Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788) hat, anders als sein berühmter Vater, nur sehr wenige Werke für die Orgel hinterlassen.
Im Mittelpunkt stehen dabei die Orgelsonaten, die er für Anna Amalia von Preußen geschrieben hat, die Schwester seines Dienstherren Friedrich II.
Zwar schreibt Bach-Biograph Forkel: „Diese Orgel-Solos sind für eine Prinzessin gemacht, die kein Pedal und keine Schwierigkeiten spielen konnte, ob sie sich gleich eine schöne Orgel mit zwei Clavieren und Pedal machen ließ und gerne darauf spielte.“
Doch dies darf man wohl ins Reich der Legenden verweisen – denn wenn man sich die Clavier-Sonaten anschaut, die der Cembalist für Anna Amalia geschrieben hat, wird deutlich, dass die Prinzessin, was die Musik betrifft, durchaus zu den Kennern und Liebhabern gehörte.
Man darf also davon ausgehen, dass Bach auf den Gebrauch des Pedals aus anderen Gründen verzichtete. Der Kammermusikus Friedrichs des Großen bevorzugte ohnehin, auch später in seinen Hamburger Jahren, Cembalo und Pianoforte. Die Orgel, bis auf wenige Ausnahmen an Kirchenraum und Gottesdienst gebunden, scheint ihn wenig interessiert zu haben.
Dennoch sind seine Orgelsonaten keine leichte Kost; sie sind, bei aller Empfindsamkeit, reizvoll und erstaunlich kontrastreich. Auf dieser CD werden sie von Iain Quinn sehr hörenswert an der Orgel des Theologischen Seminars Princeton, New Jersey/USA, gespielt. Dieses Instrument ist ein wenig größer als die Amalienorgel, die sich heute in der Kirche Zur frohen Botschaft in Berlin-Karlshorst befindet. Es wurde im Jahre 2000 von Paul Fritts erbaut.
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Montag, 16. Juli 2018
Montag, 13. März 2017
Czerny: Organ Music (Naxos)
Orgelmusik von Carl Czerny (1791 bis 1857)? Der Komponist und Klavier- pädagoge, der der Nachwelt vor allem durch seine Etüdenbände („Schule der Geläufigkeit“) in Erinnerung geblie- ben ist, war selbst offenbar nicht nur ein ausgezeichneter Pianist, sondern auch ein Organist, der sich hören lassen konnte.
Seine Orgelwerke sind wahrschein- lich im Zusammenhang mit einer Reise nach England im Jahre 1837 entstanden. Dort musizierte Czerny nicht nur im Kensington Palace für die zukünftige Queen Victoria. Er scheint auch viele Kollegen getroffen zu haben – Preludio e Fuga per Organo e Pedale obbligato op. 607 jedenfalls widmete er George Elvey, dem Organisten der Queen an der St. Georgskapelle in Windsor. Die Twenty Short Voluntaries for Organ with Obbligato Pedal op. 698 wurden mit einer Widmung an den Londoner Organisten William Crathern gedruckt, und die Twelve Introductory or Intermeditate Voluntaries op. 627 sind James Windsor gewidmet, Organist in Bath.
Publiziert wurden diese Werke übrigens nahezu zeitgleich 1840/41 in Frankreich, Deutschland und in Großbritannien, wo der Musikverleger Robert Cock Czernys Orgelmusik druckte. Was die Instrumente betrifft, so scheint sich die englische Orgellandschaft in jenen Jahren entscheidend entwickelt zu haben: Während Felix Mendelssohn Bartholdy 1829 noch das Fehlen eines Pedals, wie es auf dem Kontinent üblich war, beklagte, scheint dies 20 Jahre später nicht mehr problematisch zu sein.
Der obligate Pedalpart von Czernys Werken jedenfalls erfordert einiges an Kunstfertigkeit; Präludium und Fuge zeugen zudem davon, dass ihr Komponist Bachs Musik mit Sorgfalt studiert hat. Besonders interessant aber sind die harmonischen Wendungen, mit denen Czerny immer wieder überrascht. Auch wenn es „kleine“ Orgelstücke sind, die als Vorspiel, Nachspiel oder aber auch kurzes Zwischenspiel während des Gottes- dienstes dienen sollen, so sind es doch musikalische Juwelen mit etlichen funkelnden Facetten – der Komponist, der immerhin ein Schüler Beetho- vens war, konnte eben doch sehr viel mehr als nur Meterware.
Iain Quinn, promovierter Musikhistoriker und Orgellehrer an an der Florida State University, hat Orgelmusik von Carl Czerny in Notenausga- ben wiederveröffentlicht, und einige wichtige Werke nun bei Naxos eingespielt. Damit macht er nicht nur auf diese hörenswerten Stücke aufmerksam, er ermöglicht es zugleich interessierten Organisten, sie in ihr Repertoire aufzunehmen. Vorbildlich!
Seine Orgelwerke sind wahrschein- lich im Zusammenhang mit einer Reise nach England im Jahre 1837 entstanden. Dort musizierte Czerny nicht nur im Kensington Palace für die zukünftige Queen Victoria. Er scheint auch viele Kollegen getroffen zu haben – Preludio e Fuga per Organo e Pedale obbligato op. 607 jedenfalls widmete er George Elvey, dem Organisten der Queen an der St. Georgskapelle in Windsor. Die Twenty Short Voluntaries for Organ with Obbligato Pedal op. 698 wurden mit einer Widmung an den Londoner Organisten William Crathern gedruckt, und die Twelve Introductory or Intermeditate Voluntaries op. 627 sind James Windsor gewidmet, Organist in Bath.
Publiziert wurden diese Werke übrigens nahezu zeitgleich 1840/41 in Frankreich, Deutschland und in Großbritannien, wo der Musikverleger Robert Cock Czernys Orgelmusik druckte. Was die Instrumente betrifft, so scheint sich die englische Orgellandschaft in jenen Jahren entscheidend entwickelt zu haben: Während Felix Mendelssohn Bartholdy 1829 noch das Fehlen eines Pedals, wie es auf dem Kontinent üblich war, beklagte, scheint dies 20 Jahre später nicht mehr problematisch zu sein.
Der obligate Pedalpart von Czernys Werken jedenfalls erfordert einiges an Kunstfertigkeit; Präludium und Fuge zeugen zudem davon, dass ihr Komponist Bachs Musik mit Sorgfalt studiert hat. Besonders interessant aber sind die harmonischen Wendungen, mit denen Czerny immer wieder überrascht. Auch wenn es „kleine“ Orgelstücke sind, die als Vorspiel, Nachspiel oder aber auch kurzes Zwischenspiel während des Gottes- dienstes dienen sollen, so sind es doch musikalische Juwelen mit etlichen funkelnden Facetten – der Komponist, der immerhin ein Schüler Beetho- vens war, konnte eben doch sehr viel mehr als nur Meterware.
Iain Quinn, promovierter Musikhistoriker und Orgellehrer an an der Florida State University, hat Orgelmusik von Carl Czerny in Notenausga- ben wiederveröffentlicht, und einige wichtige Werke nun bei Naxos eingespielt. Damit macht er nicht nur auf diese hörenswerten Stücke aufmerksam, er ermöglicht es zugleich interessierten Organisten, sie in ihr Repertoire aufzunehmen. Vorbildlich!
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