Jan Pieterszoon Sweelinck (1562 bis 1621) gehörte zu den einflussreich- sten Musikern seiner Zeit - nicht nur deshalb, weil der "Orpheus von Am- sterdam" mit seinen Improvisatio- nen auf Orgel und Cembalo Besucher aus ganz Europa begeisterte. Er wirkte als Organist an der Oude Kerk in Amsterdam, und bildete zudem offenbar ganze Heerscharen von Schülern aus. Dazu gehörten unter anderem Johann Praetorius, Gott- fried und Samuel Scheidt, Heinrich Scheidemann, und viele andere mehr. Über diese Musiker und ihre Schüler prägte der "hamburgische Organistenmacher" die sogenannte Norddeutsche Orgelschule ganz entscheidend.
Über der Bewunderung für sein "modernes" Orgelwerk, das stilistisch gern für frühbarock erklärt wird, waren allerdings Sweelinks Vokal- werke aus dem Blick der Musikwelt gerückt. Sie galten als Spätrenais- sance, und gerieten damit in den Verdacht, weniger "fortschrittlich" zu sein als die Instrumentalwerke.
Die vorliegende Box beweist, dass solche Urteile Unfug sind. Swee- lincks Vokalkompositionen sind bezaubernde, filigrane Kunstwerke - von erstaunlich solider Struktur, wie man beim genaueren Hinhören feststellt. Mit welcher Raffinesse, welcher Hingabe an das Detail Sweelinck Texte auslegte, das verdient höchste Bewunderung.
Der Netherlands Chamber Choir zeigt unter Leitung der renommier- ten Dirigenten Peter Phillips, William Christie, Ton Koopman, Philippe Herreweghe, Jan Boeke und Paul van Nevel, was für Juwelen hier zu entdecken sind. Die Sänger sind phantastisch; sie werden gelegentlich durch Instrumentalisten begleitet, die ebenso zu den besten ihres Faches gehören. Die Box enthält drei CD - das bedeutet mehr als drei Stunden ungetrübtes Hörvergnügen und eine Zeitreise, die man nur empfehlen kann. Bravi!
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Donnerstag, 10. November 2011
Sonntag, 10. April 2011
Hassler: Sacred and secular music (Etcetera)
Zu den musikalischen Erben von Orlando di Lasso gehört ohne Zweifel Hans Leo Hassler (1564 bis 1612). Wie seine beiden Brüder Kaspar und Jakob, erhielt er seine Grundausbildung von seinem Va- ter Isaak Hassler, einem Organi- sten und Musikverleger, der seit 1554 in Nürnberg lebte. In dem Verlag erschienen unter anderem Werke di Lassos und seines Schülers Leonhard Lechner. Man darf davon ausgehen, dass der junge Hassler sie gründlich studiert hat.
1584 ging Hassler nach Venedig; die Stadt galt damals als führende europäische Musikmetropole. Dort nahm er Unterricht bei Andrea Gabrieli, dem Organisten der Markuskirche, einem Schüler di Lassos. Er übte sich im mehrchörigen Musizieren und Komponieren, begei- sterte sich aber offenbar auch für das Madrigal und die eher tänzeri- sche italienische Canzonetta.
Wieder in Deutschland, wurde Hassler 1585 Kammerorganist des Grafen Octavian II. von Fugger in Augsburg. Nach dem Tode seines Dienstherrn kehrte der mittlerweile zum Kaiserlichen Hofdiener ernannte und in den Adelsstand erhobene Komponist nach Nürnberg zurück. Dort wirkte er als städtischer Musikdirektor. Außerdem erwies er sich auch als ein geschickter Mechanikus, dessen Musik- automaten sehr gefragt waren, und als findiger Kaufmann. Dennoch ging er 1608 als Kammerorganist an den Hof Christians II. nach Dresden. Hassler starb 1612 auf einer Reise in Frankfurt/Main an Tuberkulose.
Die vorliegende Doppel-CD gibt einen Überblick über sein geistliches und weltliches Schaffen. Sie enthält Kompositionen, die während der Augsburger Jahre für den katholischen Gottesdienst entstanden, ebenso wie evangelische Kirchenmusik aus seiner Nürnberger Zeit, Instrumentalwerke, insbesondere Intraden, sowie Madrigale, Canzonetten und Teutsche Gesäng nach italienischem Vorbild, die noch heute von Chören gern gesungen werden. Das belgische Ensem- ble Currende musiziert unter Erik van Nevel sehr solide, aber für meinen Geschmack könnte alles ein bisschen engagierter und tempe- ramentvoller vorgetragen werden. Auch die Textverständlichkeit lässt leider zu wünschen übrig.
1584 ging Hassler nach Venedig; die Stadt galt damals als führende europäische Musikmetropole. Dort nahm er Unterricht bei Andrea Gabrieli, dem Organisten der Markuskirche, einem Schüler di Lassos. Er übte sich im mehrchörigen Musizieren und Komponieren, begei- sterte sich aber offenbar auch für das Madrigal und die eher tänzeri- sche italienische Canzonetta.
Wieder in Deutschland, wurde Hassler 1585 Kammerorganist des Grafen Octavian II. von Fugger in Augsburg. Nach dem Tode seines Dienstherrn kehrte der mittlerweile zum Kaiserlichen Hofdiener ernannte und in den Adelsstand erhobene Komponist nach Nürnberg zurück. Dort wirkte er als städtischer Musikdirektor. Außerdem erwies er sich auch als ein geschickter Mechanikus, dessen Musik- automaten sehr gefragt waren, und als findiger Kaufmann. Dennoch ging er 1608 als Kammerorganist an den Hof Christians II. nach Dresden. Hassler starb 1612 auf einer Reise in Frankfurt/Main an Tuberkulose.
Die vorliegende Doppel-CD gibt einen Überblick über sein geistliches und weltliches Schaffen. Sie enthält Kompositionen, die während der Augsburger Jahre für den katholischen Gottesdienst entstanden, ebenso wie evangelische Kirchenmusik aus seiner Nürnberger Zeit, Instrumentalwerke, insbesondere Intraden, sowie Madrigale, Canzonetten und Teutsche Gesäng nach italienischem Vorbild, die noch heute von Chören gern gesungen werden. Das belgische Ensem- ble Currende musiziert unter Erik van Nevel sehr solide, aber für meinen Geschmack könnte alles ein bisschen engagierter und tempe- ramentvoller vorgetragen werden. Auch die Textverständlichkeit lässt leider zu wünschen übrig.
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