapellmeister am Hofe des Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt. Leider ist 1735 bei einem Brand in dem thüringischen Schloss fast die gesamte musikalische Hinterlassenschaft des Komponisten vernichtet worden. Nur eine Handvoll seiner Werke sind uns erhalten geblieben, weil sie von ihm zu Lebzeiten veröffentlicht oder in Abschriften außerhalb seiner Wirkungsstätte aufgefunden wurden. Doch diese Raritäten lassen erahnen, wie groß der Verlust ist. 
Auf dieser CD erklingen sechs Sonaten für Violine, Viola da gamba und Basso continuo, die Erlebach 1694 drucken lassen konnte. Wie der Komponist französische und italienische Einflüsse in seinen ganz persönlichen Stil integrierte, das ist an diesen Werken gut zu erkennen. Mit seinem Ensemble L’Achéron erweckt François Joubert-Caillet diese Raritäten liebevoll wieder zum Klingen. Sensibilität und Sorgfalt zeichnen diese Einspielung aus, die den Charme dieser Musik aufs Schönste zur Geltung bringt. Unbedingte Empfehlung! 

Montag, 15. Oktober 2018

Buxtehude: Abendmusiken (Alpha)

Dass Dieterich Buxtehude (1637 bis 1707) nicht nur ein exzellenter Organist war, sondern auch grandiose Vokal- und Instrumental- musik komponiert hat, dürfte unter Musikfreunden heutzutage – zumal nach der Gesamteinspielung seiner Werke, die wir Ton Koopman verdanken – wieder bekannt sein. 
Buxtehude hatte einst als Organist der Marienkirche in Lübeck zu den sogenannten Abendmusiken eingeladen. Diese Konzerte erklangen außerhalb des Gottesdienstes alljährlich an fünf Sonntagen in der Vorweihnachtszeit, und die besten Musiker der Stadt wirkten daran mit. So wurden sie bald zu einem Ereignis, das selbst in Reiseführern erwähnt wurde. Buxtehude leitete sie nicht nur, er schrieb auch Werke dafür. 
Dass die Menschen teilweise weite Wege auf sich nahmen, um diese Abendmusiken zu erleben, wird verständlich, wenn man diese CD angehört hat. Die Instrumentalisten vom Ensemble Masques, geleitet von Olivier Fortin, und die Sänger von Vox Luminis um den Bassisten Lionel Meunier präsentieren ein Programm, wie es durchaus seinerzeit in Lübeck erklungen sein könnte. Zwischen den fünf (!) Kantaten wurden außer- ordentlich reizvolle Triosonaten platziert. Und musiziert wird einmal mehr begeisternd; die Einspielung ist erstklassig, von beinahe überirdi- scher Leuchtkraft und Schönheit. Unbedingt anhören! 

Samstag, 24. Februar 2018

Sonates en trio - Schieferlein, Telemann, C.P.E. Bach (Atma Classics)

„Schieferlein“ oder aber „Schieffer- lein“ hieß der Komponist, der die drei exquisiten Triosonaten geschaffen hat, die das Ensemble Pallade Musica auf dieser CD vorstellt. Sie sind einzigartig, denn es sind Sonaten per Violoncello Concerto, Violino Concerto, e Basso Continuo – und das Violoncello hat in diesen Werken in der Tat einen außergewöhnlichen Part. Dass es noch vor der ebenfalls konzertierenden Geige genannt wird, hat durchaus seine Berechtigung. 
Das Manuskript befindet sich in der Bibliothek des Königlichen Konservatoriums Brüssel. Es wird vermutet, dass diese Triosonaten Werke von Otto Ernst Gregorius Schiefferlein (1704 bis 1787) sein könnten. Er hatte eine sagenhafte Karriere als Altus in Hamburg; so ist belegt, dass er noch mit 72 Jahren die Alt-Partie in der Johannespassion von Carl Philipp Emanuel Bach sang. Schiefferlein arbeitete zudem als Kopist für Georg Philipp Telemann und dann bis in die 1780er Jahre für dessen Amtsnach- folger Bach. 
Viel mehr ist über ihn allerdings nicht bekannt. Überliefert ist noch eine Hochzeitskantate, und auch das früheste deutsche Violoncellokonzert wird einem „Shiwerlein“ zugeschrieben. Warum ein Sänger sich derart für das Cello einsetzt, und wie er diese virtuosen Stücke für das damals noch ziemlich neue Instrument schreiben kann, auf diese Fragen gibt es derzeit noch keine Antwort. Aber die Musik ist wirklich großartig, und sie wird von Tanya Laperrière, Violine, Elinor Frey, Violoncello, Esteban la Rotta, Theorbe/Laute/Barockgitarre, und Mélisande McNabney, Cembalo, aufs Schönste präsentiert. Pallade Musica komplettiert das Programm zudem mit einer Triosonate von Telemann sowie der Fantasie in D-Dur Wq. 117/14 und der Triosonate in G-Dur Wq. 150 von Carl Philipp Emanuel Bach. Den Flötenpart übernimmt dabei Anne Thivierge. 

Samstag, 6. Januar 2018

Brescianello: Concerti à 3 (Coviello Classics)

Giuseppe Antonio Brescianello (um 1690 bis 1758) kam im Jahr 1715 im Gefolge der Kurfürstin aus Venedig an den Münchner Hof. Belegt ist zudem, dass er nach gut einem Jahr als Director Musices an den württembergischen Hof wechselte, wo er zunächst für die fürstliche Kammermusik zuständig war. In Stuttgart verbrachte er den Rest seines Lebens. 
Allerdings wollte der ehrgeizige junge Violinvirtuose schon bald auch Hof- kapellmeister werden. Das Problem: Es gab bereits einen Kapellmeister, und so sah der Herzog wenig Anlass, den Italiener zu befördern. Doch dann kam 1719 auch noch Reinhard Keiser nach Stuttgart, ein gefeierter Opernkomponist, der ebenfalls eine solche Anstellung zu erringen trachtete. 
Dass dies zu Auseinandersetzungen führte, kann man sich leicht vorstellen. Die Streitigkeiten beendete Herzog Eberhard Ludwig, indem er im Februar 1721 Brescianello zum Oberkapellmeister ernannte. Keiser kehrte nach Hamburg zurück. Und unter Brescianello soll die württembergische Hofmusik eine künstlerische Blütezeit erlebt haben. 
Das Ensemble Der musikalische Garten, hervorgegangen aus der Schola Cantorum Basiliensis, einer höchst renommierten Ausbildungsstätte im Bereich der „Alten“ Musik, hat sich auf die Spurensuche begeben und Werke gefunden, die man auch heute noch mit Vergnügen anhört. So sind in der Bibliothek des Conservatorio Statale di Musica Luigi Cherubini in Florenz 12 Concerti à 3 von Brescianello überliefert, von denen auf dieser CD die ersten sechs erklingen. 
Heiter und elegant spielen Germán Echeverri Chamorro und Karoline Echeverri Klemm, Violine, Annekatrin Beller, Violoncello, und Daniela Niedhammer, Cembalo, diese Werke, die durchweg dem Muster der italienischen Sonata da chiesa folgen. Aus heutiger Sicht sind es Triosonaten, bei denen meistens die beiden Geigen miteinander wetteifern – nur die Sonata seconda ähnelt eher einem Solokonzert; dort gibt es sogar eine Kadenz für die erste Geige. Auffällig ist zudem, dass die Bassstimme oftmals ebenfalls recht anspruchsvoll gestaltet ist, sie reicht über eine reine Begleitstimme weit hinaus. 
So erweist sich diese Einspielung erneut als ein hübscher Farbtupfer in der Kollektion des Musikalischen Gartens; auf weitere Blütenlesen dieses Ensembles darf man gespannt bleiben. 

Freitag, 5. Januar 2018

Telemann: Trio Sonatas (Berlin Classics)

Und noch ein Nachtrag zum Thema Telemann: Blockflötist Erik Bosgraaf hat jüngst bei Berlin Classics eine CD mit Triosonaten des Komponisten veröffentlicht. Auch wenn das Repertoire des niederländischen Musikers vom Mittelalter bis in die Gegenwart reicht, schätzt der Flötenvirtuose doch die Werke von Georg Philipp Telemann ganz besonders: „Kein anderer Barockkomponist dieses Kalibers gibt mir so ein Gefühl von Freiheit. Telemann lädt einen ein.“ 
Und so hat Bosgraaf mittlerweile zahlreiche Musikstücke seines Favoriten auf CD eingespielt – von den Solo-Fantasien über die Sonaten mit Basso continuo, die Suiten und die Konzerte für Solo-Blockflöte und bis hin zu den Doppelkonzerten. Der Flötist spielt diese Musik lebhaft, klar strukturiert und anmutig. Das gilt auch für seine neueste Aufnahme, die im Haydnsaal des Schlosses Eszterházy im ungarischen Fertöd entstanden ist. Dabei arbeitete Bosgraaf  mit dem exzellenten Geiger Dmitry Sinkovsky („Telemann ist immer gut. Dieser Mann hat niemals eine schlechte Note geschrieben.“), dem Cellisten Balázs Máté und der Cembalistin Alexandra Koreneva zusammen, einer Spezialistin für historische Aufführungspraxis. Sie alle musizieren sehr inspiriert, es ist wirklich eine Freude. 

Freitag, 22. September 2017

Caldara: Trio Sonatas (Glossa)

Eine neue Aufnahme mit Triosona- ten von Antonio Caldara (um 1670 bis 1736) haben Amandine Beyer und Leila Schayegh zusammen eingespielt. An dieser Produktion der Schola Cantorum Basilienses, der weltweit einzigartigen Hochschule für Alte Musik, wirken zudem mit Jonathan Pešek, Violoncello, Jörg-Andreas Bötticher, Cembalo und Orgel, sowie Matthias Spaeter, der eine italienische Barocklaute spielt. 
Die Triosonaten von Caldara sind deshalb so interessant, weil der Komponist eigentlich mit seinen Opern und Oratorien berühmt wurde. Die Instrumentalstücke erschienen 1693 bzw. 1699 als Opus 1 und 2 im Druck. Caldara, der sich auf dem Titelblatt seines Erstlings als „Musico di Violoncello Veneto“ vorstellt, setzt sich darin zwar mit dem Vorbild Corelli auseinander – aber er findet sehr rasch ganz eigene musikalische Wege, die sich vom typischen „Corelli-Sound“ doch deutlich unterscheiden. 
Die Karriere des jungen Musikers haben die beiden Drucke offenbar befördert: 1699 ging er an den Hof der Gonzaga nach Mantua, ab 1707 wirkte er in Rom, und 1717 wurde er Vizekapellmeister am Wiener Hof. In Wien blieb der Musiker bis zu seinem Tod; er war dort anerkannt und wurde sehr geehrt. 
Auf dieser CD präsentieren Amandine Beyer und Leila Schayegh gemein- sam mit ihren Musikerkollegen eine Auswahl seiner Triosonaten, stilsicher vorgetragen und auch heute noch durchaus hörenswert. 

Donnerstag, 3. August 2017

Zelenka: Sonatas ZWV 181 (Accent)

Noch eine weitere Gesamteinspielung der Triosonaten ZWV 181 von Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) ist zu vermelden. Václav Luks hat in Prag diese Gipfelwerke der barocken Oboenliteratur mit seinem Collegium 1704 eingespielt. Und das will in diesem Falle heißen, dass er mit Xenia Löffler und Michael Bosch vor allem auch zwei exzellente Oboisten für dieses Projekt gewinnen konnte. Es musizieren zudem Jane Gower, Fagott, Helena Zemanová, Violine, Luděk Braný, Kontrabass, Shizuko Noiri, Laute, und, wie gesagt, Václav Luks am Cembalo. 
Musikalisch ist diese Aufnahme gut, wenn auch zwangsläufig klanglich wenig abwechslungsreich und dynamisch wenig differenziert. Insgesamt finde ich sie nicht gänzlich befriedigend, weil die beiden Oboen, bei aller virtuosen Brillanz, doch sehr dominieren. Dagegen wirken die Bassinstru- mente erstaunlich leise; insbesondere das Fagott ist akustisch oft wenig präsent. Ich vermisse daher eine gewisse Ausgewogenheit, mir fehlt hier Fundament. Wer einmal so richtig in wundervollen Oboengesängen schwelgen möchte, der wird aber hingerissen sein. 

Montag, 31. Juli 2017

Zelenka (Herisson)

Schon einmal hat das Ensemble Pasticcio Barocco Triosonaten von Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) veröffentlicht – die Sonaten ZWV 181, Nummer 4, 5 und 6 sind bei Hérisson bereits erschienen. Nun lieferten die Musiker den Rest nach – und ein bisschen mehr: Auf dieser CD erklingen die Triosonaten Nummer 1 und 2, sowie die Simphonie à 8 con(certanti) ZWV 189 und die Hipocondrie à 7 con(certanti) ZWV 187. 
„La troisième sonate a été laisée de côté car elle est la seule pour violon, hautbois, basson et basse continue, et pose de complexes problèmes de texte, la partie de basse continue n'ayant pas été indiquée par Zelenka“, berichtet Cembalist Mathieu Dupoy im Beiheft. Und so sind hier also nur die Sonaten für zwei Oboen, Fagott und Basso continuo zu hören. 
Musiziert wird hinreißend; David Walter und Hélèle Gueret teilen sich paritätisch in die Oboenpartien, Fany Maselli spielt das Fagott, und das Continuo ist mit Esther Brayer, Kontrabass, Rémi Cassaigne, Theorbe und Mathieu Dupoy am Cembalo ebenso üppig wie farbenreich besetzt. Diese umfangreiche Besetzung passt allerdings gut, denn Oboen sind nicht gerade leise Instrumente. Will man das klanglich ausbalancieren, muss man schon ein wenig Volumen aufbieten – der Kontrabass passt da perfekt. 
Die Simphonie und die Hipocondrie erweisen sich als zauberhafte Musik- stücke voll überraschender Einfälle. Hier komplettiert das Orchestre de Chambre d'Auvergne mit seinen exzellenten Streichern das Ensemble. Dass der Geiger Pisendel, Konzertmeister der Dresdner Hofkapelle, seinem Freund Telemann einstmals im Begleitbrief zu einer Zelenka-Partitur schrieb, „de cet amandier, savourer beaucoup, beaucoup de doux fruits“ ist in diesem Zusammenhang ein charmantes Bild. Denn die Werke des Dresdner Kirchen-Compositeurs Zelenka haben, wie die Mandel, eine harte Schale und einen verlockenden Kern. Es verblüfft immer wieder aufs Neue, wie unkonventionell er mit dem doch als so antiquiert geltenden Kontrapunkt Musik setzt. Und in diesem Falle wird diese Musik auch noch sehr gelungen vorgetragen – bravi!  

Sonntag, 5. Februar 2017

Platti: 6 Trio Sonatas for violin, violoncello and continuo (MDG)

Giovanni Benedetto Platti (1697? bis 1763) komponierte die sechs Trioso- naten auf dieser CD für Violine, Violoncello und Basso continuo – was eine Besonderheit ist, denn normalerweise hatte das Cello seinerzeit seinen Platz im Continuo, nicht aber unter den Melodie- instrumenten. Der Grund dafür liegt in der Person des Auftraggebers: Graf Rudolf Franz Erwein von Schönborn-Wiesentheid war ein leidenschaft- licher Cellist. Seine umfangreiche Musikaliensammlung ist im Schlossarchiv überliefert. Sie enthält 60 Werke Plattis, aber auch Kompositionen von Vivaldi und vielen anderen. 
Platti stammte aus Padua, und er absolvierte eine umfangreiche musika- lische Ausbildung, vom Gesang über das Musizieren auf Oboe und Violine bis hin zur Komposition. Noch in Italien lernte er das damals neue und spektakuläre Hammerklavier kennen, und schrieb speziell dafür Sonaten. 
1722 ging Platti nach Würzburg, wo er als oboista in der Hofkapelle des Fürstbischofs Johann Philipp Franz von Schönborn musizierte. Dieser spielte selbst Geige, und hatte in Rom die italienische Musik kennen und schätzen gelernt. Allerdings starb er bereits 1724. Sein Nachfolger Franz von Hutten hatte keinerlei musikalische Ambitionen. Trotz Kündigung blieb Platti in Würzburg; er war mit einer Hofsängerin verheiratet, und fand offenbar eine alternative Beschäftigung als musikalischer Berater und Hauskomponist des Grafen Rudolf Franz Erwein, einem Bruder des verstorbenen Fürstbischofs. 
Auch Franz von Hutten starb bald; ab 1729 spielte Platti in der Hofkapelle seines Nachfolgers Friedrich Carl von Schönborn Oboe und Geige, und war zugleich für die Ausbildung der Sänger zuständig. Ob er für den Fürst- bischof auch komponiert hat, das lässt sich heute nicht mehr feststellen; das bischöfliche Archiv wurde im Zweiten Weltkrieg ein Raub der Flam- men – und damit sind auch die Notenbestände der Hofkapelle verloren. 
Um so erfreulicher ist es, dass die Musikaliensammlung des Grafen Rudolf Franz Erwein erhalten geblieben ist. In den letzten Jahren haben bereits einige Musiker begonnen, die Schätze, die im Wiesentheider Notenschrank schlummern, dem Publikum vorzustellen. Sechs von Plattis 20 Triosonaten wurden 1995 als Faksimile veröffentlicht – und nun vom Ensemble Armo- nioso bei Dabringhaus und Grimm eingespielt. Zu hören sind Francesco Ferrato, Violine, Stefano Ferrato, Violoncello, Marco Demaria, Continuo-Cello, Michele Barchi, Cembalo und Daniele Feretti, Truhenorgel. 

Mittwoch, 16. November 2016

Mondonville: Trio Sonatas Op. 2 (Audax)

Das Ensemble Diderot widmet seine jüngste CD den Triosonaten op. 2 von Jean-Joseph Cassanéa de Mondon- ville (1711 bis 1772). Er stammte aus Narbonne, und kam 1733 nach Paris, wo er als Violinvirtuose und Kompo- nist wirkte. 1734 musizierte er erstmals bei den Concerts spirituels; von 1755 bis 1762 stand er dieser Institution dann als directeur vor. 
1739 wurde Mondonville königlicher Konzertmeister und Kammerviolinist, 1744 in Nachfolge von André Campra Intendant der königlichen Hofkapelle. Er komponierte zahlreiche Konzer- te, Sonaten, Opern und Grands Motets; leider ist nur ein Teil seiner Werke überliefert. Dennoch sind in diesem Werk Entdeckungen möglich: Das Ensemble Diderot, mit seiner Leidenschaft für die Triosonate, hat nun die Triosonaten op. 2, im Druck erschienen 1734, in Ersteinspielung vorgelegt. „Mondonville hat hier ein höchst erfolgreiches Nebeneinander an franzö- sischen und italienischen Elementen geschaffen“, erläutert Johannes Pramsohler, Geiger und Gründer des Ensembles: „Flirrende Sechzehntel-Ketten, nach vor drängende Allegros, und eine Bassführung, die nicht nur einfachen harmonischen Halt gibt, sondern das Cello als ebenbürtigen Partner im kontrapunktischen Geflecht agieren lässt, sind dabei die italienischen Elemente. Das Französische findet sich in der Klarheit, die über den Stand der Dinge herrscht, und darin, dass anstelle abgründig-langsamer dritter Sätze gleichsam als Erfrischung charmante Airs im 6/8-Takt gereicht werden.“ 
Johannes Pramsohler erkundet gemeinsam mit Roldán Bernabé, ebenfalls Violine, Kristen Huebner, Traversflöte, Gulrim Choi, Barock-Violoncello und Philippe Grisvard, Cembalo, die eleganten Musikstücke, die sich durchaus als eine Bereicherung des Repertoires erweisen. Sehr hörens- wert! 

Donnerstag, 11. August 2016

Vivaldi: Complete Concertos & Sonatas Opp. 1-12 (Brilliant Classics)

Zwölf seiner Werke hat Antonio Vivaldi (1678 bis 1741) zu Lebzeiten drucken lassen – Konzerte, Sonaten und Triosonaten für Violine, Oboe und Flöte. Es sind berühmte Sammlungen darunter: Il Cimento dell'Armonia e dell'Inventione mit den bekannten Vier Jahreszeiten, L'Estro Armonico, La Stravaganza und La Cetra. Diese Notenausgaben waren sehr gefragt und weit verbreitet; sie bewirkten, dass Vivaldis Musik in ganz Europa große Beachtung fand. 
Federico Guglielmo hat mit seinem Ensemble L'Arte dell'Arco zwischen 2010 und 2014 diese Werke Vivaldis komplett neu eingespielt. An diesem Projekt beteiligt waren zudem der Cellist Francesco Galligioni, der Oboist Pier Luigi Fabretti und der Flötist Mario Folena. Musiziert wird historisch-informiert, aber ohne Manieris- men; zwar sind die Tempi zumeist flott und die Artikulation ist energisch und pointiert, doch es wird nicht übertrieben, und am olympischen Wettstreit mit dem Ziel schneller-krasser-individueller beteiligt sich Guglielmo erfreulicherweise nicht. Den Musikern war es vielmehr wichtig, einen homogenen Klangeindruck zu erzielen. 
Das Ergebnis ist eine grundsolide, zeitlos gültige Interpretation, die dennoch nicht langweilig wird. Als Notenmaterial nutzten die Musiker ausschließlich die neuesten kritischen Ausgaben des Istituto Italiano Antonio Vivaldi der Fondazione Giorgio Cini in Venedig; einige Varianten sind hier daher in Ersteinspielung zu hören. Im Beiheft finden sich ausführliche Erläuterungen von Federico Guglielmo zu den einzelnen Werken. Die Box mit immerhin 20 (!) CD enthält als Bonus sechs Cello-Sonaten Vivaldis, die 1740 ohne Opuszahl in Paris veröffentlicht worden sind. 

Samstag, 14. November 2015

Der musikalische Garten - Zu Gast im Blauen Haus (Ars)

Der Basler Lucas Sarrasin (1730 bis 1802) kam als Seidenbandfabrikant gemeinsam mit seinem Bruder Jakob zu Wohlstand und Ansehen. Die Geschwister ließen sich in bester Lage zwei Patrizierhäuser bauen: Das Weiße und das Blaue Haus gehören noch heute zu den prächtigsten Barockgebäuden der Stadt. Lucas Sarrasin war zudem sehr interessiert an Kuriositäten, die er seinen Gästen gern vorführte – aber seine eigentli- che Leidenschaft war die Musik. So richtete er in seinem Hause einen Musiksaal ein, in dem er nicht nur eine Orgel aufstellen ließ, sondern auch sämtliche Orchesterinstrumente vorhielt – könnte ja sein, dass sie zur Hausmusik benötigt werden! Auch eine umfangreiche Notensammlung besaß der Fabrikant. 
Sarrasin spielte selbst Geige und Kontrabass. Er gehörte dem Basler Collegium Musicum an. Dort lernte er Jacob Christoph Kachel (1728 bis 1795) kennen, einen hochbegabten Geiger, der im Gefolge eines Prinzen bereits bis nach Italien gereist war. Der junge Virtuose wurde Sarrasins Hausmusiker. 
Welche Musik im Hause Sarrasin erklang, das lässt sich anhand des Kataloges der Musikbibliothek feststellen. Auffällig ist, dass nur etwa ein Viertel der darin aufgelisteten Werke der Vokalmusik zuzurechnen sind. Die Instrumentalmusik stammte aus ganz Europa, allerdings sind Werke aus Frankreich und England nur spärlich vertreten – und es fällt auf, dass Sarrasin überwiegend Kompositionen von Zeitgenossen sammelte. Insge- samt befanden sich mehr als 1.300 Musikalien in Sarrasins Kollektion; ein Drittel davon ist erhalten geblieben. 
Besonders schätzte Sarrasin offenbar Triosonaten; viele von ihnen kommen aus der Mannheimer Schule oder aus Norditalien. Eine Auswahl dieser Werke präsentiert auf dieser CD das Ensemble Der musikalische Garten. Die vier jungen Musiker – Karoline Echeverri Klemm, Germán Echeverri Chamorro, Violine, Annekatrin Beller, Violoncello, und Daniela Niedhammer, Cembalo und Hammerklavier – haben sämtlich an der Schola Cantorum Basiliensis studiert. Und ihr Interesse für die Sammlung Sarrasin beschert dem Zuhörer einen Ausflug in eine blühende musika- lische Landschaft, eine Hör-Kur sozusagen, mit Werken beispielsweise von Johann und Carl Stamitz, Johann Christian Bach – der vor seinem Umzug nach London bekanntlich etliche Jahre in Mailand lebte –, Giovanni Battista Sammartini oder Gaetano Pugnani. Sehr gelungen, und ausgesprochen vielversprechend!

Samstag, 10. Januar 2015

Bach: Six Trio Sonatas (Chaconne)

Die Orgelsonaten BWV 525-530 von Johann Sebastian Bach sind seltsame Musikstücke. Sie haben drei Sätze, wie ein Konzert; Kirchensonaten hingegen hatten typischerweise vier Sätze. Sie sind mit großer Sorgfalt gearbeitet, und erscheinen eher übersichtlich. Es ist bekannt, dass Bachs Schüler sie im Unterricht spielten; so berichtet Bachs Biograph Johann Nikolaus Forkel, sie seien ursprünglich als Lehrstücke für seinen ältesten Sohn Wilhelm Friedemann Bach bestimmt gewesen. 
Einigen Sätzen kann man zudem in anderen Werken erneut begegnen, beispielsweise als Sinfonia in einer Kantate. Es wird daher vermutet, dass diese Sonaten Bearbeitungen verloren gegangener Triosonaten sein könnten. Wie diese einst geklungen haben könnten, erkunden auf dieser CD die Tempesta di Mare Chamber Players. 
Arrangiert hat die Stücke dafür Richard Stone, der Lautenist des Ensembles. Er nahm sich dabei alle Freiheiten, die auch zu Bachs Zeiten üblich waren. Hört man die Bearbeitungen, so wird man feststellen, dass sie überall dort gut klingen, wo die beiden Diskantstimmen Instrumenten zugewiesen worden sind, die sich in Oktavlage und Lautstärke ähneln. Das gilt beispielsweise für Geige und Flöte. Sehr hörenswert ist auch die Version der Sonate BWV 528 für Laute und Cembalo. Weniger geschickt erscheint die Kombination von Traversflöte und Viola da gamba. Eine Oboe beispielsweise passt auch in die Zeit – und hätte zusätzliche Klangfarben eingebracht. Lobenswert ist allerdings die Spielfreude der Interpreten. Die Tempesta di Mare Chamber Players musizieren mit Schwung und Eleganz.

Mittwoch, 7. Januar 2015

Graupner: Trio Sonatas (Ondine)

Mitunter fragt man sich, warum die Musikgeschichte gerade so und nicht ganz anders verlaufen ist. Was beispielsweise hätte sich daraus ergeben, wenn Christoph Graupner (1683 bis 1760) nicht in Darmstadt geblieben, sondern nach Leipzig gegangen wäre? Und wenn Johann Sebastian Bach beispielsweise Dom- und Hoforganist in Berlin anstatt Thomaskantor geworden wäre? 
Schließlich hatte sich der Darm- städter Hofkapellmeister beworben, er wollte wechseln, und eigentlich war Graupner auch der Favorit der Leipziger Stadtväter. Doch dann erhöhte sein Dienstherr, Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt, ihm die Bezüge, und verweigerte ihm zugleich den Abschied. Solchen Argumenten pflegten sich Musiker üblicherweise zu beugen. Und so erhielt der Kollege aus Köthen das Amt. 
Kirchenmusik hat Graupner dennoch in großen Mengen komponiert; Aufnahmen seiner Kantaten wurden in diesem Blog bereits an anderer Stelle vorgestellt. Das Finnische Barockorchester hat bei Ondine bereits Orchestersuiten eingespielt. Nun haben sich einige Solisten dieses Ensembles auch der Triosonaten des Komponisten angenommen. Aus der großen Anzahl seiner Werke haben sie dazu einige ausgewählt. Dabei scheinen sie auf die wenigen bereits edierten Sonaten zurückgegriffen zu haben. 
Auffällig ist die farbenreiche Besetzung – neben Traversflöte und Violine setzt Graupner auch Viola d'amore, Fagott sowie das Chalumeau, einen Vorgänger der Klarinette, ein. Im Continuo, notiert für das Cembalo als unbezifferte Basslinie, verwenden die Musiker zusätzlich Barock-Violoncello, Viola da gamba, Barocklaute sowie einmal auch die Orgel. Das macht die CD klanglich attraktiv. Graupner scheint allerdings auch bei seinen Triosonaten mehr auf Ausdruck und Melodik als auch vordergrün- dige Virtuosität bedacht gewesen zu sein. Er überrascht eher durch unerwartete Harmonik als durch kühne Figurationen. Das ist wirklich spannend; man darf neugierig bleiben, welche Schätze sich in Graupners unglaublich umfangreichem Nachlass in Zukunft noch anfinden werden. 

Freitag, 16. August 2013

Corelli: Sonate à 3. Opera Quarta (Glossa)

Fast hätte man es übersehen – doch bei aller Wagner-Euphorie soll in diesem Blog auch an ein weiteres Jubiläum erinnert werden: An den Tod von Arcangelo Corelli (1653 bis 1713) vor dreihundert Jahren. Der Geiger und Komponist stammte aus Fusignano, und absolvierte wohl einen wesentlichen Teil seiner Ausbildung in Bologna – darauf jedenfalls wies sein Spitzname „Il Bolognese“ hin, den er erhielt, nachdem er sich in Rom niedergelassen hatte. Das dürfte spätestens 1675 geschehen sein, denn für dieses Jahr ist erstmals in Rom sein Wirken als Musiker dokumentiert – was Corelli schon bald Ruhm, Ehre und auch Einnahmen brachte.
So wurde er Mitglied des Orchesters der französischen Nationalkirche San Luigi dei Francesi, wo er bald als Konzertmeister spielte, und des Orchesters der ehemaligen schwedischen Königin Christina, die in Rom lebte. Ihr widmete er auch sein erstes Werk das 1681 im Druck erschien, die zwölf Kirchensonaten op. 1.
1683 trat Corelli in die Dienste des Kardinals und Kunstmäzens Benedetto Pamphili, dessen Kapellmeister er 1687 wurde. 1690 ging er an den Hof des Kardinals Pietro Ottoboni, der nicht nur päpstlicher Vizekanzler, sondern auch ein berühmter Förderer der Künste war. Ihm widmete Corelli seine Triosonaten op. 4. Und wenn man diese Werke in dieser Aufnahme, hervorragend gespielt von den Spezialisten des Ensembles Aurora unter Enrico Gatti hört, dann ahnt man, warum er einer der einflussreichsten Musiker seiner Zeit gewesen ist. Seine Kompositionen sind in ihrer Strahlkraft, Eleganz und Noblesse noch immer kleine Wunder. Und Konzertmeister Enrico Gatti sowie Rossella Croce, Judith Maria Blomsterberg, Gabriele Palomba und Fabio Ciofini spielen sie zauberhaft. Bravi!