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Montag, 26. Dezember 2016

Walther: Complete Organ Music (Brilliant Classics)

Die Orgelmusik von Johann Gottfried Walther (1684 bis 1748) präsentiert Simone Stella. Der italienische Orga- nist und Cembalist hat bei Brilliant Classics bereits Werke von Johann Jakob Froberger, Dieterich Buxte- hude, Georg Böhm und Johann Adam Reincken veröffentlicht. Nun legt er auf zwölf CD in Weltersteinspielung das Gesamtwerk Walthers vor. 
Den größten Anteil daran haben die – mitunter ausgesprochen umfang- reichen – Choralvorspiele. Dazu kommen einige wenige freie Orgel- werke, vor allem Präludien und Fugen, sowie Orgelbearbeitungen diverser Konzerte von Giulio Taglietti, Georg Philipp Telemann, Giuseppe Torelli, Antonio Vivaldi, Tomaso Giovanni Albinoni, dem französischen Hofkomponisten François Collin de Blamont, Giorgio Gentili, Giovanni Lorenzo Gregori, Luigi Manzia und Joseph Meck. 
Johann Gottfried Walther kam in Erfurt zur Welt, und wurde dort unter anderem von Johann Bernhard Bach, einem Cousin zweiten Grades von Johann Sebastian Bach, ausgebildet. Die weitverzweigte thüringische Musikerfamilie hat auch im Stammbaum Walthers eine Spur hinterlassen: Seine Mutter Martha Dorothea Lemmerhirt war eine Halbschwester von Johann Sebastian Bachs Mutter. 
Im Jahre 1702 wurde Johann Gottfried Walther, gerade 18 Jahre alt, Organist an der Erfurter Thomaskirche. Auf Reisen traf er bedeutende Musiker und Theoretiker seiner Zeit, wie Andreas Werckmeister oder Wilhelm Hieronymus Pachelbel, den ältesten Sohn von Johann Pachelbel und dessen Amtsnachfolger als Organist an St. Sebaldus in Nürnberg. 1707 erhielt Walther das Organistenamt an der Stadtkirche St. Peter und Paul in Weimar, wo er bis zu seinem Tode blieb. Dort begegnete der Musiker auch Johann Sebastian Bach, der von 1708 bis 1717 am Hofe des Herzogs Wilhelm Ernst wirkte und mit dem ihn bald eine enge Freund- schaft verband. 
Walther unterrichtete etliche Schüler, unter anderem den musikalisch hochbegabten Prinzen Johann Ernst und dessen Stiefschwester, Prinzes- sin Johanna Charlotte. Möglicherweise als Unterweisung für den Prinzen schuf er die Praecepta der musicalischen Composition, datiert auf das Jahr 1708, im Druck herausgegeben erstmals 1955 von Peter Benary. Ab 1721 leitete der Organist zudem das herzogliche Hoforchester, und trug den Titel Hof-Musicus. 
Das Werk Johann Gottfried Walthers lässt erkennen, dass er sich sowohl in der nord- als auch der süddeutschen Orgelschule bestens auskannte. Besonderes Vergnügen aber scheint ihm die Beschäftigung mit den Kon- zerten italienischer Meister bereitet zu haben. Sein umfassendes Wissen gab Walther nicht nur an seine Schüler weiter: Sein Musicalisches Lexicon oder Musicalische Bibliothec, erschienen 1732 in Leipzig, war das erste deutschsprachige Musiklexikon überhaupt. 
Simone Stella hat die Quellen offenbar mit Sorgfalt gesichtet. Er berichtet in dem sehr informativen Beiheft zu dieser CD-Box, welche Werke erhalten sind und welche als verloren gelten müssen – insbesondere bei den Bear- beitungen von Werken anderer Komponisten für Tasteninstrumente scheint sogar der überwiegende Teil nicht erhalten geblieben zu sein. 
Eingespielt hat Stella Walthers Orgelmusik 2013 an der 2006 von Fran- cesco Zanin erbauten Orgel der Chiesa di Sant'Antonio Abate in Padua. Sie verfügt über 25 Register auf zwei Manualen und Pedal, mechanische Trak- tur, ist ungleichschwebend gestimmt und folgt klanglich norddeutschen Vorbildern. 

Dienstag, 22. November 2016

Froberger: Complete Music for Harpsichord & Organ (Brilliant Classics)

Die mit Abstand umfangreichste Einspielung mit Werken Johann Jacob Frobergers (1616 bis 1667) hat Simone Stella bei Brilliant Classics auf immerhin 16 CD veröffentlicht. Der vielfach ausgezeichnete Musiker und Komponist wirkt seit 2011 als Titularorganist an den historischen Orgeln der Basilica della Santissima Annunziata und der Kirche Santa Maria Assunta der Badia Fiorentina in Florenz. 
Neben diesen beiden Instrumenten, erbaut 1521 von Domenico Di Lorenzo da Lucca und 1558 von Onofrio Zeffirini da Cortona, hat Stella für diese Einspielung auch noch zwei weitere Orgeln ausgewählt – ein Instrument der venezianischen Schule aus dem 17. Jahrhundert, das sich in der Kirche Sant'Eusebio in Bassano del Grappa befindet, und die (moderne) Pinchi-Orgel der Basilica di San Giorgio fuori le mura in Ferrara. Sie ist mit 30 Registern mit Abstand die größte der vier Orgeln. Jedes dieser Instrumente ist zudem anders gestimmt. 
Ergänzt werden die vier Orgeln durch ein Cembalo aus der Werkstatt von William Horn, Windischletten, nach einem Vorbild von Ioannes Ruckers aus dem Jahre 1638. Auf diesen fünf Tasteninstrumenten hat Stella das Gesamtwerk Frobergers eingespielt, soweit es überliefert und zugänglich ist. Jenes Manuskript also, dass erst 2006 entdeckt und durch Sotheby's versteigert wurde, ist leider in dieser Aufnahme nicht mit zum Klingen erweckt worden. 
Für die Einspielung orientierte sich Stella am Froberger Werke Verzeich- nis, das in den 90er Jahren erstellt und dann durch Siegbert Rampe aktualisiert worden ist. Leider muss man jede CD anschauen, wenn man sich einen Überblick über den Inhalt verschaffen möchte; man vermisst in dem ansonsten sehr informativen und ausführlichen Beiheft ein Register. 
Wer sich für den Lebensweg von Johann Jacob Froberger interessiert, der sei hier auf ältere Posts verwiesen. Erinnert sei aber daran, dass der Musiker am Wiener Hof  angestellt war, und im Auftrag der Habsburger sehr häufig auf Reisen ging. Diese haben auch in seinem Werk ihre Spuren hinterlassen. So gehört Froberger zu den ersten Komponisten von Pro- grammmusiken. Er hat auf seinen Reisen offenbar viel Musik gehört und viele Musiker kennengelernt; die Anregungen und Einflüsse, die er europaweit erhielt, haben sein Werk mit geprägt und auch die nachfol- gende Generation inspiriert, vor allem jene der norddeutschen Schule. 
Mit dieser Gesamteinspielung lässt sich das Werk des Hoforganisten bequem erkunden. Über Frobergers virtuose Toccaten kann man noch heute staunen. Er pflegte zudem die Suitenform und entwickelte sie weiter. Froberger war ein Meister des Stylus phantasticus. Der strenge Kontra- punkt steht bei ihm gleichbereichtigt neben der freien Improvisation; brillant und anspruchsvoll ist beides. Simone Stella ist für die unglaubliche Arbeit, die er in dieses Projekt investiert haben muss, zu danken. Trotz Jubiläum hat sich kein anderer Musiker an eine ähnliche Edition gewagt. Stellas Einspielung macht aber deutlich, dass es in Frobergers Werk noch viel zu entdecken gibt.