Tilman Skowroneck hat für Tyxart drei Cembalo-Suiten – Ordres – aus dem ersten und zweiten Buch der Pièces de Clavecin von François Couperin (1668 bis 1733) eingespielt. Vorangestellt hat er ihnen jeweils das zugehörige Prélude aus L'Art de Toucher le Clavecin. Der Cembalist beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit der Musik des französischen Komponisten, der seinerzeit die Tänze häufig nutzte, um Ideen oder Persönlichkeiten mit musikalischen Mitteln zu charakterisieren.
Mittwoch, 26. Januar 2022
Couperin: Werke für Cembalo (Tyxart)
Tilman Skowroneck hat für Tyxart drei Cembalo-Suiten – Ordres – aus dem ersten und zweiten Buch der Pièces de Clavecin von François Couperin (1668 bis 1733) eingespielt. Vorangestellt hat er ihnen jeweils das zugehörige Prélude aus L'Art de Toucher le Clavecin. Der Cembalist beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit der Musik des französischen Komponisten, der seinerzeit die Tänze häufig nutzte, um Ideen oder Persönlichkeiten mit musikalischen Mitteln zu charakterisieren.
Sonntag, 31. Oktober 2021
Amazone (Erato)
„Dans l’enfance, mes héroïnes volaient au-dessus des toits, dévalaient de vertes prairies en chantant, rêvaient sous des ciels pleins d’étoiles, s’élançaient à cheval avec une liberté et un courage qui me fascinent encore“, erinnert sich Lea Desandre. Kein Wunder, dass die Mezzo-Sopranistin für ihr Solo-Debüt bei Erato auf den Spuren der Amazonen wandelt.
Das Programm, das sie auf diesem Album vorstellt, bietet eine Fülle von Entdeckungen und somit auch zahlreiche Weltersteinspielungen. Über die Qualität dieser Funde kann man nur staunen. Das mythische Volk, in dem die Kriegerinnen alle Macht haben, hat offensichtlich die Phantasie von vielen Librettisten und erstklassigen Opernkomponisten bewegt.
Frauen, die ebenso selbstverständlich ihr Land regieren, wie sie in die Schlacht ziehen, und Männer, die nichts zu sagen haben – verkehrte Welt, ein reizvolles Sujet also, zumal für die Barockoper, die ohnehin gern mit komplexen Figuren und unklaren Situationen spielt. Lea Desandre zeigt, wie Komponisten die Amazonen mit musikalischen Mitteln darstellten. Die ausgewählten Arien sind sowohl technisch als auch darstellerisch anspruchsvoll.
Die junge Sängerin bewältigt diese Herausforderungen versiert; ob virtuoser Koloraturgesang oder ausdrucksstarke Kantilene, jeder Ton überzeugt. Das gilt erst recht für jene Stücke, wo Desandre zugunsten des Szenischen auf Schönklang verzichtet und die Stimme als Mittel zur Charakterisierung der jeweiligen Figur einsetzt.
Quasi als Bonus erscheinen auf dem Album zudem drei Stars der Barockszene als Ehrengäste: Cecilia Bartoli und Véronique Gens singen jeweils ein Duett mit Lea Desandre, und William Christie spielt auf dem Cembalo ein Werk von Louis Couperin.
Das ist freundlich, aber nötig wäre dies nicht gewesen. Denn Desandre singt wirklich faszinierend, und auch das Ensemble Jupiter, das sie unter Leitung von Thomas Dunford begleitet, hat im Verlaufe des Programmes mehrfach Gelegenheit, Klasse zu demonstrieren. So wird die Folge der Arien immer wieder durch Sinfonien aus den Opern und andere Instrumentalstücke ergänzt. Inspirierend.
Sonntag, 5. Juli 2020
Versailles - Alexandre Tharaud (Erato)
Auf dieser CD lädt er uns ein, Musik zu erleben, die einst im Schloss Versailles erklungen ist. Das Programm reicht von Jean-Baptiste Lully, der dem Hof des Sonnenkönigs zu klanglicher Pracht verhalf, über Meister wie Jean-Henry d'Anglebert, Jean-Philippe Rameau, François Couperin oder Jacques Duphly bis hin zu Claude Balbastre, der erst nach der französischen Revolution starb. Und es stellt musikalische Formen vor, die damals sehr beliebt waren – von diversen Tänzen über die Variation bis hin zum Rondo. Tharaud zeigt, neben all dem musikalischen Prunk, der die Könige umglänzte, auch frühe Beispiele für Programmmusik – Le Rappel des oiseaux beispielsweise von Rameau, La Marche des Scythes von Joseph-Nicolas-Pancrace Royer oder aber Les Ombres errantes von Couperin machen die jeweilige Szene geradezu plastisch deutlich.
Musiziert wird am modernen Konzertflügel, dessen klangliche Möglichkeiten der Pianist auch voll nutzt. Diese CD ist kein Versuch, historische Klangbilder zu rekonstruieren: Alexandre Tharaud spielt die barocke Musik aus der Perspektive der Moderne. So, wie er das macht, ist das aber interessant – wirklich sehr hörenswert.
Sonntag, 5. April 2020
The Paris Album (Audax)
Das Album feiert die die neu gewonnene Freiheit jener Zeit, als die Komponisten begannen, den traditionellen französischen Stil mit Innovationen aus Italien zu verbinden. Das Violoncello spielte dabei übrigens noch keine Rolle; Johannes Pramsohler und Roldán Bernabé musizieren auf dieser CD gemeinsam mit Eric Tinkerhess, Viola da gamba, und mit Philippe Grisvard, Cembalo.
Nicht nur Lullys pompöser Stil, auch die Monarchie als solche war seinerzeit in die Jahre gekommen. Doch während sich in der Oper das Repräsentative noch längere Zeit behaupten konnte, zeigte sich die Kammermusik deutlich flexibler: „Tous les compositeurs de Paris avoient en ce temps-là la fureur de composer des Sonates à la manière Italienne“, vermeldete Sébastian de Brossard, ein Musiker aus Strasbourg, der nach Lullys Tod eine ganz enorme Musikaliensammlung zusammentrug. Er ist auf dieser CD mit zwei Triosonaten vertreten, ebenso André Campra, außerdem erklingt Musik von Louis-Nicolas Clérambault, Elisabeth Jacquet de la Guerre und François Couperin, Nachfolger Lullys im Amte des Hofkomponisten. Johannes Pramsohler und seine Mitstreiter machen mit ihrem Spiel hörbar, wie italienische Einflüsse und französische Eleganz in einer „réunion des gôuts“, so Couperin, ein neues europäisches Klangideal geprägt haben – das übrigens bis nach Sachsen ausstrahlte: Couperins La Convalescente fand sich im Notenbestand des Dresdner Konzertmeisters Johann Georg Pisendel.
Freitag, 21. Juni 2019
Baroque Journey - Lucie Horsch (Decca)
Das Album lädt die Zuhörer ein zu einer Rundreise durch Europa im Zeitalter des Barock. Die Flötistin startet diese virtuelle Tour in Utrecht, mit einer Melodie aus Jacob van Eycks berühmter Sammlung Der Fluyten Lust-hof. Die Reise führt dann über Deutschland – wo die Musikerin auch Georg Friedrich Händel verortet –, über Italien und Frankreich bis nach England, und von dort wieder zurück in die Niederlande.
Begleitet wird die junge Solistin auf ihrem virtuosen Ausflug in die Musikgeschichte höchst souverän von der Academy of Ancient Music, der Flötistin Charlotte Barbour-Condini sowie dem Lautenisten Thomas Dunford. Zu hören sind neben bekannten Melodien wie Dido's Lament von Henry Purcell, Händels berühmtem Arrival of the Queen of Sheba, der Erbarme-dich-Arie aus der Matthäuspassion, dem Konzert BWV 1059R und der Badinerie von Johann Sebastian Bach oder van Eycks Engels Nachtegaeltje auch Entdeckungen, wie die Welterstaufnahme eines Konzertes von Jaques-Christoph Naudot.
Samstag, 25. August 2018
Couperin: The complete organ masses (Paladino Music)
Sein Beiname „Le Grand“ allerdings macht deutlich, dass sein Schaffen selbst in diesem erlesenen Umfeld herausragend war. Das erkannte auch Ludwig XIV., der Couperin 1693 zum Organisten an der Königlichen Kapelle in Versaille ernannte. Als Hofkomponist hatte er geistliche Musik zu liefern. Außerdem wurde Couperin zum Musiklehrer der königlichen Familie, und spielte mit seinen Concerts royaux in kleiner Besetzung Kammerkonzerte, für die er auch Musik komponierte.
In seinem Schaffen führte er italienische und französische Musiktradi- tionen zusammen. Auch seine frühen Orgelmessen zeichnen sich durch den kreativen Umgang mit dem Althergebrachten aus. Dabei ist eine Messe für den feierlichen Gottesdienst in einer Pfarrkirche bestimmt, die andere ist eine Konventmesse, wie sie im Kloster gebräuchlich war.
Sie sind beide für eine Musizierpraxis entstanden, bei der die Verse jeweils abwechselnd gesungen und von der Orgel gespielt wurden. Derart alternatim erklingen die Werke auch auf dieser CD. Es singt das Age of Discovery Vocal Ensemble, und der neuseeländische Organist James Tibbles hat für die Einspielung ein ganz besonderes Instrument ausgesucht: Zu hören ist die Orgel der Kirche Notre Dame Rozay-en-Brie, deren Tastaturen wohl die ältesten in spielfähigem Zustand erhaltenen in Frankreich sind. Auch der junge Couperin selbst hat dort musiziert.
Freitag, 23. Februar 2018
Inner Chambres (Naxos)
Leela Breithaupt, Erica Rubis und David Walker haben Werke herausgesucht, wie sie einst in Versailles erklungen sind. Ihr Programm beginnt mit einem Prelude aus L'Art de préluder sur la flûte traversière von Jacques-Martin Hotteterre. Mit Suiten vertreten sind François Couperin, Jean Marais und Michel Pignolet de Montéclair. Auch zwei populäre Lieder tragen die Musiker vor, bevor schließlich eine betörende Chaconne aus den Trios de la Chambre 'pour le Choucher du Roi' von Jean-Baptiste Lully den Schlusspunkt setzt. Hier übernimmt Allison Nyquist, Barockvioline, die zweite Melodiestimme.
Montag, 31. Oktober 2016
The Proud Bassoon (Linn)
Auf dieser CD beweist Fagottist Peter Whelan, tatkräftig und klangschön unterstützt vom Ensemble Marsyas, dass sein Instrument durchaus auch für sehr anspruchsvolle Solo-Partien geschaffen worden ist. Dazu hat er ein Programm zusammengestellt, das von Les Gentils Airs – ou Airs Connus, ajustée en duo, pour basson seul accompagné d'un clavecin, zusammengestellt in Paris von den Gebrüdern Leclerc, bis hin zu Eileen Aroon with variations set by Mr. (Matthew) Dubourg (1707 bis 1767), einem Geiger aus Dublin, reicht. Zu hören sind zudem ein Konzert von François Couperin (1668 bis 1733) und Sonaten für das Fagott von Joseph Bodin de Boismortier (1685 bis 1755), Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758) und Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767).
Es sind sehr unterschiedliche Werke, entstanden für die Hofmusik, die Oper oder den häuslichen Gebrauch – doch sie geben Peter Whelan Gelegenheit, zu demonstrieren, wie virtuos man auf dem Barockfagott musizieren kann – das als eher schwierig gilt. Whelan spielt phänomenal, durch alle Register, und dabei zeigt er auch, welche tollen Klangfarben es zu bieten hat – das stolze Fagott.
Samstag, 1. Oktober 2016
En sol - Musique pour le Roi-Soleil (Genuin)
Der König betrat die Bühne im Alter von 13 Jahren, und er tanzte selbst etwa zwanzig Jahre lang, in Szene gesetzt als Apollon nicht zuletzt von einer genialen Musikerschar um Jean-Baptiste Lully. Wie konsequent und zugleich subtil diese Inszenierung erfolgte, zeigt ein Detail: Auffällig sei, so Maurer, dass der Gott „vorwiegend zum Klang der Tonart ,sol mineur', also g-Moll, auftritt.“ Diese Tonart wurde von Zeitgenossen als „ernst und prachtvoll“ wahrgenommen, was zum würdevoll-erhabenen Auftritt des tanzenden Roi-Soleil bestens passt.
„Dass sich Louis nicht in der allgemein als ,königlich' geltenden Trompe- ten-Tonart D-Dur (ré (rex) majeur) inszenieren ließ, mag sich hingegen mit seinem universellen Anspruch auf ,Einzigartigkeit' erklären lassen“, meint die Cembalistin: „Hätte er sich der gleichen Tonart bedient wie seine royalen Kollegen, hätte er sich quasi selbst seiner einzigartigen Stellung auf der (politischen) Bühne beraubt.“
Und so ist g-Moll auch die vorherrschende Tonart auf dieser CD mit Cembalo-Musik, die einst am Hofe des Sonnenkönigs erklungen ist. Rebecca Maurer hat dafür eine ebenso klangvolle wie beziehungsreiche Auswahl an Musikstücken zusammengestellt. Dabei hat sie auch darauf geachtet, das Instrument, auf dem sie bei dieser Einspielung musiziert, bestens zur Geltung kommt – nicht nur durch das Repertoire, sondern auch durch die gewählte Stimmung. „Die Tatsache dass die 1/5-Komma Mittel- tönigkeit (..) von dem Musiktheoretiker Étienne Loulié im Jahr 1698 als die in Frankreich , am meisten gebräuchliche' Stimmung beschrieben wurde, hat mich in meiner Entscheidung bestärkt. Darüber hinaus ver- leiht der tiefe französische Stimmton (a'=395 Hz), der ungefähr einen Ganzton unter dem heutigen liegt, durch die geringere Saitenspannung dem Ruckers Cembalo ein großes Maß an Resonanz, Gravität und Fundament.“
Das „goldene“ Cembalo aus dem Besitz des Musée d'art et d'histoire in Neuchâtel, angefertigt 1623 in der Werkstatt von Ioannes Ruckers in Antwerpen und 1745 in Paris tiefgreifend umgebaut, erweist sich als eine geniale Wahl. Es soll einmal Marie-Antoinette oder aber einer ihrer Hofdamen gehört haben. „Mit seinem warm-goldenen Klang und seinem mit Blattgold verzierten Äußeren bildet es quasi die klanglich-optische Entsprechung dieses ;En sol'-Programms“, schreibt Rebecca Maurer. Und weil die Cembalistin nicht nur mit ihren Theorien, sondern auch in der Praxis rundum überzeugt, erweist sich dieses Album als rundum gelungen. Meine Empfehlung!
Freitag, 12. August 2016
Frobergers Reisen (Raumklang)
Auf Reisen verbrachte er viele Jahre seines Lebens. Dabei lernte er viele bedeutende Kollegen kennen. In Dresden beispielsweise, wo er im Winter 1649/50 auf der Rückkehr von seiner zweiten Italienreise Station machte, trat er im musikalischen Wettstreit gegen den Hoforganisten Matthias Weckmann an – und gewann nicht nur eine goldene Kette, sondern einen Freund fürs Leben.
Froberger reiste durch Deutschland, die Niederlande, England und Frank- reich, wo er offenbar Louis Couperin in freundschaftlichem Austausch begegnete. Beide schrieben ein Tombeau sur la mort de monsieur Blancroche, für den Sohn der Hofnärrin Heinrichs IV., der, wie die Legende berichtet, in einem Freudenhaus die Treppe hinabstürzte und dabei zu Tode kam. Von Couperin ist zudem ein Prélude à l'imitation de Mr. Froberger überliefert; all diese Werke erklingen auf der vorliegenden Doppel-CD.
Magdalena Hasibeder folgt den Spuren, die Froberger auf seinen Reisen hinterlassen hat. Eine kluge Programm-Idee der österreichischen Organistin und Cembalistin; sie spielt Werke Frobergers und seiner Zeit- genossen, zugeordnet jeweils bestimmten Reisestationen. Dabei zeigt sie zugleich, wie der Orgelvirtuose sich regionalen stilistischen Besonder- heiten angepasst hat, und wie überlegen er selbst Gelegenheitswerke gestaltet hat. Man höre nur das Lamento sopra la dolorosa perdita della Real M.stà di Ferdinando Rè de Romani aus dem Jahre 1656, seine Plainte faite à Londres pour passer la melancholi: la quelle se joüe lentement avec discretion oder seine Allemande faite en passant le Rhin dans un barque en grande peril – der musikalische Bericht über eine Rheinfahrt, bei der wohl so manches schiefgegangen ist. Auch sonst findet sich in der Musik- auswahl so manche Rarität; ich fand das Programm ausgesprochen interessant und abwechslungsreich.
Hasibeder hat sich die dazu passenden Instrumente ausgesucht; sie spielt ein italienisches und ein französisches Cembalo jener Zeit aus der Sammlung historischer Musikinstrumente im Haus der Musik des Landesmuseums Württemberg in Stuttgart, sowie die Wöckherl-Orgel aus dem Jahre 1642 der Franziskanerkirche in Wien. Wie schon auf ihrer letzten CD Vom Stylus phantasticus zur freien Fantasie mit virtuoser Cembalomusik um Johann Sebastian Bach, veröffentlicht ebenfalls bei Raumklang, musiziert Magdalena Hasibeder auch hier ausgesprochen souverän. Wer Barockmusik schätzt, oder einfach nur erfahren möchte, wie Musik in Europa im 17. Jahrhundert geklungen hat, der sollte sich diese Aufnahme nicht entgehen lassen.
Dienstag, 17. Mai 2016
French Harpsichord Music (Brilliant Classics)
17. und 18. Jahrhunderts hat jüngst Brilliant Classics vorgelegt. 29 CD laden dazu ein, die Entstehung eines eigenständigen französischen Stils nachzuvollziehen. Diese Entwicklung ist untrennbar verbunden mit dem französischen Hof und seiner höfischen Ästhetik.
Musikunterricht gehörte damals unbedingt zur Ausbildung junger Aristokraten: Der Adel ließ nicht nur musizieren; er tanzte und musizierte auch selbst. Die Musik wurde wie kaum eine andere Kunst zum Medium der französischen Herrscher, denn sie bot ideale Möglichkeiten zur Selbstinszenierung. Begonnen hat damit wohl Ludwig XIII.; Jacques Champion de Chambonnières (um 1600 bis 1672), der als Vater der französischen Cembalomusik gilt, gehörte als Cembalist der Chambre du roi und als Tänzer dem innersten Zirkel des Regenten an. Seine Kompositionen gehören zu den frühesten Werken in der Kollektion French Harpsichord Music.
Vollendet wurde diese Entwicklung durch Ludwig IV., den Sonnenkönig. Künste und Wissenschaften betrachtete er als wesentliche Instrumente seiner Herrschaft. Deshalb förderte er sie mit Nachdruck. Und er festigte seine Macht nicht zuletzt durch grandiose höfische Feste, die ihn zum Vorbild für den gesamten europäischen Adel werden ließen. Die Musik jener Zeit vereint Pracht und Anmut, verspielte Eleganz und tänzerische Leichtigkeit.
Die Box enthält das Gesamtwerk für Cembalo von Jean-Henri d’Anglebert (1629 bis 1691), dazu Kompositionen von Gaspard Le Roux (um 1660 bis 1707), Louis-Nicolas Clérambault (1676 bis 1749) und Louis Marchand (1669 bis 1732), die kompletten Pièces de clavecin von François Couperin (1668 bis 1733), einen Querschnitt aus den Werken von Antoine Forqueray (1672 bis 1745) und Jean-Baptiste Forqueray (1699 bis 1782), Vater und Sohn, das Gesamtwerk für Cembalo von Jean-Philippe Rameau (1683 bis 1764) und Joseph-Nicolas-Pancrace Royer (um 1705 bis 1755) sowie die Livres de pièces de clavecin von Jacques Duphly (1715 bis 1789).
Damit umspannt die Box gut 120 Jahre französische Cembalomusik. Sie erscheint wie das Echo des Absolutismus in Frankreich; ihre Blütezeit endet mit dem Sturm auf die Bastille und der Revolution. An der Schwelle dieses Zeitalters wäre noch Claude Balbastre (1724 bis 1799) zu verorten; er wirkte zunächst als Organist und Cembalist bei Hofe, musste dann aber sehen, wie er weiterhin sein Brot verdiente. Und so wirkte er als Organist an Notre-Dame, von den Revolutionären zum Tempel der Wahrheit erklärt, und komponierte Fantasien über die neuen Hymnen und Variationen über die Marseillaise. Von ihm sind meines Wissens ebenfalls zwei Bände mit Cembalomusik überliefert; sie sind in dieser Box allerdings nicht enthalten. Vermissen könnte man eventuell noch die Werke von Louis Couperin (um 1621 bis 1661), dem Onkel von François Couperin.
Ansonsten erscheint die Sammlung ziemlich vollständig. Das ist kein Zufall; Brilliant Classics hat in den letzten Jahren eine ganze Reihe bedeutender Neuaufnahmen französischer Cembalomusik vorgelegt. Die Einzelveröffentlichungen, darunter zahlreiche Weltersteinspielungen, wurden nun noch einmal in dieser Kollektion zusammengefasst. Das lohnt sich. Denn die zwischen 2005 und 2015 entstandenen Aufnahmen wurden von einigen der derzeit besten Cembalisten wie Pieter-Jan Belder, Fran- cesco Cera und Michael Borgstede eingespielt. Zu hören sind außerdem exzellente Nachwuchsmusiker wie Yago Mahúgo und Franz Silvestri – und natürlich auch die derzeit klangschönsten Nachbauten historischer Instru- mente.
Mittwoch, 10. Juni 2015
Couperin: Les Nations (Naxos)
Der Musikgeschmack das französischen Hofes war zur Zeit Couperins ziemlich konservativ; insbesondere auch im Bereich der Oper waren Innovationen aus Italien gar nicht willkommen. Insofern war es ziemlich kühn von dem Komponisten, neue italienische Ideen und französische Traditionen miteinander zu verknüpfen. Den Mut, den Couperin seinerzeit hatte – er trieb das Experiment soweit, dass er Werke unter Pseudonym verfasste und als italienische aufführen ließ – wünschte ich mir in der Interpretation gespiegelt: Mehr Esprit, mehr Glanz, mehr Temperament. So ganz zufrieden macht mich daher diese Aufnahme nicht.
Montag, 13. Januar 2014
Deux siècles d'orgue (Alpha)
Die französische Revolution überlebte das Instrument, allerdings derangiert, so dass zwischen 1871 und 1873 der berühmte Orgel- bauer Aristide Cavaillé-Coll mit der Rekonstruktion beauftragt wurde. Er installierte eine neue, romantische Orgel, dem Zeitgeschmack entsprechend. Sie gefiel aber schon 1938 nicht mehr, und wurde durch einen Neubau von Victor Gonzalez ersetzt. Als in den 90er Jahren die Kapelle restauriert wurde, entschied man sich dafür, die ursprüngliche Clicquot-Orgel wieder herzustellen. Jean-Loup Boisseau und Bertrand Cattiaux übernahmen diese Aufgabe. Dabei konnten sie den alten Spieltisch nutzen, der noch vorhanden war. Erhalten war auch ein geringer Teil des originalen Pfeifenwerks. Als Vorbild diente zudem die Clicqout-Orgel in Houdan, die ohne wesent- liche Eingriffe und Umbauten über die Jahrhunderte gekommen war. Daran konnten sich Boisseau und Cattiaux orientieren; der Klang der beiden Instrumente ist in der Tat sehr ähnlich. Somit steht heute in der Chapelle Royale wieder eine „echte“ französische Barockorgel zur Verfügung.
Als Organisten wirken dort derzeit Michel Bouvard, Professor für Orgel am Pariser Konservatorium und Organist an der Cavaillé-Coll-Orgel der Basilika Saint-Sernin in Toulouse, Frédéric Desenclos, Pro- fessor für Orgel am Konservatorium in Orléans, Francois Espinasse, Professor für Orgel am Konservatorium Lyon und Organist der Kirche Saint-Severin in Paris, sowie Jean-Baptiste Robin, Professor für Orgel am Konservatorium von Versailles und Ehrenorganist an der Francois-Henri Clicqout-Orgel der Kathedrale von Poitiers. Sie teilen sich auch in die Aufnahmen auf der vorliegenden Doppel-CD, die ein klingendes Porträt der Orgel in der Chapelle Royale ist – und zugleich an die Organisten erinnert, die dieses Instrument früher gespielt und dafür Musik komponiert haben.
So präsentieren sie zwei Jahrhunderte französische Orgelmusik, wie sie unter den Königen Ludwig XIV. bis XVI. die höfische Liturgie begleitet hat. Und die Clicquot-Orgel klingt in der Tat berückend. Zu hören ist Musik von Nicolas Lebègue, Jacques-Denis Thomelin, Guillaume-Gabriel Nivers, Francois Couperin, Louis Marchand, Jean-Francois Dandrieu, Claude Bénigne Balbastre und Louis Claude Daquin. Ein prachtvolles Beiheft mit zahlreichen Bildern und ausführ- lichen Einführungstexten – leider unverkürzt nur in französischer Sprache, etwas knapper auch auf Englisch – vermittelt zusätzliche Eindrücke und Informationen.
Donnerstag, 27. Juni 2013
La Carte de Tendre (Musicaphon)
Diese Karte zeigt den Weg in ein Reich der kultivierten Liebe, frei von niedrigen Trieben und vor allem frei von Leidenschaft, die durch einen Gleichklang der Seelen abgelöst wird. „La carte de Tendre als Abbild der Bedeutung, die der detaillierten Beschäftigung mit den Gefühlen und der Liebe im besonderen zugemessen wurde, findet ihr Pendant in den unzähligen und höchst differenzierten Satzbezeich- nungen der Musik am Hofe von Versailles“, berichtet Ulrike Volk- hardt im Beiheft zu dieser CD. Die Blockflötistin hat gemeinsam mit Ann Morgan, Cembalo, Musik aus der Zeit Ludwigs XIV. eingespielt. Dafür stellte Professor Andreas Beurmann ein ausgesprochen klangschönes, originales Ruckers-Cembalo aus seiner Sammlung zur Verfügung. Wer gern Blockflötenmusik hört, der wird sich durch dieses anspruchsvolle bis virtuose Programm gut unterhalten fühlen.
Sonntag, 24. April 2011
Couperin: Lecons de Ténebrès pour le Mercredi Saint (Ligia)
Bekannt ist er vor allem für seine Cembalowerke; er komponierte aber auch eine Vielzahl Motetten und Psalmvertonungen für kleine Besetzung, sowie Stücke für die Kammerkonzerte des Königs am Sonntagnachmittag in Versailles, in denen er den italienischen und den französischen Stil zu vereinen trachtete.
Zur Liturgie der Osterwoche gehörte es, in den Nächten von Grün- donnerstag, Karfreitag und Ostersonnabend im Gedenken an das Leiden, die Grabesruhe und die Auferstehung des Herrn Nocturnes zu halten. Die dazugehörigen Psalmen und Lesungen wurden zuneh- mend musikalisch ausgestaltet. So schuf auch Couperin eine ergrei- fende Vertonung der Klagelieder Jeremias für das Triduum Sacrum; Lecons de Ténebrès hießen sie, weil nach jedem Abschnitt der Liturgie eine Kerze auf dem Altar ausgelöscht wurde, so dass der Kirchenraum zunehmend in Finsternis versank.
Leider hat der Komponist nur die ersten drei Lecons veröffentlicht. Im Vorwort zum Druck berichtet er, dass er alle neun vertont habe - doch sechs davon müssen wir wohl verloren geben. So erklingen auf dieser CD die Lecons für Gründonnerstag, in Kombination mit der 2e Suite en La aus den Pièces pour viole. Diese Werke sind wundervoll, und sie werden von Catherine Greuillet, Sopran, Isabelle Desrochers, Mezzosopran, Philippe Foulon, Gambe, und Olivier Vernet an der historischen Orgel der Kirche Saint-Rémy in Dieppe sehr klangschön interpretiert. Meine Empfehlung!














