Die Viola da gamba wurde einst in Frankreich sehr geschätzt – viel höher als die Geige, von der man sagte, sie sei ein „instrument duquel l'on use en danserie (…), dont usent ceux qui en vivent par leur labeur“, so schrieb Philibert Jambe de Fer 1556. Kenner prie- sen insbesondere den erlesenen, farbenreichen Klang der Gambe.
Er kam in den Charakterstücken, die in der zweiten Hälfte des
17. Jahrhunderts in den Suiten zunehmend die Tänze verdrängten, besonders schön zur Geltung. Marin Marais (1656 bis 1728) war ein Meister dieser Pièces de caractère; die Quellen seiner Inspiration reichten dabei von simplen Gemütszuständen über allerlei höfische Vergnügen bis hin zu ganz und gar nicht erfreulichen Erlebnissen – so ist Marais sicherlich der einzige Komponist, der eine Gallenstein-Operation in Töne gesetzt hat.
Mieneke van der Velden, Gambe, und Fred Jacobs, Theorbe, haben für diese CD aus seinen fünf Büchern mit Pièces de violes ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Die Aufnahmen sind von höchster Qualität, wie man es von dem Label Ramée nicht anders kennt, und auch Beiheft und Hülle sind einmal mehr eine Freude.
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Sonntag, 18. August 2013
Sonntag, 28. August 2011
Telemann: Sonatas and Sonatinas for Recorder and Basso continuo (MDG)
Kein anderer Komponist des
18. Jahrhunderts hat mehr Werke für die Blockflöte geschaffen als Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767). Er hat das Instrument, das damals allmählich aus der Mode kam, in vielen seiner Kompositio- nen verwendet - Konzerten, Sona- ten, Suiten sowie Vokalmusik.
Bemerkenswert erscheint aller- dings, dass Telemann nach der Musique de table (1733), die eine bemerkenswerte Sonata a quattro für Blockflöte, zwei Traversflöten und Continuo enthält, offenbar keine Blockflötenmusik mehr veröf- fentlicht hat. Sie verschwand aus dem Olymp der Kammermusik, und kehrte erst gut 200 Jahre später wieder - als Schrecken der Schul- kinder, denen Generationen von Eltern die Sopranblockflöte als Einstiegsinstrument "verpasst" haben.
Einige der schönsten Werke Telemanns für (Alt-)Blockflöte hat Heiko ter Schegget auf dieser CD gemeinsam mit Mieneke van der Velden, Viola da gamba, Benny Aghassi, Fagott, und Zvi Meniker, Cembalo, eingespielt. Dabei betont er zwei unterschiedliche Aspekte der Musik des Komponisten. "Das Musikleben im Europa des 17. und 18. Jahr- hunderts wurde vom französischen und italienischen Stil beherrscht, wobei die beiden Stile Gegenpole waren und miteinander konkur- rierten", erläutert ter Schegget in dem - wie bei dem audiophilen La- bel Dabringhaus & Grimm nicht anders zu erwarten - sehr informati- ven Beiheft. "Der italienische Musikstil kann als direkt, brillant, extrovertiert und emotional bezeichnet werden. Die französische Musik ist dagegen im Allgemeinen introvertiert, zärtlich, empfind- sam und intellektuell." Telemanns Musik verbindet die Vorzüge beider Richtungen, und wird deshalb auch zuweilen als "vermischter" Stil bezeichnet.
Der Blockflötist nutzt zwei sehr unterschiedliche Instrumente, um Kontraste zu setzen - zum einen den Nachbau einer viel kopierten Flöte des Nürnberger Stadtpfeiffers Jacob Denner (1681 bis 1735), die sehr gut spielbar ist, und voll, offen und klar klingt. Ihr Stimmton liegt bei 415 Hertz. Warm und dunkel klingt hingegen eine kunstvoll gearbeitete Altblockflöte von Johann Heytz (1872 bis 1737) aus der Sammlung von Frans Brüggen, die ter Schegget bei einem Teil der Einspielung nutzen durfte - eingesetzt wurde sie aber nur in den langsamen Sätzen, denn, so der Flötist, sie sei "nur schwer intona- tionsrein zu spielen". Wo Tempo gefragt war, hat ter Schegget daher seinen eigenen Nachbau dieses Instruments eingesetzt. Die Heytz-Flöte hat einen Stimmton von 403 Hertz, also fast einen Viertelton tiefer als die von Denner, was den Klangeffekt natürlich unterstützt. Wer Vergnügen an perfekt, wenn auch für meinen Geschmack ein bisschen glatt gespielter Blockflötenmusik hat, der wird diese CD lieben.
18. Jahrhunderts hat mehr Werke für die Blockflöte geschaffen als Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767). Er hat das Instrument, das damals allmählich aus der Mode kam, in vielen seiner Kompositio- nen verwendet - Konzerten, Sona- ten, Suiten sowie Vokalmusik.
Bemerkenswert erscheint aller- dings, dass Telemann nach der Musique de table (1733), die eine bemerkenswerte Sonata a quattro für Blockflöte, zwei Traversflöten und Continuo enthält, offenbar keine Blockflötenmusik mehr veröf- fentlicht hat. Sie verschwand aus dem Olymp der Kammermusik, und kehrte erst gut 200 Jahre später wieder - als Schrecken der Schul- kinder, denen Generationen von Eltern die Sopranblockflöte als Einstiegsinstrument "verpasst" haben.
Einige der schönsten Werke Telemanns für (Alt-)Blockflöte hat Heiko ter Schegget auf dieser CD gemeinsam mit Mieneke van der Velden, Viola da gamba, Benny Aghassi, Fagott, und Zvi Meniker, Cembalo, eingespielt. Dabei betont er zwei unterschiedliche Aspekte der Musik des Komponisten. "Das Musikleben im Europa des 17. und 18. Jahr- hunderts wurde vom französischen und italienischen Stil beherrscht, wobei die beiden Stile Gegenpole waren und miteinander konkur- rierten", erläutert ter Schegget in dem - wie bei dem audiophilen La- bel Dabringhaus & Grimm nicht anders zu erwarten - sehr informati- ven Beiheft. "Der italienische Musikstil kann als direkt, brillant, extrovertiert und emotional bezeichnet werden. Die französische Musik ist dagegen im Allgemeinen introvertiert, zärtlich, empfind- sam und intellektuell." Telemanns Musik verbindet die Vorzüge beider Richtungen, und wird deshalb auch zuweilen als "vermischter" Stil bezeichnet.
Der Blockflötist nutzt zwei sehr unterschiedliche Instrumente, um Kontraste zu setzen - zum einen den Nachbau einer viel kopierten Flöte des Nürnberger Stadtpfeiffers Jacob Denner (1681 bis 1735), die sehr gut spielbar ist, und voll, offen und klar klingt. Ihr Stimmton liegt bei 415 Hertz. Warm und dunkel klingt hingegen eine kunstvoll gearbeitete Altblockflöte von Johann Heytz (1872 bis 1737) aus der Sammlung von Frans Brüggen, die ter Schegget bei einem Teil der Einspielung nutzen durfte - eingesetzt wurde sie aber nur in den langsamen Sätzen, denn, so der Flötist, sie sei "nur schwer intona- tionsrein zu spielen". Wo Tempo gefragt war, hat ter Schegget daher seinen eigenen Nachbau dieses Instruments eingesetzt. Die Heytz-Flöte hat einen Stimmton von 403 Hertz, also fast einen Viertelton tiefer als die von Denner, was den Klangeffekt natürlich unterstützt. Wer Vergnügen an perfekt, wenn auch für meinen Geschmack ein bisschen glatt gespielter Blockflötenmusik hat, der wird diese CD lieben.
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