Noch einmal Bach – Johann Bernhard Bach (1676 bis 1749). Er war der Sohn des Erfurter Stadtmusikanten Johann Aegidius Bach, ein Cousin zweiten Grades von Johann Sebastian Bach, und er musizierte ab 1703 als Cembalist in der Hofkapelle des kunstsinnigen Herzogs Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach und dazu, als Nachfolger seines Onkels Johann Christoph, als Organist an der Georgenkirche.
In Eisenach wirkte von 1708 bis 1712 auch Georg Philipp Telemann als Konzert- und Kapellmeister, und er schwärmte noch Jahre später davon: „Ich muß dieser Capelle, die am meisten nach frantzösischer Art eingerichtet war, zum Ruhm nachsagen, daß sie das parisische, so sehr berühmte Opern-Orchester übertroffen habe.“
Einen Eindruck von diesem einzigartigen musikalischen Universum vermittelt uns nun das Thüringer Bach Collegium. Auf dieser CD präsentiert das Ensemble um Konzertmeister Gernot Süßmuth vier Orchestersuiten, einst komponiert für die Eisenacher Hofkapelle. Drei davon wurden als Aufführungsmaterialien von Bachs Leipziger Collegium musicum überliefert; eine weitere fand sich in Form einer Partitur, die offenbar aus dem Umfeld des Bach-Sohnes Carl Philipp Emanuel stammt.
Es sind anspruchsvolle Werke, voll Eleganz und voll Überraschungen. Das Thüringer Bach Collegium bringt diese musikalischen Brillanten mit ganz enormer Musizierlust so recht zum Funkeln. Entstanden sind diese Aufnahmen übrigens in der Eisenacher Georgenkirche. Eine hinreißend schöne Einspielung – und man darf gespannt weitere Entdeckung des Ensembles.
Wie würde das klingen, wenn Johann Sebastian Bach Trompetenkonzerte geschrieben hätte?
Matthias Höfs hat es ausprobiert – und sechs bekannte Konzerte des berühmten Barockmusikers für Trompete adaptiert. So erklingt das Konzert BWV 974, nach Alexandro Marcello, ursprünglich für Oboe, aber bei Bach mit einem reich ausgezierten langsamen Satz – denn auf dem Cembalo lassen sich Töne nicht gut lang aushalten. Höfs spielt mit seiner Piccolotrompete Bachs Fassung: „Das fand ich sehr reizvoll“, meint der Musiker: „Es sind sehr berühmte Verzierungen.“
Das Concerto nach Italiaenischem Gusto BWV 971, entstanden für Cembalo solo, hat Höfs in seiner Bearbeitung des ersten Satzes quasi nachträglich orchestriert. Kontraste und Klangeffekte, wie sie Bach mit den Manualen und Registern seines Cembalos erzielen konnte, liefert hier das Streicher-Tutti – eine attraktive Variante, die auch Bach sicherlich gefallen hätte.
Der Thomaskantor bearbeitete seinerzeit selbst seine Konzerte, um sie an die zur Verfügung stehenden Instrumente anzupassen. Für die wöchentlichen Auftritte mit dem Collegium musicum im Zimmermannschen Kaffeehaus setzte er besonders auf das Cembalo. Aus Bachs Arrangements wurden mittlerweile etliche Konzerte rekonstruiert, die ursprünglich offenbar für eine ganz andere Besetzung geschrieben wurden.
Höfs erkundet nun gemeinsam mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, ob diesen Konzerten nicht auch Blechbläserglanz steht. Die Musiker um Konzertmeisterin Sarah Christian waren ihm dabei inspirierende Partner. So kann der Trompeter mit diesem Album auch Skeptiker überzeugen: Es funktioniert, dank der Möglichkeiten des modernen Instrumentes, und auch deshalb, weil Matthias Höfs es wirklich großartig spielt.
Man kommt aus dem Staunen gar nicht heraus. Denn der Musiker beeindruckt nicht nur durch technische Perfektion, sondern auch durch seinen betörend schönen, enorm wandlungsfähigen Ton und durch grandiose Stilsicherheit. „Die Solopartien der Vivaldi-Konzerte kann man zwar fast im Original spielen, aber mir waren manche Repetitionspassagen zu gleichförmig“, sagt der Trompeter. „Schon Bach hat einige figuriert. Ich habe den Solopart etwas freier gestaltet.“ Und wie! Unbedingt anhören, es lohnt sich.