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Montag, 19. August 2013

Im Gleichschritt - Fortschritt - Marsch! (Musikmuseum)

Das Tiroler Landesmuseum Ferdi- nandeum in Innsbruck pflegt in seiner Sammlung auch einen reichen Schatz an Musikinstrumen- ten und Musikalien. Das darf man durchaus wörtlich nehmen, denn diese Einrichtung beschränkt sich nicht darauf, die Dinge in die Vitrine zu stellen. Auf dieser CD erklingen Märsche, vom Bläser- ensemble des Ferdinandeums unter Leitung von Alfredo Bernar- dini gespielt auf historischen Instrumenten – und das erweist sich bald als außerordentlich spannend. Denn hier ist keine Blas- kapelle zu hören, wie wir sie heute gewohnt sind. 
Die CD kombiniert Tiroler Musik aus der ersten Hälfte des 19. Jahr- hunderts mit Werken bekannter Komponisten wie Joseph und Michael Haydn, Franz Schubert oder Felix Mendelssohn Bartholdy. Es erklingen Instrumente, die heute so zumeist nicht mehr gebräuchlich sind, wie Klappentrompeten oder Ophikleide. Einige patriotische Stücke erinnern an die bewegte Geschichte Tirols. Doch auch die Militärmusik der türkischen Janitscharen – sie haben Wien gleich zweimal belagert – mit ihrem dominanten Schlagwerk hat ihre Spuren hinterlassen, und zwar in Form beeindruckender türkischer Märsche. Faszinierend! 

Freitag, 16. März 2012

Bühler: Galanteriestücke, Pastorellen; P. Justinus: Toccaten (Organum Classics)

Franz Bühler (1760 bis 1823) war der Sohn eines Lehrers und Organisten aus Unterschneidheim. Im Alter von zehn Jahren wurde er als Chorknabe in die Benediktiner- abtei Neresheim aufgenommen. Dort besuchte er das Gymnasium, und erhielt natürlich auch Musik- unterricht in seiner ganzen damals üblichen Breite. Nach einem Studium in Augsburg trat er 1778 in das Benediktinerkloster Donau- wörth ein. Es darf vermutet werden, dass Abt Coelestin II. Bühlers musikalische Talente nach Kräften förderte. Die Kantaten und Sing- spiele, die der Priester mit Schülern und Mitbrüdern aufführte, wurden weithin gerühmt; sie begeisterten auch den Millionär Anton Melchior von Menz, der Abbé Bihler 1794 nach Bozen holte, wo er das Musikleben kraftvoll in Schwung gebracht hat. 1801 wurde Bühler dann als Domkapellmeister nach Augsburg berufen. 
Obwohl Bühler ein umfangreiches Werk hinterlassen hat, ist er heute nahezu vergessen. Aus diesem Grunde beauftragte die Kulturstiftung Franz Bühler, Unterschneidheim, den Organisten Professor Willibald Bezler damit, auf einer CD die Musik dieses süddeutschen Meisters vorzustellen. Ausgewählt wurde dafür die Orgel der Abteikirche Neresheim, die dort durch Johann Nepomuk Holzhey in den Jahren 1794 bis 1797 errichtet worden ist. Es ist das größte Orgelwerk, dass dieser schwäbische Orgelbauer je geschaffen hat - und es ist in hörbar exzellentem Zustand. 
Um deutlich zu machen, wie individuell Bühlers musikalische Hand- schrift ist, und wie erstaunlich seine Klangvorstellungen bereits die Romantik vorwegnehmen, hat Bezler zwischen die Galanteriestücke und die - sehr hübschen - Pastorellen des Komponisten Toccaten eines anderen Komponisten aus der Region eingefügt: Johannes Justus Will (1675 bis 1747), bekannter als Pater Justinus, gehörte der Vorgängergeneration an, und schrieb noch "richtige" Barockmusik. Diese Kombination sorgt einerseits für einen gewissen Kontrast. Andererseits macht sie deutlich, wie groß der Schritt ist, den Bühler gewagt hat. 
In der Zusammenstellung dieser Raritäten erweist sich Bezler als ein Kenner der musikalischen Landschaft. Und die CD zeigt ihn als einen großartigen Organisten. Schade nur, dass sie nach 47 Minuten schon zu Ende ist.