Instrumente, vor allem auch Orgeln, haben ihre Geschichte. In der Kirche zum Heiligen Kreuz im erzgebirgi- schen Lengefeld wurde, so ist es Rechnungen im Pfarrarchiv zu ent- nehmen, 1620/21 zum ersten Male ein solches Instrument aufgestellt. Doch schon 1660/61 wird dieses gegen ein anderes ausgetauscht, angefertigt von einem Leipziger Orgelbauer, wahrscheinlich Christoph Donat. 1726 lassen Pfarrer und Patron die Orgel erneut ersetzen – ein größeres Instrument soll her, mit 22 Registern. Den Auftrag erhält Zacharias Hildebrandt, ansässig in Liebertwolkwitz bei Leipzig. Es ist sein drittes Instrument; und er lässt sich etwas einfallen, um die vielen Orgel- pfeifen auf engstem Raum unterzubringen: Anstatt sie, wie gebräuchlich, hintereinander anzuordnen, teilt er das Hauptwerk und bringt es zu beiden Seiten des Mittelwerkes unter. Der Prospekt wurde dementsprechend, und ebenso ungewöhnlich, in fünf zur Mitte hin ansteigende Türme gegliedert und prachtvoll farbig gestaltet.
1882 aber schlug der Blitz in die Kirche ein. Die Schäden waren so groß, dass ein Neubau erforderlich war. Dafür wurde das Orgelwerk durch den Orgelbauer Guido Hermann Schäf aus Grünhainichen sorgsam aus- und im neuen Gebäude wieder eingebaut. Bei dieser Gelegenheit modernisiert er gleich auch die Balganlage und tauscht zwei unmodern gewordene Register aus. Auch der Prospekt erhält einen neuen Anstrich – statt barocker Pracht zeigt er nun eine braune Holzimitation.
1917 muss die Gemeinde sämtliche Prospektpfeifen abliefern. Sie werden erst 1921 ersetzt, durch Pfeifen aus Zink. Außerdem frass sich der Holz- wurm durch die Holzteile, was 1933 einen Umbau im Zeitgeschmack auslöst: Die Orgelbauanstalt Hermann Eule Bautzen verändert die Disposition und baut eine pneumatische Spielanlage mit freistehendem Spieltisch ein.
Bei einer Kirchenrenovierung 1963 tritt die originale, längst vergessene Farbfassung des Prospektes wieder zutage und wird wieder hergestellt. In den Jahren 2010 bis 2014 wurde das Instrument durch die Firma Eule und die Orgelbauwerkstatt Kristian Wegscheider rekonstruiert und dabei auf den Zustand von 1726 zurückgebaut. Wegscheider fand dabei heraus, dass die Orgel noch sieben komplette Register aus dem Instrument von Christoph Donat enthält – und somit den ältesten Pfeifenbestand des an historischen Orgeln wahrlich nicht gerade armen Sachsen.
Nach der Rekonstruktion hat Ton Koopman eine Aufnahme mit Werken aus dem 17. und 18. Jahrhundert auf dieser besonderen Orgel eingespielt. Bach schätzte die Orgeln von Zacharias Hildebrandt, und auch Koopman hat es dieses Instrument hörbar angetan. Er spielt Musik von Johann Sebastian Bach, Dieterich Buxtehude, Johann Pachelbel, Jan Pieterszoon Sweelinck, Johann Gottfried Walther, Gottfried August Homilius und Johann Gottfried Walther – und er nutzt diese Werke auch, um die Hildebrandt-Orgel mit ihren speziellen Klangfarben zu präsentieren. So spielt er Musik von Jan Pieterszoon Sweelinck (1562 bis 1621), bei dem seinerzeit viele insbesondere norddeutsche Organisten in die Lehre gingen, ausschließlich mit den Registern von 1620/21.
Leider enthält das Beiheft zahlreiche Fehler; wer Informationen zur Geschichte der Hildebrandt-Orgel sucht, der sollte daher besser auf die Webseite des Fördervereins schauen, der zur Erhaltung des kostbares Instrumentes beitragen will.
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Dienstag, 30. August 2016
Donnerstag, 16. Januar 2014
Buxtehude: Opera Omnia XVIII; Koopman (Antoine Marchand/Challenge Classics)
„Membra Jesu Nostri (BuxWV 75), ein Werk, das Buxtehude für seinen ,amico', den Kapellmeister Gustav Düben in Stockholm komponierte, war um 1980 fast unbekannt. Heute ist das anders – es gibt mehrere Aufnahmen des Werkes“, schreibt Ton Koopman. Er selbst hat soeben gemeinsam mit dem Amsterdam Baroque Orchestra und dem Amsterdam Baroque Choir eine Gesamteinspielung sämtlicher derzeit bekannter Vokal- und Instrumentalwerke Dieterich Buxtehudes (1637 bis 1707) abgeschlossen. „Es war schon etwas Besonderes, so viele nie oder selten aufgeführte Werke zu studieren und aufzunehmen“, meint der Musiker. „Wir alle lernten viel dabei, vom Gebrauch des hohen Orgeltons bis zum Singen und Spielen in mitteltöniger Stimmung.“
Diese beiden CD sind sehr gelungen, auch wenn die Solisten nicht durchweg überzeugen können. An die komplexen Werke aber, die Buxtehude insbesondere auch für die Abendmusiken an der Lübecker Kirche St. Marien geschaffen hat, dürfte sich auch in Zukunft kaum ein Kantor heranwagen. Das liegt zum einen daran, dass Buxtehude selbst im Chor exzellente Sänger zur Verfügung standen – heute hingegen, im Zeitalter von DSDS, können die Kids üblicherweise kaum noch einen gerade Ton singen, geschweigen denn Noten lesen. Zum anderen beteiligten sich an den Abendmusiken die Stadtmusiker, versierte und hervorragend ausgebildete Instrumentalisten. „Alte“ Musik aber ist heute eine Angelegenheit weniger Spezialisten; im Studienprogramm von Berufsmusikern steht dieses Repertoire eher am Rande. Und obendrein steht Notenmaterial von Buxtehudes Werken nicht eben üppig bereit. So klingt es ein bisschen wie Pfeifen im Walde, wenn Koopman resümiert: „Sänger, Chordirigenten, Instrumentalisten: das ist nicht alles! Ich hoffe, dass viele diese Musik hören, studieren und aufführen. Buxtehude hat es verdient.“
Diese beiden CD sind sehr gelungen, auch wenn die Solisten nicht durchweg überzeugen können. An die komplexen Werke aber, die Buxtehude insbesondere auch für die Abendmusiken an der Lübecker Kirche St. Marien geschaffen hat, dürfte sich auch in Zukunft kaum ein Kantor heranwagen. Das liegt zum einen daran, dass Buxtehude selbst im Chor exzellente Sänger zur Verfügung standen – heute hingegen, im Zeitalter von DSDS, können die Kids üblicherweise kaum noch einen gerade Ton singen, geschweigen denn Noten lesen. Zum anderen beteiligten sich an den Abendmusiken die Stadtmusiker, versierte und hervorragend ausgebildete Instrumentalisten. „Alte“ Musik aber ist heute eine Angelegenheit weniger Spezialisten; im Studienprogramm von Berufsmusikern steht dieses Repertoire eher am Rande. Und obendrein steht Notenmaterial von Buxtehudes Werken nicht eben üppig bereit. So klingt es ein bisschen wie Pfeifen im Walde, wenn Koopman resümiert: „Sänger, Chordirigenten, Instrumentalisten: das ist nicht alles! Ich hoffe, dass viele diese Musik hören, studieren und aufführen. Buxtehude hat es verdient.“
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