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Dienstag, 27. Dezember 2011

Bach: Organ Masterworks Vol. II; Koito (Claves)

Kei Koito hat die seltene Gabe, zu erspüren, was eine Orgel in Kombi- nation mit dem Kirchenraum, die sie umgibt, einzigartig macht. Das unterscheidet sie von vielen anderen Organisten, die ebenfalls brillant spielen, denen aber dieses Gespür fehlt - und es macht ihre Einspielungen so faszinierend.
Auf dieser CD ist sie an der Silber- mann-Orgel der Katholischen Hofkirche in Dresden zu erleben. Sie spielt Werke, die man vielleicht am ehesten in der Zeit um das Ende des Kirchenjahres verorten könnte, jenen Wochen zwischen Totengedenken und Vorfreude auf das Weihnachtsfest. So folgt auf Toccata und Fuge in d-Moll BWV 565 Nun komm der Heiden Heiland, und zwar gleich in drei verschiede- nen Varianten, aus den Leipziger Chorälen. In derselben Sammlung findet sich auch Herr Jesu Christ, dich zu uns wend
Die Fantasie c-Moll BWV 562 verweist auf Frankreich - und die Organistin lässt darauf gleich noch die Ouvertüre nach französischer Art BWV 831 folgen, mit Rücksicht auf die Orgel transponiert nach
c-Moll. Eine Rarität ist auch die Kombination aus Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564, die Koito im Anschluss daran spielt. 

Nach Wachet auf, ruft uns die Stimme BWV 645, einem der Schübler-Choräle, folgen Fantasie und Fuge in g-Moll BWV 542. Bach hat sie einst geschrieben, als er sich in Hamburg um eine Organistenstelle bewarb. Die hätte er sogar bekommen, doch er weigerte sich dieses Amt zu kaufen - und blieb in Köthen. Sein wuchtiger Auftritt im stylus phantasticus beeindruckt noch heute, und Kei Koito setzt neben die dramatischen Ausbrüche der Fantasie die strenge Regelmäßigkeit der anschließenden Fuge, die überraschend heiter endet. 
Bachs Kantate Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit wird von einer Sona- tina eingeleitet. Koito spielt sie hier in einer Fassung von Alexandre Guilmant für Orgel, die dem Original klanglich erstaunlich dicht folgt. Man meint, die Blockflöten zu hören, die jenes Wiegenlied anstimmen, das andeutet, dass Christen sanft und im Vertrauen auf Gott ent- schlummern. Die Organistin registriert souverän, und nutzt die Klangmöglichkeiten, die ihr das wundervolle Silbermann-Instrument bietet, ganz hervorragend. Mit In dir ist Freude BWV 615, das übli- cherweise freudig das neue Jahr begrüßt, klingt die CD schwungvoll-tänzerisch aus. Wer Bach liebt, aber auch eine nicht ganz orthodoxe Sicht auf sein Werk akzeptabel findet, wenn sie musikantisch über- zeugt, der wird diese Aufnahme mögen. 

Sonntag, 27. März 2011

Grieg: The Violin Sonatas (Claves)

Drei Violinsonaten schuf Edvard Grieg - zwei davon, die Sonaten in F-Dur op. 8 und in G-Dur op. 13, sind Jugendwerke; beinahe 20 Jahre später entstand hingegen die Sonate Nr. 3 in c-Moll, op. 45. Sie sind so norwegisch, wie es nur geht - die rhythmisch starken, leiden- schaftlichen Passagen kombinierte Grieg immer wieder mit fröhlichen oder lyrischen Abschnitten, die den Volkston aufgreifen oder imi- tieren. 
Violinistin Alexandra Soumm, Jahrgang 1989, und Pianist David Kadouch, Jahrgang 1985, können diesen vertrackten, ziemlich anspruchsvollen Werken sehr viel Schönheit abgewinnen. Hier stellen sich zwei junge Musiker vor, von denen man in Zukunft noch einiges erwarten darf. 

Montag, 22. März 2010

Bach: Organ Masterworks Vol. I; Kei Koito (Claves)

Die Organistin Kei Koito lebt in Lausanne. Dort unterrichtet sie seit 1992 am Konservatorium den künstlerischen Nachwuchs, und initiierte das Bach-Festival und den Grand Prix Bach der Stadt.
Auf der großen Schnitger-Orgel der Martini-Kirche von Groningen hat sie diese CD eingespielt, die offensichtlich Nachfolger haben soll. Für die vorliegende Aufnahme wählte sie etliche Werke aus Bachs Weimarer Zeit.
Das Programm ist ausgesprochen clever zusammengestellt. Koito startet mit Präludium und Fuge e-Moll BWV 548; es folgen Präludium und Fuge in A-Dur BWV 536/536a und in a-Moll, BWV 543. Zwischen diesen "Großwerken" erklingt dann jeweils die Orgel-Bearbeitung eines Kirchenliedes oder Chorals.
Das setzt nicht nur einen Rahmen, in dem die grandiosen Fugen um so stärker wirken. Koito nutzt diesen Kontrast zudem, um die unterschiedlichsten Register und damit Klangfarben dieses herrlichen Instrumentes zu demonstrieren. 
Bach selbst hat häufig Stücke transkribiert. So ist eine Orgelversion des vierten Satzes seiner Sonate für Viola da Gamba und Cembalo G-Dur BWV 1027 überliefert; Koito fügte noch den ersten Satz hinzu - und auch den ersten Satz der Sonate für Violine und Cembalo E-Dur BWV 1016 bearbeitete sie für Orgel. Wer das nicht weiß, dem wird diese Tatsache gar nicht auffallen. Auch das zeigt die hohe Qualität dieser Aufnahme; hier ist jede Phrase wohlstrukturiert, jede Registrierung bestens überlegt und jede Verzierung akzeptabel. 
Die CD endet mit der Orgelfassung des Kirchenliedes Schmücke dich, O liebe Seele BWV 654. Mendelssohn und Schumann hörten sie einst bei einem Konzert in der Leipziger Thomaskirche. Schumann zeigte sich beeindruckt: "Um den Cantus firmus hingen vergoldete Blätter- gewinde, und eine Seligkeit war dareingeschlossen, daß Du mir selbst gestandest, wenn das Leben Dir Hoffnung und Glauben genommen, so würde Dir dieser Choral alles neue bringen", so schrieb er. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.