Donnerstag, 7. März 2019

Liszt: Faust-Symphonie Transcription für Orgel (Oehms Classics)

Goethes Faust inspirierte viele Musiker – Werke wie die Faust-Ouvertüre von Richard Wagner, Hector Berlioz' Oper La Damnation de Faust oder die Faust-Szenen von Robert Schumann geben davon Zeugnis. 
Franz Liszt (1811 bis 1886) lernte Goethes Dichtung 1828 in Paris kennen; nach einem Hinweis durch Berlioz las der Komponist das Werk (in der französischen Übersetzung) und war davon begeistert. Bis er allerdings seine Faust-Symphonie schrieb, gingen noch einige Jahre ins Land – das Werk entstand erst in Weimar, wo Liszt ab 1848 als Hofkapellmeister wirkte. Der Musiker arbeitete ziemlich lange daran; einer ersten Fassung, die 1854 fertig orchestriert vorlag, fügte er später noch ein Chorfinale an. Uraufgeführt wurde das Werk dann in dieser zweiten Version im September 1857 in Weimar zur Einweihung des Goethe-Schiller-Denkmals. 
Hansjörg Albrecht hingegen nutzte die erste Fassung, um seine Orgel- transkription zu erarbeiten. Er folgt damit dem historischen Vorbild, denn auch Liszt hat viele Werke der verschiedensten Komponisten für das Klavier bearbeitet – unter anderem auch die Faust-Symphonie, von der Liszt selbst eine Version für zwei Klaviere erstellte. Die Orgel als Konzertinstrument freilich bietet für ein solches Unterfangen klanglich viel reizvollere Möglichkeiten, wie diese Einspielung zeigt. 
Für die Aufnahme stand Hansjörg Albrecht die Klais-Orgel der Philhar- monie im Münchner Gasteig zur Verfügung. Dieses Instrument, 1985 von dem Bonner Orgelbauer Hans Gerd Klais verwirklicht, 2004 noch einmal neu intoniert und 2010 um zusätzliche Koppelmöglichkeiten ergänzt, bietet als Konzertsaalorgel ein breites Spektrum an Klangmöglichkeiten und Farben. Albrecht nutzt sie brillant, um Liszts kühne Musik neu zu interpretieren. Sehr beeindruckend! 

Montag, 4. März 2019

Violin Concertos from Darmstadt (Audax)

Virtuose Violinkonzerte, die von und für Johann Jakob Kress (um 1685 bis 1728) geschrieben wurden, präsen- tiert Johannes Pramsohler. Der Geiger, der aus Walderbach in der Oberpfalz stammte, erhielt seine Ausbildung in Oettingen und wurde 1712 Kammermusiker am Darm- städter Hof. 
Seinem Dienstherrn, Landgraf Ernst Ludwig, war es 1709 bereits gelungen, Christoph Graupner als Hofkapellmeister zu engagieren. Er begeisterte sich insbesondere für die Oper, und wollte in seiner Residenz musikalisch ebenso glänzen, wie er das aus Hamburg kannte. Allerdings setzten die Finanzen der Begeisterung enge Grenzen; mehrfach blieb der Landgraf auch seinen Musikern die Bezahlung schuldig, so dass Kress schließlich um seine Entlassung bat. 
Die aber verweigerte ihm sein Dienstherr, und ernannte ihn statt dessen zum Konzertmeister, verbunden mit einer Gehaltserhöhung. Kress blieb in Darmstadt bis an sein Lebensende; ähnlich wie Graupner übrigens, der eigentlich 1722 Thomaskantor werden sollte, aber ebenfalls nicht gehen durfte. Auch wenn wir dieses Verfahren nicht unbedingt fair finden – es zeigt aber, dass Ernst Ludwig die Musiker für unverzichtbar ansah, und sie unbedingt behalten wollte. 
Hört man diese Einspielung, dann wird auch klar, warum: Kress war ganz offenbar ein ausgezeichneter Geiger, und stand wohl auch mit etlichen Kollegen im Austausch. So wurde Georg Philipp Telemann, seinerzeit unweit von Darmstadt in Frankfurt/Main tätig, nicht nur Taufpate für Kress' Sohn. Er scheint auch für Kress komponiert zu haben, wie das Konzert nahelegt, das Pramsohler auf dieser CD vorstellt. 
Johann Friedrich Fasch wiederum reiste 1714 nach Darmstadt, wo er länger als drei Monate durch Christoph Graupner und Vizekapellmeister Gottfried Grünewald unterrichtet wurde. Er blieb der Kapelle verbunden, und schickte immer wieder Kompositionen. In der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt fand sich ein anspruchsvolles Violinkonzert, das Kress ganz sicher gespielt hat. Prächtig erscheint auch die Ouvertüre von Vizekapellmeister Johann Samuel Endler. Er war selbst Geiger, wurde nach Kress' Tod zunächst Konzertmeister, und später Graupners Nachfolger. 
Die beiden Konzerte, die Kress selbst komponiert hat, wirken in diesem Umfeld vergleichsweise unspektakulär. Pramsohler musiziert bei diesem Projekt gemeinsam mit den Darmstädter Barocksolisten; mit Ausnahme des Telemann-Konzertes handelt es sich durchweg um Weltersteinspie- lungen. Die Aufnahme ist daher interessant. Sie enttäuscht aber durch einen Mangel an gestalterischer Raffinesse. Hier zeigt sich, dass es mitunter eben doch klug sein kann, einen Kapellmeister einzubeziehen.