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Samstag, 29. September 2012

Vivaldi ma non solo (MDG)

Die griechische Mezzosopranistin Marita Paparizou singt Bravour- arien aus der Vivaldi-Zeit - konkret Arien des jeweiligen Titelhelden aus Vivaldis Opern Orlando Furio- so und Farnace, sein berühmtes Stabat mater, die Arie Addio miei sospiri, die von Ferdinando Bertoni stammt, aber oftmals in Glucks Orpheus erklingt, und eine außerordentlich erregte Arie der Medea aus Händels Oper Teseo. Sie stellt in ihren technischen Anfor- derungen selbst Händels italie- nische Bass-Kantaten in den Schatten. Doch die Sängerin ist dem leider überhaupt nicht gewachsen. Die Höhen werden gestemmt, die Tiefen gequetscht, und die Koloraturen klappern, weil es Paparizou an Geläufigkeit mangelt. Dort, wo die Sängerin tatsächlich in der Mittel- lage bleiben und lange Linien singen darf, wird eine Stimme hörbar, die eigentlich ein sehr schönes Timbre hat - wer der Solistin aber zu dem Repertoire geraten hat, an das sie sich auf dieser CD wagt, der muss von allen guten Geistern verlassen gewesen sein. 
Die Solisti Veneti musizieren unter Claudio Scimone routiniert, aber man muss feststellen, dass es den Musikern nicht gelingt, in einen Dialog mit der Sängerin zu treten. Und es verschlägt einem schier den Atem, wenn Paparizou ihr üppiges Vibrato einsetzt, um einen zu tief angestimmten Ton doch noch in Übereinstimmung mit den Instru- mentalisten zu bringen. Wer ein abschreckendes Beispiel sucht, der kann diese CD getrost kaufen - alle anderen sollten einen großen Bogen darum machen. 

Sonntag, 28. November 2010

Christmas at San Marco (Berlin Classics)

Der Dom San Marco war bis zur Auflösung der Republik Venedig 1797 die Kirche des Dogen, und insbesondere das Weihnachtsfest wurde dort glanzvoll zelebriert. Diese CD zeigt einen Ausschnitt aus den Feierlichkeiten, wie sie für das Jahr 1767 denkbar sind. Vermutet wird, dass damals das Kyrie in F von Ferdinando Bertoni, Messa per San Marco und Adeste fideles von Baldassare Galuppi, eine Sinfonia in G von Gaetano Latilla und das Te Deum in C von Galuppi erklangen. Der seit 1762 amtie- rende maestro di cappella allerdings hielt sich seinerzeit in Russland auf, wo er von 1765 bis 1768 als Hofkapellmeister und -komponist wirkte. 
Eigentlich hatte er wenig Lust, an den Hof Katharinas II. zu gehen, doch venezianische Diplomaten konnten ihn schließlich zu der Reise überreden. Dass die Zarin Galuppi eingeladen hat, das wird nicht überraschen - prägte und repräsentierte der Musiker doch die Musik der Serenissima wie vor ihm nur Johann Adolf Hasse. Galuppi war als Opernkomponist ebenso berühmt wie für seine Kirchenmusik, und zu Lebzeiten weit bekannter als selbst Antonio Vivaldi. 
Die Messkomposition für das Weihnachtsfest 1767 schickte der Musiker aus Moskau nach Venedig. Es war üblich, dass der maestro di cappella Gloria und Credo vertonte, und der erste Organist das Kyrie. Sanctus und Agnus Dei wurden durch ein Motetto und ein Instrumen- talstück ersetzt. Komplettiert wurde die Mitternachtsmesse durch das Te Deum laudamus. Die Position des ersten Organisten diente tradi- tionell zur Vorbereitung auf den Kapellmeisterposten; tatsächlich erhielt Ferdinando Bertoni die Stelle nach dem Tode Galuppis. Vizekapellmeister Gaetano Latilla leitete die cappella ducale während der Russlandreise Galuppis. Er war für eine umfassende Reform dieses Klangkörpers verantwortlich, die ihm die Leistungsfähigkeit sicherte, war aber auch selbst ein exzellenter Komponist, wie die Sinfonia in G zeigt. 
Zu hören sind das Vocal Concert Dresden und das Dresdner Instrumental-Concert unter Peter Kopp. Der Chor singt vorzüglich; allerdings kann das Solistenquintett ihm nicht das Wasser reichen, was die Freude etwas dämpft. Aber für derartige spätbarocke Musik wünscht man sich farbenreiche, typische Stimmen, wie einen strahlenden, beweglichen Sopran, einen dunkel timbrierten Alt. Die Stimmen von Gemma Bertagnolli, Sopran 1, Valentina Varriale, Sopran 2 und Mary-Ellen Nesi, Alt, sowie Julien Behr, Tenor und Clemens Heidrich, Bass, harmonieren zwar gut miteinander. Aber insbesondere die Damen haben eher klassische Opernstimmen, was zu dieser Art Musik meiner Ansicht nach nicht so gut passt.