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Montag, 1. November 2021

Witches, Queens & Heroines (Perfect Noise)

 

Wenn brave Mädchen in der Barockoper vorkommen, dann sind sie entweder Opfer, oder eine Trophäe – und deshalb haben Margriet Buchberger und das Ensemble Il Giratempo für diese CD nach den „wilden“ Frauen in den Opern von Georg Friedrich Händel Ausschau gehalten. 

Lange mussten sie nicht suchen, denn Händels Opernheldinnen sind meistens Charaktere – von der Königstochter Medea über die Königin Cleopatra bis hin zur Fee Morgana oder Zauberin Alcina, die alle Männer, die auf ihrer Insel eintreffen, in Schweine verwandelt. 

Bevor diese Damen siegreich, oder zumindest geläutert, von der Bühne abtreten, bevor sie endgültig entfliehen oder gar untergehen, singen sie grandiose Arien. Denn Händel standen in seiner Company mit Faustina Bordoni und Francesca Cuzzoni gleich zwei erstklassige Sängerinnen zur Verfügung, die er mit attraktiven Rollen und hochvirtuosen Partien bei Laune halten musste. 

Virtuos singt auch Margriet Buchberger. Die Sopranistin wird vom Ensemble Il Giratempo, unter Leitung von Konzertmeisterin Zsuzanna Czentnár, schwungvoll begleitet. Leider achtet die Sängerin mehr auf das Dekorative als auf das Dramatische in der Musik. So klingen auf diesem Album alle Rollen irgendwie ähnlich. Wer eine Hexe ist, und wer eine Königin, das möchte man aber hören. Eigentlich kann ein Sänger auch deutlich machen, warum gerade an dieser Stelle jetzt genau diese atemberaubende Koloratur erklingt. In diesem Falle bleibt es ein Rätsel. Schade. 


Sonntag, 31. Oktober 2021

Amazone (Erato)

 

„Dans l’enfance, mes héroïnes volaient au-dessus des toits, dévalaient de vertes prairies en chantant, rêvaient sous des ciels pleins d’étoiles, s’élançaient à cheval avec une liberté et un courage qui me fascinent encore“, erinnert sich Lea Desandre. Kein Wunder, dass die Mezzo-Sopranistin für ihr Solo-Debüt bei Erato auf den Spuren der Amazonen wandelt. 

Das Programm, das sie auf diesem Album vorstellt, bietet eine Fülle von Entdeckungen und somit auch zahlreiche Weltersteinspielungen. Über die Qualität dieser Funde kann man nur staunen. Das mythische Volk, in dem die Kriegerinnen alle Macht haben, hat offensichtlich die Phantasie von vielen Librettisten und erstklassigen Opernkomponisten bewegt. 

Frauen, die ebenso selbstverständlich ihr Land regieren, wie sie in die Schlacht ziehen, und Männer, die nichts zu sagen haben – verkehrte Welt, ein reizvolles Sujet also, zumal für die Barockoper, die ohnehin gern mit komplexen Figuren und unklaren Situationen spielt. Lea Desandre zeigt, wie Komponisten die Amazonen mit musikalischen Mitteln darstellten. Die ausgewählten Arien sind sowohl technisch als auch darstellerisch anspruchsvoll. 

Die junge Sängerin bewältigt diese Herausforderungen versiert; ob virtuoser Koloraturgesang oder ausdrucksstarke Kantilene, jeder Ton überzeugt. Das gilt erst recht für jene Stücke, wo Desandre zugunsten des Szenischen auf Schönklang verzichtet und die Stimme als Mittel zur Charakterisierung der jeweiligen Figur einsetzt. 

Quasi als Bonus erscheinen auf dem Album zudem drei Stars der Barockszene als Ehrengäste: Cecilia Bartoli und Véronique Gens singen jeweils ein Duett mit Lea Desandre, und William Christie spielt auf dem Cembalo ein Werk von Louis Couperin. 

Das ist freundlich, aber nötig wäre dies nicht gewesen. Denn Desandre singt wirklich faszinierend, und auch das Ensemble Jupiter, das sie unter Leitung von Thomas Dunford begleitet, hat im Verlaufe des Programmes mehrfach Gelegenheit, Klasse zu demonstrieren. So wird die Folge der Arien immer wieder durch Sinfonien aus den Opern und andere Instrumentalstücke ergänzt. Inspirierend.