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Donnerstag, 10. März 2016

Vivaldi in Dresden (Oehms Classics)

Antonio Vivaldi (1678 bis 1741) war nie in Dresden – als seine Musik in Venedig aus der Mode kam, reiste er 1740 nach Wien. Vergeblich hoffte er auf Unterstützung durch den Kaiser. In der sächsischen Landeshauptstadt hingegen wäre Vivaldi wahrschein- lich in Ehren empfangen worden. Denn seine Musik wurde dort sehr geschätzt und liebevoll gepflegt. 
Zur Zeit Augusts des Starken und seines Sohnes August III. hatten sächsische Musiker beste Verbin- dungen zu ihren Kollegen in Italien. Der Violinvirtuose Johann Georg Pisendel beispielsweise, langjähriger Konzertmeister der Dresdner Hofkapelle, reiste zu Studienzwecken nach Venedig, wo er bei Vivaldi Unterricht nahm, und zudem fleißig Werke führender italienischer Komponisten kopierte. Die Sammlung Pisendels umfasst sagenhafte
1.800 Musikalien; sie wurde im legendären „Schranck No: II“ überliefert und befindet sich heute im Bestand der Sächsischen Landes- und Uni- versitätsbibliothek Dresden. 

Hansjörg Albrecht, Dirigent, Organist und Cembalist, hat sich von der Dresdner Vivaldi-Tradition zu einer CD-Einspielung inspirieren lassen. An der Silbermann-Orgel der Hofkirche Dresden – es ist die größte Orgel, die Gottfried Silbermann je gebaut hat, und sie ist hörbar italienischen Vorbildern verpflichtet – spielt er Orgelbearbeitungen berühmter Konzerte des Komponisten. Die Arrangements des Konzertes in d-Moll RV 565 aus L'Estro Armonico und des Konzertes in C-Dur RV 208 Il grosso Mogul stammen von keinem geringeren als Johann Sebastian Bach; er hat Vivaldis Werke mit großer Aufmerksamkeit studiert und meisterhaft bearbeitet. 
Ebenfalls in Geiste Bachs hat Heinrich E. Grimm Vivaldis berühmteste programmatische Konzerte, Die vier Jahreszeiten, für die Orgel transkri- biert. In dieser Version werden erstaunlich viele Details hörbar, die in dem vertrauten Streicherklang weit weniger auffallen. Man lausche nur dem Gesang der Vögel, der fröhlichen Jagd oder dem Brausen des Sturms – dank Orgelwind ziemlich authentisch! 

Dienstag, 27. Dezember 2011

Bach: Organ Masterworks Vol. II; Koito (Claves)

Kei Koito hat die seltene Gabe, zu erspüren, was eine Orgel in Kombi- nation mit dem Kirchenraum, die sie umgibt, einzigartig macht. Das unterscheidet sie von vielen anderen Organisten, die ebenfalls brillant spielen, denen aber dieses Gespür fehlt - und es macht ihre Einspielungen so faszinierend.
Auf dieser CD ist sie an der Silber- mann-Orgel der Katholischen Hofkirche in Dresden zu erleben. Sie spielt Werke, die man vielleicht am ehesten in der Zeit um das Ende des Kirchenjahres verorten könnte, jenen Wochen zwischen Totengedenken und Vorfreude auf das Weihnachtsfest. So folgt auf Toccata und Fuge in d-Moll BWV 565 Nun komm der Heiden Heiland, und zwar gleich in drei verschiede- nen Varianten, aus den Leipziger Chorälen. In derselben Sammlung findet sich auch Herr Jesu Christ, dich zu uns wend
Die Fantasie c-Moll BWV 562 verweist auf Frankreich - und die Organistin lässt darauf gleich noch die Ouvertüre nach französischer Art BWV 831 folgen, mit Rücksicht auf die Orgel transponiert nach
c-Moll. Eine Rarität ist auch die Kombination aus Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564, die Koito im Anschluss daran spielt. 

Nach Wachet auf, ruft uns die Stimme BWV 645, einem der Schübler-Choräle, folgen Fantasie und Fuge in g-Moll BWV 542. Bach hat sie einst geschrieben, als er sich in Hamburg um eine Organistenstelle bewarb. Die hätte er sogar bekommen, doch er weigerte sich dieses Amt zu kaufen - und blieb in Köthen. Sein wuchtiger Auftritt im stylus phantasticus beeindruckt noch heute, und Kei Koito setzt neben die dramatischen Ausbrüche der Fantasie die strenge Regelmäßigkeit der anschließenden Fuge, die überraschend heiter endet. 
Bachs Kantate Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit wird von einer Sona- tina eingeleitet. Koito spielt sie hier in einer Fassung von Alexandre Guilmant für Orgel, die dem Original klanglich erstaunlich dicht folgt. Man meint, die Blockflöten zu hören, die jenes Wiegenlied anstimmen, das andeutet, dass Christen sanft und im Vertrauen auf Gott ent- schlummern. Die Organistin registriert souverän, und nutzt die Klangmöglichkeiten, die ihr das wundervolle Silbermann-Instrument bietet, ganz hervorragend. Mit In dir ist Freude BWV 615, das übli- cherweise freudig das neue Jahr begrüßt, klingt die CD schwungvoll-tänzerisch aus. Wer Bach liebt, aber auch eine nicht ganz orthodoxe Sicht auf sein Werk akzeptabel findet, wenn sie musikantisch über- zeugt, der wird diese Aufnahme mögen.